Die Brotvermehrungskirche in Tabgha

Montag, 25. Januar 2016 - 11:00 (CET/MEZ) Berlin | Author/Destination:
Category/Kategorie: Allgemein, Union für das Mittelmeer

Mosaic in the church © Berthold Werner

Mosaic in the church © Berthold Werner

Die Brotvermehrungskirche ist eine römisch-katholische Kirche im westlichen Teil von Tabgha am Nordwestufer des See Genezareth und soll angeblich der Ort sein, wo nach dem Matthäusevangelium die wundersame Brot- und Fischvermehrung bei der Speisung der Fünftausend stattfand. In unmittelbarer Nähe liegen weitere christliche Stätten, vor allem der Berg der Seligpreisungen nördlich, Kafarnaum sowie Bethsaida östlich und Magdala südlich von Tabgha. Die heutige Kirche gehört zum Benediktinerpriorat Tabgha und wurde 1980 bis 1982 im byzantinischen Stil errichtet. Zuvor befanden sich an derselben Stelle zwei Vorgängerbauten aus dem 4. und 5. Jahrhundert.

Direkt an die Kirche angeschlossen ist das zur Jerusalemer Dormitio-Abtei gehörende Benediktinerpriorat. Auf dem Gelände befindet sich außerdem eine Behinderten- und Jugendbegegnungsstätte und die heute Deutung des biblischen Ortes Dalmanutha. In direkter Nachbarschaft liegen die Primatskapelle und das Pilgerhaus Tabgha. 1888 erwarb die Deutsche Katholische Palästinamission das Gelände. 1892 begann eine erste archäologische Untersuchung. Weitergehende Ausgrabungen fanden 1932 statt. Dabei wurden Mosaikböden aus dem 4. und 5. Jahrhundert entdeckt. Bis 1936 waren die Mosaiken freigelegt und zum Schutz mit einer Notkirche überbaut.

Mosaic in the church © Berthold Werner Exterior of the church © David Shankbone/cc-by-sa-3.0 Interior of the church © Berthold Werner Church of the Multiplication © Berthold Werner Courtyard © David Shankbone/cc-by-sa-3.0
<
>
Exterior of the church © David Shankbone/cc-by-sa-3.0
Die gesamte Anlage der Brotvermehrungskirche war ursprünglich mit Mosaiken ausgelegt. Diese Mosaiken aus dem zweiten byzantinischen Bau sind erhalten. Der Bodenaufbau besteht zunächst aus faustgroßen Steinen, auf die eine Schicht grober Kiesmörtel (rudu) aufgetragen wurde und die mit einer feinen Schicht aus grobem Kalkmörtel bestrichen wurde. Die Mosaikwürfel sind aus Kalksteinen im Farbspektrum von Blauschwarz bis Weiß. Nur Blau und Grün fehlen. Die Mosaiken entstammen unterschiedlichen Zeitperioden. Von besonderer künstlerischer Qualität sind die Darstellungen von Wasservögeln und Sumpfpflanzen in den Seitenschiffen und im Querschiff. Sehr bekannt ist das Mosaik am Altar, das einen Korb mit vier Broten (das fünfte Brot ist sinngemäß das bei der Eucharistie verwendete) und je einem Fisch links und rechts davon zeigt. Das Motiv findet sich häufig auf Keramiksouvenirs und Postkarten für Touristen. Der Stein unter dem Altar wird als die Stelle verehrt, auf der Jesus vor der Brotvermehrung die Brote und Fische abgelegt haben soll. Die Mosaiken der Kirche werden auf die Mitte des 4. Jahrhunderts datiert, das berühmte Brot-und-Fische-Mosaik ist als spätestes wohl auf das beginnende 5. Jahrhundert zu datieren.

Das heutige, dem byzantinischen Stil nachempfundene Kirchengebäude mit vorgelagertem Atrium und Narthex wurde 1980 bis 1982 von den Kölner Architekten Anton Goergen und Fritz Baumann auf den Grundmauern aus dem 5. Jahrhundert errichtet; stellenweise sind noch die alten schwarzen Basaltmauern zu erkennen. Die hellen Steine für den Kirchenbau stammen aus Taybeh, einem überwiegend christlichen Dorf, an der Straße von Jericho nach Ramallah. Der offene Dachstuhl stammt aus Deutschland und die roten Ziegeln aus Italien. Das Portal der Kirche wurde von dem deutschen Bildhauer Elmar Hillebrand gestaltet.

Am 17. Juni 2015 wurde die Kirche Opfer eines Brandanschlags durch rechtsextremistische israelische Siedler, der eine seit 2013 anhaltende Welle von Anschlägen gegen christliche und muslimische Einrichtungen und Organisationen in Israel und Palästina fortsetzte. Ein Mönch und eine Volontärin wurden dabei verletzt, ein hebräisches Graffiti mit dem Inhalt “Götzendiener müssen vernichtet werden” wurde auf die Wände geschmiert. Der Eingangsbereich wurde stark beschädigt, die Pforte und das südliche Atrium komplett zerstört. Die fünf Attentäter stammen aus der Extremistenhochburg Siedlung Yitzhar im Westjordanland und gehören der fanatischen, national-religiösen Extremistenorganisation Hilltop Youth (Price tag policy) an. Die israelische Regierung stufte das Verbrechen als Terroranschlag ein. Für die 1,8 Millionen Euro teuren und 20 Monate dauernden Sanierungsarbeiten wurde großzügig aus Deutschland gespendet, hinzu kamen Beiträge der Benediktiner selbst und Zahlungen des israelischen Ausgleichsfonds, der sich finanziell an der Behebung von Schäden durch Terroranschläge beteiligt.

Lesen Sie mehr auf IsraelMagazin.de – Brotvermehrungskirche und Wikipedia Brotvermehrungskirche (Sicher Reisen - Die Reiseapp des Auswärtigen Amtes). Fotos von Wikimedia Commons. Wenn Sie eine Anregung, Kritik oder einen Hinweis zu dem Beitrag haben, freuen wir uns auf Ihre E-Mail an kommentar@wingsch.net. Nennen Sie dazu im Betreff bitte die Überschrift des Blogbeitrags, auf den sich Ihre E-Mail bezieht.



Das könnte Sie auch interessieren:

Diesen Beitrag teilen:

Das Kloster Maria Laach

Das Kloster Maria Laach

[caption id="attachment_161229" align="aligncenter" width="590"] Aerial view © Dr.G.Schmitz[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Die Abtei Maria Laach (lat. Abbatia Mariae Lacensis oder Abbatia Mariae ad Lacum) ist eine an der Südwestseite des Laacher Sees, vier Kilometer nördlich von Mendig in der Eifel auf der Markung der Ortsgemeinde Glees im Landkreis Ahrweiler gelegene hochmittelalterliche Klosteranlage, die als Abbatia ad Lacum, lat. für "Abtei am See", später auch Abbatia Lacensis "Die zum See/ Laach gehörende Abtei" zwischen...

Agadir am Atlantik

Agadir am Atlantik

[caption id="attachment_153597" align="aligncenter" width="590"] © Daniel*D/cc-by-sa-3.0[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Agadir ("Speicherburg") ist eine Hafenstadt am Atlantik im Süden Marokkos, etwa 500 km südlich von Casablanca mit 600.000 Einwohnern. Am Abend des 29. Februar 1960 wurde die Stadt durch ein Erdbeben verwüstet. Außer der Kasbah (240 Meter über dem Meeresspiegel) hat Agadir daher heute nur noch wenige historische Bauten. Viele Nationen halfen Agadir beim Wiederaufbau. Die Schweiz baute sogar ein ganzes Viertel ...

Malmö, Schwedens Tor zum Kontinent

Malmö, Schwedens Tor zum Kontinent

[caption id="attachment_148970" align="aligncenter" width="509"] Malmö Collage © Twowells[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Malmö ist eine Großstadt in der historischen schwedischen Provinz Schonen (Skåne) und Hauptstadt der heutigen Provinz Skåne län sowie Hauptort der Gemeinde Malmö. Sie ist nach Stockholm und Göteborg mit 630.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt des Schwedens und hat einen eigenen Strand. In den letzten zehn Jahren hat Malmö einen einschneidenden, postindustriellen Wandel durchgemacht. Die kosmopolitisch...

Rambouillet in der Île-de-France

Rambouillet in der Île-de-France

[caption id="attachment_151261" align="aligncenter" width="590"] Château de Rambouillet © Jules78120/cc-by-sa-3.0[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Rambouillet ist eine französische Gemeinde im Département Yvelines in der Region Île-de-France. Mit dem Rambolitrain verfügt die Stadt über ein Miniatureisenbahn-Museum. Rambouillet befindet sich 50 km südwestlich von Paris, an der Bahnlinie nach Chartres inmitten des Waldes von Rambouillet. Die Stadt zählt 26.000 Einwohner und umfasst eine Fläche von 3.519 Hektar. Sie liegt am Fl...

Die Europäische Union: Quo vadis?

Die Europäische Union: Quo vadis?

[responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Das Beste vorweg: Die Eurozone hat heute bei ihren Bürgerinnen und Bürgern größere Zustimmungswerte als in den vergangenen 35 Jahren. Das ist nicht irgend ein beliebiger Indikator, sondern eine solide Basis und ein Arbeitsauftrag, der aber bisher nur in Teilen angenommen wurde, um ambitionierte, längst überfällige Reformen und die erforderliche Neuausrichtung der EU auch tatsächlich anzugehen (Die Zeit vom 02.12.2018: Ein Sternchen für Europa). Ein nett geschriebenes Weißbuch der Europäischen Kommiss...

Themenwoche Emilia-Romagna - Piacenza

Themenwoche Emilia-Romagna - Piacenza

[caption id="attachment_152595" align="aligncenter" width="590"] Piazza Duomo © Giovanni Dall'Orto[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Piacenza mit 103.838 Einwohnern ist Hauptstadt der Provinz Piacenza und liegt nahe dem Zusammenfluss von Po und Trebbia in der lombardischen Ebene. Die Stadt ist Handelsplatz und Industriezentrum, in dem Erdgas- und Erdölraffinerien angesiedelt sind. Ferner werden Zement, Lebensmittel, Plastik, Lederwaren sowie landwirtschaftliche Geräte hergestellt. In der Nähe befindet sich ein Luftwaffenstützpunkt...

Return to Top ▲Return to Top ▲
Nilov Monastery from Lake Seliger © Just/cc0
Nilow-Kloster im Seligersee

Das Nilow-Kloster ist ein russisches-orthodoxes Kloster auf der Insel Stolobny im Seligersee in den Waldaihöhen 300 km nordwestlich von Moskau....

Riyadh Skyline © Muhaidib
Das Kingdom Centre in Riad

Das Kingdom Centre ist ein Wolkenkratzer in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad, der zwischen 1999 und 2002 erbaut wurde. Er ist...

© Degser/cc-by-sa-3.0
Themenwoche Tel Aviv – Der Rothschild Boulevard

Der Rothschild Boulevard ist einer der Hauptstraßen im Zentrum von Tel Aviv, beginnend in Stadtteil Neve Zedek am südwestlichen Rand...

Schließen