Das Museumsschiff Seute Deern

Freitag, 1. November 2019 - 13:00 (CET/MEZ) Berlin | Author/Destination:
Category/Kategorie: Großsegler, Yacht des Monats

© Garitzko

© Garitzko

Die Seute Deern (plattdeutsch für Süßes Mädchen) – ursprünglich Elisabeth Bandi, später Bandi und Pieter Albrecht Koerts – ist eine hölzerne Bark und Restaurantschiff in Bremerhaven. Das Schiff steht seit 2005 als Bestandteil der Gesamtanlage Deutsches Schifffahrtsmuseum unter Denkmalschutz. Am 31. August 2019 sank die Seute Deern im Alten Hafen.

1919 lief das Schiff auf der Gulfport Schiffswerft im US-Bundesstaat Mississippi als Viermast-Gaffelschoner Elisabeth Bandi vom Stapel. Es war aus frischem Holz der Sumpf-Kiefer in Kraweelbauweise ohne Kupferbeschlag (“Wurmhaut”) zusammengefügt, was in der Folgezeit zu extremen Problemen führte. Das Schiff war durch Verziehen des Rumpfes und Schiffsbohrwurmfraß dauernd undicht und musste stetig gelenzt sowie nach jeder Fahrt repariert werden. 1925 kam es durch Verkauf zu Walter E. Reid nach Bath in Maine. Das Schiff transportierte Holz unter US-amerikanischer Flagge, bevor es 1931 nach Europa an den finnischen Reeder William Uskanen aus Sotkoma verkauft wurde, der es nun als Bandi ebenfalls im Holzhandel zwischen Finnland, Dänemark und England einsetzte. Das kühle und salzarme Ostseewasser stoppte den Wurm- und Muschelfraß, so dass das Lenzen des Schiffes sich deutlich reduzierte (Holzschiffe mussten stets gelenzt werden). 1935 kam die Bandi an den Finnen Laiva Bandi als neuem Eigner, der das Schiff jedoch an die Maklerfirma Yrjänen & Kumpp, Rauma, zur Befrachtung überließ. Nach drei Jahren fand man keine ausreichende Ladung für den Segler mehr und verkaufte ihn am 7. November 1938 für 26.500 Reichsmark an den Hamburger Reeder John T. Essberger. Er ließ das Holzschiff bei Blohm + Voss in Hamburg überholen und zu einer Bark mit Stahl-Rigg umbauen. Es entstand in halbjähriger Arbeit (16. Dezember 1938 – 15. Juni 1939) ein runderneuertes Schiff. Eine auffällige Neuerung an der Bark war eine überlebensgroße Galionsfigur – eine “Seute Deern”, die den Vorsteven schmückte und der Bark den Namen Seute Deern gab. Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges, den die Bark durch umsichtige Kapitäne überdauerte, wurde sie in der Ostsee und angrenzenden Gewässern als frachtfahrendes Ausbildungsschiff eingesetzt. Zu Kriegsende lag sie in Lübeck.

© Vulkan/cc-by-sa-3.0 © Garitzko © Soluvo/cc-by-sa-4.0 Figure head © JoachimKohlerBremen/cc-by-sa-4.0 © Jaimrsilva/cc-by-sa-4.0 Seute_Deern-Uwe_H._Friese-cc-by-sa-3.0
<
>
Figure head © JoachimKohlerBremen/cc-by-sa-4.0
Nach dem Krieg wurde die Bark im Juni 1946 mit Schlepperhilfe nach Travemünde zur Schlichting-Werft zwecks Umbaus zu einem Hotelschiff gebracht. 1947 kam die Seute Deern im Schlepp nach Hamburg und lag als Hotel- und Restaurantschiff im Hafen am Liegeplatz der alten Fähre VII. Wegen steigender Unrentabilität verkaufte die Reederei Essberger 1954 die Seute Deern für 40.000 Mark in die Niederlande an Albert Jan Koerts, einen Amerikaner niederländischer Herkunft. Er stiftete sie als schwimmende Jugendherberge seiner Heimatstadt Delfzijl unter dem Namen seines Vaters Pieter A. Koerts (Pieter-A.-Koerts-Stiftung). Nach weiteren zehn Jahren wurde das Schiff wegen der hohen Unterhaltskosten erneut unrentabel und kam durch Verkauf für 33.440 Mark wieder nach Deutschland. Neue Eignerin wurde 1964 die Emder Gastwirtin Erna Hardisty, neuer Heimathafen Emden. Das Schiff erhielt wieder seinen vorigen Namen Seute Deern. Erhebliche Ausbauarbeiten zum Gaststättenschiff standen an, zudem sank das wieder undichte Holzschiff an seinem Liegeplatz, womit alle Pläne zunichte wurden. So wurde es 1965 an den Kaufmann Hans Richartz aus Helgoland für nunmehr 61.000 Mark verkauft. Richartz gelang es, nach Heben des Schiffes den Ausbau der Bark auf der Schröder-Werft in Emden nach eigenen Plänen zu einer schwimmenden Gaststätte zu gestalten. Am 22. Juni 1966 wurde die Bark zu ihrem neuen Liegeplatz im Alten Hafen von Bremerhaven verholt.

1972 erhielt das Deutsche Schiffahrtsmuseum Bremerhaven die Bark als Gründungsgeschenk von der Stadt Bremerhaven. Beide Städte des Landes, Bremerhaven und Bremen, ließen die Seute Deern erneut gründlich überholen. Damit reiht sie sich heute unter die weltweiten Museumsschiffe ein. Die Bark liegt als Restaurant-, Museums- und Trauungsschiff in Bremerhaven vor dem Columbus-Center. Im Laufe der Zeit ist sie zu einem Wahrzeichen der Stadt Bremerhaven geworden.

Lesen Sie mehr auf Seute Deern, Deutsches Schifffahrtsmuseum – Seute Deern und Wikipedia Seute Deern. Hier erfahren Sie mehr über Bilder und deren Verwendung. Damit Sie sich auf dem Laufenden halten können, bieten die meisten Stadt- oder Tourismus-Webseiten einen Newsletter-Service an und/oder unterhalten Facebook-Seiten/Twitter-Accounts. Zudem bieten mehr und mehr Orte, Tourismusorganisationen und Kultureinrichtungen zusätzlich Apps für SmartPhones und Tablets an, sodass Sie Ihren mobilen Fremdenführer immer dabei haben können (Sicher Reisen - Die Reiseapp des Auswärtigen Amtes). Wenn Sie eine Anregung, Kritik oder einen Hinweis zu dem Beitrag haben, freuen wir uns auf Ihre E-Mail an kommentar@wingsch.net. Nennen Sie dazu im Betreff bitte die Überschrift des Blogbeitrags, auf den sich Ihre E-Mail bezieht.




Das könnte Sie auch interessieren:

Diesen Beitrag teilen: (Vor Nutzung der Button Datenschutzregelungen beachten)

Bad Honnef, das rheinische Nizza

Bad Honnef, das rheinische Nizza

[caption id="attachment_160431" align="aligncenter" width="590"] Bad Honnef seen from Rolandseck © Leit[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Bad Honnef ist eine Stadt im Rhein-Sieg-Kreis im Süden Nordrhein-Westfalens, auf der östlichen Rheinseite gegenüber der Stadt Bonn gelegen. Bekannt geworden ist die ehemalige Kurstadt überwiegend durch ihren Ruf als "rheinisches Nizza". Im Stadtteil Rhöndorf hatte Konrad Adenauer, der erste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, bis zu seinem Tod im Jahr 1967 seinen Wohnsitz. In ...

[ read more ]

Themenwoche Côte d’Azur

Themenwoche Côte d’Azur

[caption id="attachment_151928" align="aligncenter" width="590"] French Riviera map © Markus Bernet / www.demis.nl[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Als Côte d’Azur wird ein Teilstück der französischen Mittelmeerküste bezeichnet. Der Name ist eine Schöpfung des Dichters Stéphen Liégeard, der 1887 ein Buch mit dem Titel La Côte d’Azur veröffentlichte. Im englischsprachigen Raum wird üblicherweise die Bezeichnung French Riviera (Französische Riviera) verwendet. Die Ausdehnung der Côte d’Azur ist im französisch...

[ read more ]

Brentwood in Los Angeles

Brentwood in Los Angeles

[caption id="attachment_184693" align="aligncenter" width="590"] Getty Museum and Central Garden © flickr.com - Rennett Stowe/cc-by-2.0[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Brentwood ist ein Stadtteil im Westen von Los Angeles. Der Stadtteil ist als wohlhabender Wohnort bekannt. Hier leben zahlreiche Prominente, darunter bekannte Schauspielerinnen und Schauspieler. Zu den umliegenden Stadtteilen gehören außerdem Encino im Norden, Bel Air und Westwood im Osten, Sawtelle im Südosten sowie Pacific Palisades im Westen. Das Viertel...

[ read more ]

Die SeaDream I und II

Die SeaDream I und II

[caption id="attachment_152949" align="aligncenter" width="590"] SeaDream II in Pula © Orlovic[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"] "It's yachting, not cruising!" An Bord der beiden baugleichen Schwesterschiffe "SeaDream I" und "SeaDream II" erlebt man seinen ganz persönlichen Traumurlaub. Eine Seereise mit SeaDream Yacht Club ist keine Kreuzfahrt im eigentlichen Sinne. In der angenehmen Gesellschaft von maximal 110 Gästen aus aller Welt genießen man das exklusive Ambiente einer Privatjacht. Auf den Reiserouten liegen die schönste...

[ read more ]

Der irische Glenveagh Nationalpark

Der irische Glenveagh Nationalpark

[caption id="attachment_152555" align="aligncenter" width="590"] Glenveagh National Park © flickr.com - Michal Osmenda[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Glenveagh National Park liegt im County Donegal in Irland. Er ist der größte von sechs Nationalparks in Irland. Er hat eine Fläche von fast 16.548 Hektar und liegt in den Derryveagh Mountains. In seinem Gebiet befinden sich mit Mount Errigal und Slieve Snacht die beiden höchsten Berge Donegals. Der Park beherbergt eine der größten Rotwildherden Irlands. Im Jahr 2001 wurd...

[ read more ]

Themenwoche China

Themenwoche China

[caption id="attachment_200945" align="aligncenter" width="590"] Giant Panda © flickr.com - Chen Wu/cc-by-2.0[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Die Volksrepublik China, allgemein als China bezeichnet, ist ein am 1. Oktober 1949 gegründeter sozialistischer Staat in Ostasien. Mit rund 1,4 Milliarden Einwohnern stellt China das bevölkerungsreichste und gemessen an seiner Gesamtfläche das viertgrößte Land der Erde dar. Gemäß ihrer Verfassung steht die Volksrepublik China "unter der demokratischen Diktatur des Volkes", wird jedoch s...

[ read more ]

Themenwoche Rom - Villa Borghese, Villa Massimo und Villa Medici

Themenwoche Rom - Villa Borghese, Villa Massimo und Villa Medici

[caption id="attachment_150695" align="aligncenter" width="590"] Galleria Borghese © Alessio Damato[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]VILLA BORGHESEVilla Borghese ist eine Parkanlage mit einem Kunstmuseum in Rom. Zu dem Gelände führen vier Eingänge: an der Via Pinciana, der Piazza E. Sienkiewicz, dem Piazzale Brasile und dem Piazzale Flaminio. Der Zugang zum Casino, in dem die Kunstsammlung der Galleria Borghese untergebracht ist, befindet sich am Piazzale Scipione Borghese 5. Die Villa mit ihren ausgedehnten Parkanlagen (ca. 5 km...

[ read more ]

Die Dreimastbark Alexander von Humboldt

Die Dreimastbark Alexander von Humboldt

[caption id="attachment_150739" align="aligncenter" width="590"] All sails set © Winfried Huber[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Das Segelschiff Alexander von Humboldt ist eine stählerne deutsche Bark, die 1906 als Feuerschiff unter dem Namen Reserve Sonderburg gebaut wurde. Mitte der 1980er Jahre wurde sie als Feuerschiff außer Dienst gestellt und zum Segelschiff umgebaut. Seither dient sie als Jugend- und Ausbildungsschiff. Das Schiff wurde im Jahr 1906 als Reserve-Feuerschiff Reserve Sonderburg vom preußischen Seefahrtm...

[ read more ]

Return to Top ▲Return to Top ▲
© flickr.com - Doc Searls/cc-by-sa-2.0
Hunts Point Cooperative Market in New York

Der Hunts Point Cooperative Market, ein rund um die Uhr geöffneter Lebensmittelgroßhandelsmarkt auf einer Fläche von 24 Hektar im Stadtteil...

© FASTILY/cc-by-sa-4.0
Cannery Row in Monterey

Die Cannery Row ist die Küstenstraße und das Tourismusviertel von Monterey, Kalifornien. Den Namen hat sie von den vielen Ölsardinenfabriken,...

Tower Hill and Tower of London © flickr.com - Sheri/cc-by-sa-2.0
Tower Hill in London

Tower Hill ist eine Erhebung nordwestlich des White Tower zwischen den Stadtbezirken City of London und London Borough of Tower...

Schließen