Die Pride of America

Donnerstag, 01. Februar 2018 - 13:00 (CET/MEZ) Berlin | Author/Destination:
Category/Kategorie: Kreuzfahrtschiffe, Yacht des Monats

© Teh tennisman

© Teh tennisman

Die Pride of America (dt. Stolz von Amerika, eine Hommage an den Pioniergeist der Vereinigten Staaten von Amerika, vom patriotischen Kunstwerk am Rumpf bis hin zu den öffentlichen Räumen, die mit Bezug zu den USA ausgestattet und eingerichtet worden sind) ist ein Kreuzfahrtschiff der Reederei Norwegian Cruise Line. Sie ist das erste Kreuzfahrtschiff seit über 50 Jahren, das unter US-amerikanischer Flagge fährt. Ihr Heimathafen ist Honolulu auf der Insel Oʻahu. Die Geschichte der Pride of America, deren Bau wie bei keinem anderen modernen Kreuzfahrtschiff von Pannen und Rückschlägen überschattet wurde, begann im März 1999, als der Reiseveranstalter American Classic Voyages (AMCV) einen Vertrag mit der Werft Litton Ingalls Shipbuilding Inc. schloss. Unter dem Namen Project America sollten zwei Kreuzfahrtschiffe gebaut werden, die hauptsächlich im Seegebiet um Hawaii zum Einsatz kommen sollten. Die Gesellschaft plante mit Investitionen von über 1 Milliarde US-$. Das Schiff sollte den Namen Queen of the Americas erhalten.

Die Kiellegung des Project America mit der Baunummer 7671 fand am 10. Oktober 2000 auf der Werft Litton Ingalls Shipbuilding Inc. statt. Während sich das Schiff im Rohbau befand, beantragte der Auftraggeber am 19. Oktober 2001 die Insolvenz nach Chapter 11 des US-amerikanischen Insolvenzrechts. Als Grund wurde unter anderem Nachfrageeinbruch für Kreuzfahrten nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 angegeben. Im Jahr 2002 erwarb die Reederei Norwegian Cruise Line den zu etwa 40 % fertiggestellten Rohbau und beauftragte die Lloyd Werft in Bremerhaven, das Schiff um etwa 25 Meter zu verlängern und schließlich als Pride of America fertigzustellen. Baumaterialien, die sich noch bei Litton Ingalls Shipbuilding Inc. befanden, wurden teilweise in Containern nach Bremerhaven gebracht. Zwischen dem 5. November und dem 13. Dezember erfolgte die Überführung nach Bremerhaven. Im Juli 2003 wurde der im Trockendock liegende Rumpf auseinandergeschnitten und die neue Sektion eingebaut. Nach Abschluss der Arbeiten folgte im November 2003 die Verlegung des Schiffes an den Ausrüstungskai. Am 14. Januar 2004, kurz vor der Fertigstellung, geriet die noch am Ausrüstungskai der Werft liegende Pride of America durch einen Sturm in eine leichte Schräglage. Durch Montageöffnungen an der dem Kai zugewandten Steuerbordseite drang Wasser ein, so dass die Schlagseite immer größer wurde. Der darauffolgende massive Wassereinbruch flutete die vier unteren Decks einschließlich des Maschinenraums und das Schiff sackte auf den Grund des Hafenbeckens. Zum Zeitpunkt des Unglücks befanden sich 14 Werftarbeiter an Bord, die jedoch unverletzt blieben. Da das Schiff nicht wie vereinbart im April fertiggestellt werden konnte, musste die Lloyd Werft Anfang Februar 2004 Insolvenz anmelden. Dennoch vereinbarten Reederei und Werft das Schiff zu heben, instand zu setzen und fertigzustellen. Die Bergungsarbeiten begannen am 13. Februar 2004. Mit Hilfe von Pumpen, mehreren Schleppern und einem Bergungsponton konnte das Schiff gehoben werden. Durch die Havarie waren Maschinen- und Antriebsanlage schwer beschädigt und die elektrischen Anlagen in den unteren Decks nahezu vollständig zerstört worden. Beide Propellergondeln mussten ersetzt werden, die Dieselmotoren wurden vollständig zerlegt und nach einer Generalüberholung wieder eingebaut. Die Bergung und die Beseitigung der Schäden nahmen mehrere Monate in Anspruch und kosteten die Versicherer insgesamt rund 225 Millionen US-$.

Pride of America seen from Aloha Tower in Honolulu © flickr.com - Daniel Ramirez/cc-by-2.0 Pride of America in Honolulu © flickr.com - Daniel Ramirez/cc-by-2.0 Pride of America as seen from Kilauea Point on Kauai © flickr.com - Robert Linsdell/cc-by-2.0 Deck 11 - Sun Deck © flickr.com - Mark McElroy/cc-by-2.0 © Teh tennisman
<
>
Pride of America as seen from Kilauea Point on Kauai © flickr.com - Robert Linsdell/cc-by-2.0
Nachdem die Testfahrten Mitte Mai 2005 erfolgreich abgeschlossen wurden, konnte die Pride of America schließlich am 6. Juni 2005 – zwei Jahre später als ursprünglich geplant – an die Reederei Norwegian Cruise Line übergeben werden. Nachdem die Präsentation des Schiffes aus verschiedenen Gründen abgesagt wurde, begann unmittelbar nach der Übergabe die Überführung nach New York. Die Redaktion einer Fachzeitschrift honorierte die Leistungen der Werft indem sie die Pride of America als “Schiff des Jahres 2005” auszeichnete. Am 17. Juni 2005 wurde die Pride of America von der damaligen US-Arbeitsministerin Elaine Chao getauft. Anschließend verließ das Schiff den Hafen mit Kurs auf Hawaii, von wo sie im Juli 2005 zu ihrer ersten Kreuzfahrt auslief.

Die Pride of America wurde ausschließlich für den Einsatz in amerikanischen Gewässern konzipiert und ist ganzjährig im Seegebiet um Hawaii unterwegs. Die Besatzung besteht durchweg aus amerikanischen Staatsbürgern. Dabei werden von Honolulu (Abfahrt 19 Uhr) aus die Ziele Kahului auf Maui (von 8 Uhr am 2. Tag bis 18 Uhr am 3. Tag), Hilo (8-18 Uhr am 4. Tag) und Kailua-Kona (7:30-17:30 Uhr am 5. Tag) auf Big Island sowie Nawiliwili bei Līhuʻe auf Kauaʻi (10 Uhr am 6. Tag bis 14 Uhr am 7. Tag) bedient. In Kailua-Kona liegt das Schiff aufgrund des zu flachen Hafenbeckens auf Reede, während es nach dem Auslaufen aus Nawiliwili entlang der Nā-Pali-Küste Kauais eine Panoramafahrt durchführt. Um 7 Uhr erreicht die Pride of America dann wieder Honolulu auf Oʻahu.

Lesen Sie mehr auf ncl.com – Pride of America und Wikipedia Pride of America (Sicher Reisen - Die Reiseapp des Auswärtigen Amtes). Fotos von Wikimedia Commons. Wenn Sie eine Anregung, Kritik oder einen Hinweis zu dem Beitrag haben, freuen wir uns auf Ihre E-Mail an kommentar@wingsch.net. Nennen Sie dazu im Betreff bitte die Überschrift des Blogbeitrags, auf den sich Ihre E-Mail bezieht.



Das könnte Sie auch interessieren:

Diesen Beitrag teilen:

Themenwoche Istanbul - Topkapı-Palast

Themenwoche Istanbul - Topkapı-Palast

[caption id="attachment_163212" align="aligncenter" width="590"] © Carlos Delgado/cc-by-sa-3.0[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Der Topkapı-Palast ("Kanonentor-Palast") in Istanbul war jahrhundertelang der Wohn- und Regierungssitz der Sultane sowie das Verwaltungszentrum des Osmanischen Reiches. Mit dem Bau wurde bald nach der Eroberung Konstantinopels (1453) durch Sultan Mehmed II. begonnen. Zunächst ließ er einen Palast auf dem heutigen Beyazıtplatz (Beyazıt Meydanı) errichten. Wenig später entschied er sich dann aber für e...

Die Queen Elizabeth 2

Die Queen Elizabeth 2

[caption id="attachment_151244" align="aligncenter" width="590"] Port of Hamburg © Seebeer[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Die RMS Queen Elizabeth 2 (QE2) war 35 Jahre lang das Flaggschiff der britischen Cunard-Reederei, bis sie 2004 von der Queen Mary 2 abgelöst wurde. Der Heimathafen der QE2 war das englische Southampton. Am 18. Juni 2007 kündigte die Cunard-Reederei an, das Schiff zum Jahresende 2008 für 100 Millionen Dollar nach Dubai zu verkaufen, wo es ab Frühjahr 2009 am Ostrand der Palm Jumeirah als Museum (mit L...

Themenwoche Guyana

Themenwoche Guyana

[caption id="attachment_184203" align="aligncenter" width="590"] Kaieteur Falls © Bill Cameron/cc-by-sa-3.0[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Guyana ist ein Staat an der Atlantikküste Südamerikas. Er grenzt im Süden an Brasilien, im Westen an Venezuela und im Osten an Suriname. Im Land leben etwa 740.000 Einwohner. Die Hauptstadt, größte und wichtigste Stadt ist Georgetown. Der tiefste Punkt befindet sich an der Atlantik-Küste, höchster Punkt ist der Berg Roraima-Tepui mit 2.810 m. An der Grenze zu Venezuela und Brasilien ...

Riace in Kalabrien

Riace in Kalabrien

[caption id="attachment_151176" align="aligncenter" width="590"] Riace © Marcuscalabresus/cc-by-3.0[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Riace ist eine italienische Gemeinde mit 2100 Einwohnern in der Provinz Reggio Calabria in Kalabrien. Die Nachbargemeinde sind Camini und Stignano. Riace besteht aus zwei Siedlungszentren, dem mittelalterlichen Riace Superiore oder Borgo und Riace Marina am Ionischen Meer. Riace Borgo ist die ursprüngliche ältere Siedlung höher in den Hügeln gelegen. Sie hat ein mittelalterliches Zentrum mit...

Augsburg, die Fugger-Stadt

Augsburg, die Fugger-Stadt

[caption id="attachment_160490" align="aligncenter" width="590"] Fuggerei, the world';s first ever build social housing project © Wolfgang B. Kleiner / context medien und verlag Augsburg[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Augsburg ist eine kreisfreie Großstadt im Südwesten Bayerns. Die Universitätsstadt ist Sitz der Regierung von Schwaben sowie Sitz des Bezirks Schwaben und des Landratsamtes Augsburg. 1909 wurde Augsburg zur Großstadt und ist heute mit über 263.000 Einwohnern nach München und Nürnberg die drittgrößte Stadt in ...

Themenwoche Kuwait - Madinat al-Hareer

Themenwoche Kuwait - Madinat al-Hareer

[caption id="attachment_168369" align="aligncenter" width="590"] © timeskuwait.com[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Madinat al-Hareer ("Stadt der Seide") ist eine gegenwärtig in Planung befindliche neue Stadt für 700.000 Einwohner. Sie soll auf einer Fläche von 250 km² auf einer Halbinsel am nördlichen Ufer der Bucht von Kuwait circa 30 km nördlich von Kuwait-Stadt in Sulaibiya entstehen. Das riesige Projekt wurde nicht zuletzt ins Auge gefasst, weil man auch in Kuwait, angeregt durch bauliche Anstrengungen am westlichen Persis...

Return to Top ▲Return to Top ▲
© Sailko/cc-by-3.0
Casa Machiavelli in der Toskana

Casa Machiavelli, auch bekannt als l’Albergaccio (von it. "albergo" Zuflucht, Herberge), war während der Verbannung der Wohnsitz von Niccolò Machiavelli....

Hebron Market © flickr.com - amillionwaystobe/cc-by-2.0
Al-Chalīl oder Hebron im Westjordanland

Hebron ist eine Stadt im Westjordanland mit rund 202.000 Einwohnern. Die Stadt liegt 30 Kilometer südlich von Jerusalem in 930...

Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD)

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ist eine internationale Organisation mit 35 Mitgliedstaaten, die sich der Demokratie und Marktwirtschaft...

Schließen