Die Sea Cloud I

Samstag, 18. Juni 2011 - 16:13 (CET/MEZ) Berlin | Author/Destination:
Category/Kategorie: Allgemein, Großsegler, Kreuzfahrtschiffe

Sea Cloud I in Hamburg © Tvabutzku1234

Sea Cloud I in Hamburg © Tvabutzku1234

Die Sea Cloud (seit 2001 auch Sea Cloud I wegen der Reedereischwester Sea Cloud II) ist ein Luxuskreuzfahrtsegelschiff mit Viermastbarkrigg. Im Jahre 1931 wurde sie im Auftrag des US-amerikanischen Multimillionärs und Börsenmaklers Edward Francis Hutton (1875-1962) als größte und luxuriöseste je gebaute Privatsegelyacht der Welt mit der Takelage einer Viermastbark von der Germaniawerft in Kiel unter dem Namen Hussar II gebaut. Sie war auch in ihrer Zeit die größte und teuerste Yacht überhaupt. Nach Kriegseinsätzen als US-Küstenwachschiff, mehr als sechsfachem Besitzerwechsel, langen Liegezeiten und drohendem Abwracken wurden die Luxusräume Restaurierungsarbeiten unterzogen. Heute wird sie unter dem Namen Sea Cloud (Sea Cloud I) von der Firma “Hansa Cloud Ltd.” auf Malta bereedert und von “Sea Cloud Cruises GmbH” für Kreuzfahrten betrieben.

Edward Francis Hutton war ein erfolgreicher Börsenmakler an der Wall Street. Nach Plänen des amerikanischen Konstruktionsbüros Gibbs & Cox, New York, ließ er die Bark als Hochzeitsgeschenk für seine Ehefrau Marjorie Merriweather Post (1887-1973) aus Kostenersparnis in Deutschland bauen. Majorie Merriweather Post kam durch eine Erbschaft zu einem erheblichen Vermögen und war selbst eine erfolgreiche Geschäftsfrau.

Edward Francis Hutton, der bis nach der Scheidung offizieller Eigner der Yacht war, benannte die Bark Hussar II nach seiner eigenen Luxusyacht Hussar. Ebenso wie die Hussar erhielt auch die Hussar II einen schwarzen Rumpf mit langem, flachem Yachtheck (Plattgatt). Das Schiff war ein absoluter Superlativ. Alle obersten Decks waren mit Teakholz beplankt. Vier Dieselelektroaggregate mit 3.200 PS trieben die beiden Schrauben an, um jederzeit windunabhängig zu reisen. Das Viermastbarkrigg war kein Standardrigg mit sechs Rahen pro Mast, sondern mit nur fünf Rahen an Fock- und Kreuzmast. Neben geteilten Marssegeln führte die Yacht einfache Bramsegel und Royalsegel. Der Großmast hatte ursprünglich geteilte Bramsegel und ein Royalsegel (Standardrigg). Heute führt er auch einfache Bramsegel wie an Fock- und Kreuzmast, dazu ein Skysegel über dem Royalsegel, was von weitem kaum einen Unterschied ausmacht. Das Schiff diente ausschließlich den standesgemäßen Reisen, Treffen und Feierlichkeiten der Eigner.

Seine Frau kümmerte sich in den ersten Jahren intensiv darum, die Yacht nach ihrem Geschmack einzurichten. Die Kabinen wurden mit allem erdenklichen Luxus ausgestattet. Dazu mietete sie ein Lagerhaus in Brooklyn und baute die Innenausrichtung zunächst dort maßstabsgerecht auf. Unter anderem wurden dabei Badewannen aus Carraramarmor, Armaturen aus massivem Gold und offene Marmorkamine in die Luxuskabinen eingebaut, dazu kostbare Wandverkleidungen, Möbel aus edlen Stoffen und Edelhölzern sowie die kostbarsten Accessoires. Die Hussar II war die größte und luxuriöseste Privatyacht, die es jemals gab. Nach der Jungfernreise nach New York im Jahr 1932 unternahmen die Huttons bis 1935 zahlreiche private Kreuzfahrten mit prominenten Gästen aus Hochadel, Film- und Geschäftswelt. Bevorzugte Ziele waren das Mittelmeer, Monaco, die Galápagos-Inseln und Hawaii.

Im August 1935 ließ sich das Paar scheiden. Einen Tag nach der Scheidung überschrieb Edward Hutton die Hussar II auf den Namen seiner Ex-Frau, die das Schiff über alles liebte. Da Edward den Namen Hussar für seine nächste Yacht verwenden wollte, benannte Marjorie die Hussar II, deren Eigner sie nun offiziell war, in Sea Cloud um und ließ den Rumpf weiß streichen.

© Raphodon USCGC Sea Cloud © US Coast Guard © Pierre Bona in front of Porquerolles Harbour, France © BaS in Grenada © Caribbeanyachtbroker in Dartmouth © Tim Trent in Corsica © Matthieu FAURE Edward Francis Hutton, 1920 © Colerumbough Sea Cloud I in Hamburg © Tvabutzku1234
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in front of Porquerolles Harbour, France © BaS
Noch im gleichen Jahr heiratete sie den amerikanischen Anwalt Joseph Davies. Joseph E. Davies, der auch Wirtschaftsberater von US-Präsident Woodrow Wilson war, wurde zum Botschafter in Moskau ernannt. Liegeplatz der Sea Cloud wurde Leningrad. Marjorie knüpfte in dieser Zeit viele Kontakte zu Diplomaten, die die abhörsichere Sea Cloud gerne für Treffen benutzten. Diese Zeit wurde in dem Hollywood-Film Botschafter in Moskau verfilmt. Später wurde Jos. E. Davies nach Belgien versetzt und die Sea Cloud nach Antwerpen verlegt.

Während des Zweiten Weltkriegs versuchten die Davies die Yacht zu veräußern, fanden aber keinen Käufer. Als die Vereinigten Staaten 1941 in den Krieg eintraten, requirierten sie auch Privatyachten. Davies bot auch die Sea Cloud dem Präsidenten Franklin D. Roosevelt zum Kriegsdienst an. Dieser lehnte das Angebot zunächst ab, ging 1942 aber doch darauf ein. Nach der militärischen Außerdienststellung am 4. November 1944 erhielt Marjorie Post Davies die Sea Cloud zusammen mit einer Summe von $175.000,00 zur Wiederherstellung des ursprünglichen Aussehens zurück.

Joseph Davies war mit dem Diktator der Dominikanischen Republik Rafael Trujillo befreundet. Trujillo war in den letzten Jahren regelmäßiger Gast auf der Sea Cloud gewesen. Als die Bark zum Verkauf stand, erwarb er das Schiff 1955 und benannte die Yacht nach seiner Tochter Angelita, genau Yate Angelita (Yacht Angelita). Einige Quellen nennen eine Reederei aus Jacksonville, Florida, als Käufer, von der dann Trujillo die Yacht übernahm. Er benutzte sie als schwimmende Regierungszentrale. Auch Trujillios Sohn Ramfis Trujillo (Rafael Leónidas Trujillo Martínez) und andere prominente Personen hatten sie in diesen Jahren für ihre Zwecke in Gebrauch. Nach mehreren erfolglosen Umsturzversuchen wurde Trujillo am 30. Mai 1961 in einen Hinterhalt gelockt und erschossen. Seine Familie brach mit der Angelita, Trujillos Leichnam und einem beträchtlichen Vermögen in Bargeld in Richtung Cannes auf. Auf Höhe der Kanarischen Inseln erreichte sie ein Funkspruch der neuen dominikanischen Regierung, der sie wieder zurückbeorderte. Dort in Patria umbenannt, aufgelegt (außer Dienst gestellt) und zum Verkauf angeboten, fand sich schließlich erst fünf Jahre später einen Käufer.

John Blue, Präsident der “Operation Sea Cruises Inc.” kaufte die Patria 1966, registrierte sie in Panama und ließ sie 1967–1968 in Neapel gründlich überholen und für Charter-Reisen ausrüsten. 1969 wurde sie an die Firma Antarna Inc., Miami, verkauft und in Antarna umbenannt. Bei der Überführung in die USA gab es aufgrund unbezahlter Rechnungen Probleme und die Antarna wurde von der Behörde an die Kette gelegt.

Der deutsche Kapitän Hartmut Paschberg entdeckte die Bark in Colón und bildete mit einer Gruppe Hamburger Kaufleute ein Syndikat, das das Schiff 1978 erwarb. Die Yacht wurde wieder in Sea Cloud umbenannt. Paschberg sammelte eine 40-köpfige Mannschaft um sich und setzte die Sea Cloud mehrere Monate lang in Colón provisorisch in Stand, sodass das Schiff über den Atlantik nach Hamburg überführt werden konnte. Dort wurde sie von der “Scheel & Joehnk Werft” überholt und um ein achterliches Deckhaus (Spankerdeck) sowie ein zusätzliches Stockwerk auf dem mittleren Deckhaus und insgesamt 22 zusätzliche Kabinen erweitert.

Seit 1994 gehört die Sea Cloud einer Gruppe Hamburger Kaufleute und wird von der Firma “Sea Cloud Cruises” in Hamburg betrieben.

Lesen sie mehr auf Sea Cloud Cruises GmbH und Wikipedia Sea Cloud. Hier erfahren Sie mehr über Bilder und deren Verwendung.




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