Die Narrowboats

Montag, 15. Juli 2013 - 13:04 (CET/MEZ) Berlin | Author/Destination:
Category/Kategorie: Allgemein

Modern narrowboats on the Kennet and Avon Canal © Per Palmkvist Knudsen/cc-by-sa-2.5

Modern narrowboats on the Kennet and Avon Canal © Per Palmkvist Knudsen/cc-by-sa-2.5

Narrowboat, auch narrow boat, bezeichnet einen Bootstyp, der seit etwa 1750 auf den Binnenwasserstraßen, den sogenannten Inland Waterways, in England und Wales genutzt wird. Das namensgebende besondere Kennzeichen beruht darauf, dass ein Narrowboat zwar bis zu 21 m lang, aber nur bis 2,10 m breit ist, also sehr schmal (englisch: narrow).

Die Ursache für diese besonderen Maße war einerseits die Größe der Schleusen, die mit den um 1750 vorhandenen und beherrschbaren technischen und ökonomischen Mitteln herstellbar waren. Andererseits sollten die Boote eine Last bis zu 30 metrischen Tonnen tragen können, die ein Pferd auf einem Treidelpfad ziehen konnte. Der Kompromiss daraus war ein solches Narrowboat. Auch wurde damals das Kanalbett selbst nur mit Schaufel, Schubkarren und vor allem Handarbeit durch die Kanalbauer (englisch navvies) errichtet, die einen Kanal nur so breit bauten, dass ein Begegnungsverkehr zwischen zwei Narrowboats möglich war. Ein Narrowboat ist daher ein Bootstyp, der nach den Anforderungen eines Verkehrsweges, eben dem Narrow Canal gebaut wurde und mit diesem sein Schicksal hinsichtlich Aufstieg, Fall und Wiedergeburt teilte.

Mitte des 18. Jahrhunderts entstand in England das Bedürfnis nach Transportmöglichkeiten großer Gütermengen zwischen den Städten, aber auch von Rohstoffquellen (namentlich Kohlegruben) in ebendiese wachsenden Städte. Die noch von den Römern errichteten Straßen waren für einen wirtschaftlichen Überlandtransport von Massengütern ungeeignet. Auch die vorhandenen natürlichen Wasserstraßen entsprachen nicht immer den Erfordernissen. Entweder waren sie zu klein, führten also zu wenig Wasser, oder eben nicht dahin, wo es ein Angebot an Rohstoffquellen gab oder die Nachfrage in den wachsenden Städten es erforderte.

Einer Initialzündung gleich kam jedoch der Auftrag des dritten Duke of Bridgewater an James Brindley (1716–1772), einen ausschließlich von ihm finanzierten Kanal zwischen seiner Kohlegrube in Worsley und der wachsenden Industriemetropole Manchester zu bauen. Der Bridgewater-Kanal wurde 1761 eröffnet und war sofort ein kommerzieller Erfolg. Binnen weniger Jahre wurde das zum Bau eingesetzte Kapital erwirtschaftet und durch Nutzungsgebühren Gewinne erzielt. Der Kohlepreis in Manchester sank innerhalb eines Jahres auf etwa ein Drittel des ursprünglichen Preises, was einen erheblichen Nachfrageschub auslöste.

Narrowboats on the Peak Forest Canal, Derbyshire © geograph.org.uk - Roger Kidd/cc-by-sa-2.0 Narrowboats for leisure cruising at Bugsworth Basin © Roger W. Haworth/cc-by-sa-3.0 © Frank Heidelmann Canal Basin © geograph.org.uk - robert wade/cc-by-sa-2.0 Braunston Marina - Grand Union Canal - Working boat Vulcan © flickr.com - David Merrett/cc-by-2.0 Modern narrowboats on the Kennet and Avon Canal © Per Palmkvist Knudsen/cc-by-sa-2.5
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Braunston Marina - Grand Union Canal - Working boat Vulcan © flickr.com - David Merrett/cc-by-2.0
Dieser bisher beispiellose wirtschaftliche Erfolg eines privat finanzierten Verkehrsweges im Rahmen der industriellen Revolution verursachte eine Revolution im Bereich des Verkehrs. Es begann das goldene Gründer-Zeitalter der Narrow Kanäle, die sogenannte Canal Mania. Innerhalb weniger Jahre wurden hunderte Kilometer von Kanälen zwischen den aufstrebenden Industriestädten, den Rohstofflagerstätten und den großen Hafenstädten errichtet. Und das Hauptverkehrsmittel auf diesen war das Narrowboat mit seinen an den Schleusenmaßen des Staffordshire-und-Worcestershire-Kanal orientierten Größe von etwa 2 m Breite und gut 21 m Länge sowie einer durch ein Pferd gezogenen Nutzlast von etwa 30 Tonnen. Erfindung und Bau der Eisenbahn ab 1830 veränderte die Situation entscheidend. Die Eisenbahn transportierte größere Gütermengen über weitere Strecken bedeutend schneller und kostengünstiger, zudem war ihr Verkehrsweg (die Bahngeleise) einfacher zu bauen. Dies leitete letztlich den Untergang des Narrowboats als kommerzielles Transportmittel ein.

Die erstaunliche Wiedergeburt des englischen Kanalsystems und mit ihm der Narrowboats hat sowohl Namen als auch Datum. Es war der Schriftsteller L.T.C. Rolt, der unter dem Eindruck seiner auf dem Narrowboat Cressy im Jahre 1944 unternommenen Hochzeitsreise ein Buch mit dem Titel Narrow Boat veröffentlichte. Dies löste eine Welle der Begeisterung für das industriegeschichtliche Erbe des englischen Kanalsystems und seines Hauptverkehrsmittels, des Narrowboats, aus. 1946 traf sich Robert Aickman mit Rolt auf Rolts Narrowboat Cressy in der Nähe von Tardebigge am Worcester-und-Birmingham-Kanal. Das Ergebnis dieses Treffens war die Gründung der Inland Waterways Association (IWA), die sich künftig für den Erhalt der englischen Wasserstraßen einsetzte. Gerade in den letzten zwei Jahrzehnten sind deshalb einige insbesondere 1948 aufgegebene Kanäle wieder restauriert und dem öffentlichen Freizeitverkehr übergeben worden, z.T. unter königlicher Schirmherrschaft. Ein besonders gelungenes Beispiel für eine solche Restauration ist der Kennet-und-Avon-Kanal.

Heutige Narrowboats werden entweder privat genutzt als fahrbares temporäres Ferienheim oder (seltener) als fahrbare ständige Wohnung, am häufigsten jedoch als kommerzielles Charterboot.

Lesen Sie mehr auf Inland Waterways Association, National Waterways Museum, Wikipedia British Waterways und Wikipedia Narrowboat. Hier erfahren Sie mehr über Bilder und deren Verwendung. Damit Sie sich auf dem Laufenden halten können, bieten die meisten Stadt- oder Tourismus-Webseiten einen Newsletter-Service an und/oder unterhalten Facebook-Seiten/Twitter-Accounts. Zudem bieten mehr und mehr Orte, Tourismusorganisationen und Kultureinrichtungen zusätzlich Apps für SmartPhones und Tablets an, sodass Sie Ihren mobilen Fremdenführer immer dabei haben können (Sicher Reisen - Die Reiseapp des Auswärtigen Amtes). Wenn Sie eine Anregung, Kritik oder einen Hinweis zu dem Beitrag haben, freuen wir uns auf Ihre E-Mail an kommentar@wingsch.net. Nennen Sie dazu im Betreff bitte die Überschrift des Blogbeitrags, auf den sich Ihre E-Mail bezieht.

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