Der Schiefe Turm von Pisa

Samstag, 01. Februar 2014 - 13:00 (CET/MEZ) Berlin | Author/Destination: | Category/Kategorie: Haus des Monats, UNESCO-Welterbe

Piazza dei Miracoli Panorama © Alessio Facchin/cc-by-sa-3.0

Piazza dei Miracoli Panorama © Alessio Facchin/cc-by-sa-3.0

Der Schiefe Turm von Pisa ist das wohl bekannteste geneigte Gebäude der Welt und Wahrzeichen der Stadt Pisa. Im Jahre 1987 wurde das Ensemble aus dem Turm, dem benachbarten Dom, dem Baptisterium und dem Friedhof Camposanto Monumentale von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Der Turm war als freistehender Glockenturm (Campanile) für den Dom in Pisa geplant. Zwölf Jahre nach der Grundsteinlegung am 9. August 1173, als der Bau bei der 3. Etage angelangt war, begann sich der Turmstumpf in Richtung Südosten zu neigen. Daraufhin wurde der Bau für rund 100 Jahre unterbrochen. Die nächsten vier Stockwerke wurden dann schräg gebaut, um die Schieflage auszugleichen. Danach musste der Bau nochmals unterbrochen werden, bis 1372 auch die Glockenstube vollendet war. Die Schieflage des Turms beruht auf dem Untergrund aus lehmigem Morast und Sand, der sich unter dem Gewicht verformt. Neuesten Ausgrabungen zufolge steht er am Rand einer ehemaligen Insel direkt neben einem antiken, zur Bauzeit bereits versandeten Hafenbecken. Die Schieflage des Turms beträgt nach Ende der Sanierungsarbeiten rund 4 Grad.

Der 55 Meter hohe und 12 Meter durchmessende Campanile besteht aus 14.200 Tonnen weißen Carrara-Marmors und hat sieben Glocken, die aber längere Zeit wegen der Einsturzgefahr nicht läuten durften. Er sollte der Höhepunkt der ganzen Anlage der Piazza dei Miracoli sein. Er unterscheidet sich von den üblichen quadratischen Türmen Mittelitaliens und steht in einem großen Gegensatz zu den spitz zulaufenden Türmen des nördlichen Europa. Er ruht auf einem spiralförmigen Fundament aus 700 m³ Bruchstein und Mörtel, in 100 Metern Höhe wollte sein Erbauer Bonanno Pisano die Glocken läuten lassen. Der Mauerring um diesen Bereich herum ist 3,57 Meter dick. Neben dem Eingang sind Monat und Jahr des Baubeginns eingemeißelt: August 1173. In Urkunden wird jedoch stets 1174 genannt, denn für die Pisaner begann nach damaligem Kalender das neue Jahr bereits am 25. März.

Leaning Tower © Yair Haklai/cc-by-sa-3.0 Baptistry and Tower © Cynageorge/cc-by-sa-3.0 Pisa Cathedral and Leaning Tower © Stephan M. Höhne/cc-by-sa-2.0-de Leaning tower of Pisa © Mihael Grmek/cc-by-sa-3.0 Piazza dei Miracoli © WeEnterWinter/cc-by-sa-3.0 Piazza dei Miracoli Panorama © Alessio Facchin/cc-by-sa-3.0
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Pisa Cathedral and Leaning Tower © Stephan M. Höhne/cc-by-sa-2.0-de
Der Campanile hatte – außer dass er die Glocken tragen sollte – noch eine andere Funktion. Bei äußerer Gefahr flüchtete damals der Klerus in den Turm. Maueröffnungen und -vorsprünge im Zylinderschacht machten es möglich, bei Bedarf in jedem Stockwerk Gebälk und Fußböden einzuziehen. Jedes Stockwerk hat eine Tür hinaus auf die Säulengalerie, die jeweils aus 30 Säulen besteht. Auf der Südseite führen oben sechs Stufen zur Glockenstube hinauf, auf der Nordseite nur vier. Die Treppe zur obersten Aussichtsterrasse soll Brunelleschi inspiriert haben, einen ähnlichen Aufgang zur Laterne auf der Kuppel des Doms in Florenz zu bauen.

Der schiefe Turm von Pisa ist nicht das schiefste Gebäude bzw. der schiefste Turm der Welt, wie viele denken. Dennoch gehört er mit zu den schiefsten Bauwerken, die unabsichtlich in dieser Schieflage errichtet worden sind.

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