Das Tote Meer

Montag, 26. Januar 2015 - 13:00 (CET/MEZ) Berlin | Author/Destination:
Category/Kategorie: Allgemein, Union für das Mittelmeer

© Pete/cc-by-sa-3.0

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Das Tote Meer ist ein See, der 428 m unter dem Meeresspiegel liegt und vom Jordan gespeist wird. Er grenzt an Palästina (Westen), an Israel (Süden) und an Jordanien (Osten). Das Tote Meer ist ein rund 900 km² (N-S-Ausdehnung ca. 90 km, W-E-Ausdehnung max. 17 km) großer Salzsee, der als Endsee in einer abflusslosen Senke liegt. Diese ist Teil des Jordangrabens, des nördlichsten Astes des Großen Afrikanischen Grabenbruchs. Das Tote Meer ist in einen nördlichen und einen südlichen Teil getrennt. Seine Wasseroberfläche wird noch häufig mit Werten um 396 m unter dem Meeresspiegel angegeben; tatsächlich liegt der Wasserspiegel des nördlichen Teils aufgrund fortschreitender Austrocknung bereits seit einigen Jahren mehr als 420 m unter dem Meeresspiegel. Das Ufer des Sees bildet damit den am tiefsten gelegenen nicht von Wasser oder Eis (Bentleygraben) bedeckten Bereich der Erde. Damit ist das Tote Meer der am tiefsten gelegene See der Erde. Der See mit dem tiefstgelegenen Grund ist dagegen der Baikalsee. Bei ihm liegt der tiefste Punkt bei 1186 m unter dem Meeresspiegel, während der tiefste Punkt des Toten Meers bei 794 m unter dem Meeresspiegel liegt.

Der Salzgehalt des Toten Meeres liegt bei bis zu 33 %, im Durchschnitt liegt er bei rund 28 %. (Zum Vergleich: Der Salzgehalt des Mittelmeeres liegt bei durchschnittlich 3,8 %.) Noch salzhaltiger sind nur der Lac Retba in Senegal mit etwa 39 %, der Assalsee in Dschibuti mit knapp 35 %, der Kara-Bogas-Gol in Turkmenistan mit bis zu 34 %, der Tuz Gölü mit bis zu 37% in der Türkei sowie einige Seen in den antarktischen Trockentälern (Don-Juan-See, etwa 44 %). Die Mineralzusammensetzung des Salzes des Toten Meeres unterscheidet sich deutlich von der Salzzusammensetzung von Meerwasser. Es enthält ungefähr 50,8 % Magnesiumchlorid, 14,4 % Calciumchlorid, 30,4 % Natriumchlorid und 4,4 % Kaliumchlorid, bezogen auf die wasserfreien Salze. Der Rest entfällt auf zahlreiche Spurenelemente. Es enthält wenig Sulfat, jedoch relativ viel Bromid. Aufgrund des hohen Salzgehalts hat das Seewasser eine Dichte von ca. 1,240 kg/l. Das Tote Meer hat keinen Abfluss. Im trockenen Wüstenklima verdunstet das Wasser, wobei Mineralien, Salze und anderes zurückbleiben und sich im Toten Meer anreichern. Durch den Zufluss von Jordanwasser und den Entzug von Verdunstungswasser pegelt sich die Höhe des Wasserspiegels ein. Zusätzlich negativ beeinflusst wird der Wasserpegel durch die künstliche Verdunstung der kommerziellen Salzgewinnung.

© Pete/cc-by-sa-3.0 Jordan - Kempinski Hotel Ishtar © High Contrast/cc-by-sa-3.0-de Israel - Ein Bokek - Lot Spa Hotel © Staselnik/cc-by-sa-3.0
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Jordan - Kempinski Hotel Ishtar © High Contrast/cc-by-sa-3.0-de
Auf der jordanischen Ostseite des Toten Meeres befinden sich auf der Lisan-Halbinsel die Orte Numeira und Bab edh-Dhra (auch bekannt als Dhra). Es gibt Annahmen, dass sie am Ort der Städte Sodom und Gomorra (Tall el-Hammam) stehen, die nach biblischer Überlieferung zerstört wurden. Dhra ist einer der archäologisch ältesten Orte mit Belegen für den frühen Ackerbau (hier 9500 v. Chr.). Mehr als 20.000 bronzezeitliche Schachtgräber werden hier vermutet, erst wenige sind ausgegraben. Bedeutend für die Region ist auch der Badetourismus. Aufgrund des hohen Salzgehaltes, der fast das Zehnfache der Ozeane beträgt, und der damit verbundenen hohen Dichte trägt das Wasser den menschlichen Körper außergewöhnlich gut, man kann allerdings dennoch ertrinken. Entgegen landläufiger Meinung gibt es neben Todesfällen viele Beinahe-Ertrink-Unfälle, wie auch an anderen Badeseen. Die Menschen verlieren am Toten Meer oft die Balance und schlucken dann große Mengen an Wasser. Das Schlucken großer Mengen Wasser ist lebensgefährlich, da es schwere Lungenverletzungen verursachen kann. Das Salz verursacht schon an kleinsten Hautverletzungen brennenden Schmerz. Sehr unangenehm ist das konzentrierte Salzwasser in den Augen. Am Ufer sind die Salzverkrustungen oft scharfkantig. Gleichzeitig besitzen die Mineralien des Toten Meeres eine heilende Wirkung bei Hautkrankheiten, sodass in manchen Fällen von Neurodermitis und Psoriasis ein Kuraufenthalt bzw. Klimaheilbehandlungen auch von deutschen Krankenkassen bezahlt werden. Die Mineralien werden auch in Kosmetika verarbeitet.

Durch die ständige Wasserentnahme aus dem Jordan zur Versorgung Israels und Jordaniens mit Trinkwasser und zur Bewässerung in der Landwirtschaft ist der nördliche Teil des Toten Meeres von schleichender Austrocknung bedroht. 2007 betrug der Pegel 420 m unter dem Meeresspiegel, 2011 lag der Pegel bei 426 m unter dem Meeresspiegel. Er sinkt seit den 1980er Jahren jährlich um etwa einen Meter, da die Zuflussmenge bei gleichbleibender Verdunstung abnimmt (vorrangig durch unverantwortlich hohe Wasserentnahmen aus dem Jordan, dem Zufluss des Toten Meeres, durch Israel für landwirtschaftliche Zwecke). In den letzten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts ist die Oberfläche des Sees um rund ein Drittel geschrumpft. Bis zum Jahre 2020 wird ein Rückgang des Wasserstandes auf 430 m unter dem Meeresspiegel prognostiziert. Eine Folge davon ist, dass sich im Umfeld des Sees zahlreiche Einsturztrichter bilden; diese entstehen oft spontan und füllen sich später mit Salzlauge. Deshalb mussten bereits weite Teile des Ufers auf palästinensischer und israelischer Seite für den Zugang durch die Öffentlichkeit gesperrt wurden, was natürlich auch erheblich negative Folgen für den Tourismus hat. Demgegenüber steigt der Pegel des südlichen Teils des Toten Meeres seit einigen Jahren kontinuierlich um rund 20 cm pro Jahr an. Ursache hierfür sind große Mengen an Salzablagerungen, die sich als Nebenprodukt einer industriellen Mineraliengewinnung auf dem Grund des südlichen Teils anlagern. Während der nördliche Teil des Toten Meeres zunehmend austrocknet, und sich die Uferlinie dadurch von den ursprünglichen Badeorten und Badestellen zurückzieht, sind die Badeorte und Badestellen im südlichen Teil von einer Überflutung bedroht.

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