Deutsche Oper Berlin

Mittwoch, 30. Mai 2018 - 11:00 (CET/MEZ) Berlin | Author/Destination:
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© Andreas Praefcke/cc-by-3.0

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Die Deutsche Oper Berlin ist das größte der drei Opernhäuser in Berlin. Das Gebäude Bismarckstraße 34–37 in Charlottenburg wurde 1961 eröffnet und war Ersatz für die an gleicher Stelle im Zweiten Weltkrieg 1943 zerstörte Deutsche Oper. Das Charlottenburger Haus ist mit 1859 Sitzplätzen eines der größten Theater in Deutschland. Die Deutsche Oper bildet mit der Staatsoper Unter den Linden, der Komischen Oper, dem Staatsballett und dem Bühnenservice Berlin die Stiftung Oper in Berlin. Die Deutsche Oper Berlin ist mit 1859 Sitzplätzen heute das weitaus größte Opernhaus Berlins und ist auch Heimat des Staatsballett Berlin. Sie allein bietet rund 42 Prozent der Plätze der drei Berliner Häuser der Opernstiftung. Daher findet das Haus mit seinen Opernvorstellungen die meisten Besucher der drei Berliner Opernhäuser. Die prozentuale Auslastung ist dabei einerseits höher als die der Komischen Oper Berlin, andererseits aber geringer als die der Staatsoper Unter den Linden, diese weist allerdings nur 1396 Sitzplätze auf. Auf Initiative von Götz Friedrich wurde 1986 in New York die Stiftung The American Berlin Opera Foundation gegründet.

Aufgabe der Deutschen Oper Berlin ist daher die Pflege des großen Repertoires des 19. Jahrhunderts mit Eckpunkten wie Richard Strauss, Richard Wagner, Giacomo Puccini und Giuseppe Verdi. Hier lagen in der Vergangenheit sowohl die großen Regie-Erfolge von Götz Friedrich, Hans Neuenfels, Achim Freyer oder in den letzten Jahren z. B. Die Meistersinger von Nürnberg und Tristan und Isolde von Richard Wagner. Zu den erfolgreichen Wiederentdeckungen an der Deutschen Oper zählten in den letzten Spielzeiten u. a. Szenen aus dem Leben der Heiligen Johanna von Walter Braunfels und Oberst Chabert von Hermann Wolfgang von Waltershausen. Gerühmt wird das Charlottenburger Opernorchester vor allem für seine besondere Vielseitigkeit und sein Wagnerspiel, daher ist das Orchester der Deutschen Oper eine der größten Rekrutierungsquellen für das Bayreuther Festspielorchester. Im Haus an der Bismarckstraße hatte der Parsifal von Richard Wagner 1914 nach Ablauf der Schutzfrist deutsche Erstaufführung außerhalb Bayreuths. Wagners Der Ring des Nibelungen in der Inszenierung von Götz Friedrich gilt als epochemachende Regiearbeit. Auch sonst ist die Deutsche Oper den Bayreuther Wagner-Festspielen eng verbunden. Festspielleiterin Katharina Wagner hat an der Deutschen Oper Berlin Giacomo Puccinis Il trittico inszeniert. Und: ist sich die Familie Wagner bei der Neubesetzung des Chef-Postens der Bayreuther Festspiele nicht einig, so hat der Stiftungsrat der Festspiele nach seiner Satzung einen Rat aus Opernintendanten zu befragen und dabei zuerst den oder die Intendantin der Deutschen Oper Berlin. Generalmusikdirektor Donald Runnicles führt als (ebenfalls Bayreuth-erfahrener) Wagner- und Strauss-Spezialist diese Tradition fort. Weiter ist das Haus dem Werk von Hans Werner Henze verpflichtet, von dem hier zahlreiche Werke auf- und uraufgeführt wurden. Nicht zuletzt die Pflege des Repertoires von Leoš Janáček hat für die Deutsche Oper Berlin große Bedeutung.

Die Initiative für die Gründung des Opernhauses ging auf bürgerliche Kreise im damals selbstständigen Charlottenburg zurück. Als wirtschaftliche Stütze des Staates und intellektuelle Vorreiter wollten die Bewohner der reichsten Großstadt Preußens ein Opernhaus “für sich” als Gegenentwurf gegen die “erstarrte” Repräsentationsbühne der Hofoper Unter den Linden. Von 1911 bis 1912 wurde von der Stadt Charlottenburg nach Plänen Heinrich Seelings das Deutsche Opernhaus gebaut und unter der Leitung von Ignatz Waghalter am 7. November 1912 mit Ludwig van Beethovens Fidelio eröffnet. Mit dem Gesetz über die Bildung einer neuen Stadtgemeinde Berlin (Groß-Berlin-Gesetz) wurde Charlottenburg 1920 Teil der Reichshauptstadt und das über 2300 Sitzplätze fassende Haus in Städtische Oper umbenannt.

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Nüchtern (bis zur “Staubtrockenheit”, wie Kritiker sagen), monumental und imposant nach Meinung anderer ist das architektonische Konzept des Neubaus der größten Berliner Oper aus den 1960er Jahren. Der Architekt Fritz Bornemann (übrigens in den 1930er Jahren Ausstattungs-Assistent am Vorgängerhaus an gleicher Stelle) konzipierte eine massive Außenwand zur sechsspurigen Bismarckstraße, an der das Gebäude liegt. Die Wand schützt den Theatersaal vollständig vor dem Straßenlärm. Die Stützwirkung dieser Hauptfassade macht Seitenfassaden aus bloßem Glas und stützenfreie Treppenhäuser möglich, was auf Leichtigkeit und Transparenz abzielt. Treppenhaus und Foyers sind für Filme und Werbespots wegen dieser Raumwirkung als Kulisse beliebt. In historischen Theaterbauten wurden Foyers und Pausenräume in der Regel nachträglich eingebaut, denn die Logen dienten ja dem Aufenthalt samt Essen und Gesprächen während der Aufführung, während die übrigen Räume schmucklos und das Parkett als Tanzfläche unbestuhlt war. Die Foyers der Deutschen Oper waren demgegenüber von Anfang an als wichtige und herausgehobene Architektur-Elemente geplant. Daher sind sie nicht versteckt in Zwischengeschosse oder Souterrains gedrängt, sondern behaupten in Größe und Sichtbarkeit ihre nahezu gleichrangige Bedeutung neben dem Zuschauerraum. Sie selbst sind auf Weite und Transparenz konzipiert, die im Dekor von zeittypischer Schlichtheit und Reduktion bestimmt ist. Teile der Foyers können wegen ihrer Größe für Theatervorstellungen und Vorträge sowie Festlichkeiten abgeteilt und genutzt werden. Ansonsten bieten sie in den Pausen wegen der Glasfassade “Panoramablicke” nach Ost und West.

Der Zuschauerraum ist kein Theater-U in Hufeisenform, vielmehr breit und nur schwach gekrümmt, mit freitragenden Balkons. Von jedem Platz sieht man die breite Bühne ganz. Die Akustik ist die beste aller Berliner Musiktheaterbühnen (nur Deutsche und Komische Oper spielen in Berlin die Opernvorstellungen ohne elektronische Sound-Anlage zur Akustik-Optimierung). Damit bietet die Architektur des Zuschauerraums der Deutschen Oper einen diametralen Gegenentwurf zum nur sechs Jahre älteren Paulick-Saal der Staatsoper unter den Linden, wo im Rahmen der anstehenden Sanierung nun nach einem Wettbewerb der Umbau im Sinne einer Konzeption diskutiert wird, wie sie Bornemann in der Deutschen Oper verwirklichte. Die strenge Wandverkleidung des Saales aus (heute nicht mehr zugelassenen) tropischen Edelhölzern, die Farbgebung und die gezielt gerichtete Beleuchtung sollen im Saal die Konzentration auf die Bühne richten und verdeutlichen, dass die Aufführung und nicht etwa Repräsentation im Vordergrund steht. Der Saal verfügt über keine klassischen Logen. Nahezu alle Vorstellungen werden zum besseren Textverständnis mit Übertiteln gegeben. Als bedeutende Theaterarchitektur des 20. Jahrhunderts steht das Gebäude unter Denkmalschutz.

Benno Ohnesorg war ein Student und Teilnehmer an der Demonstration am 2. Juni 1967 in West-Berlin in den Straßen um die Oper herum gegen den Staatsbesuch von Schah Mohammad Reza Pahlavi. Dabei erschoss der West-Berliner Polizist Karl-Heinz Kurras den 26-Jährigen mit einem Pistolenschuss aus kurzer Distanz in den Hinterkopf. Der Künstler Alfred Hrdlicka schuf daraufhin das Denkmal “Tod des Demonstranten”, welches in unmittelbarer Nähe zur Oper aufgestellt worden ist.

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