Das Gheto di Venezia in Venedig

Mittwoch, 10. Januar 2018 - 11:00 (CET/MEZ) Berlin | Author/Destination:
Category/Kategorie: Allgemein

Campo de Gheto Novo © Didier Descouens/cc-by-sa-4.0

Campo de Gheto Novo © Didier Descouens/cc-by-sa-4.0

Das Ghetto in Venedig ist eine Insel im Sestiere Cannaregio. Sie war seit dem 16. Jahrhundert bis zu seiner Aufhebung 1796 unter Napoleon das abgeschlossene Wohngebiet für die jüdische Bevölkerung in Venedig. Die Insel ist damit Namensgeberin aller Ghettos dieser Epoche. In späteren Jahrhunderten wird der Begriff auch auf andere Einrichtungen übertragen. Die Juden Venedigs wohnten bis zum Ende der Republik im Jahre 1797 unter beengten Verhältnissen getrennt von der übrigen Bevölkerung, genossen aber damit gleichzeitig den Schutz durch die Republik. Sie wurden zwar wie überall im christlichen Europa hart besteuert, man gewährte ihnen aber in Venedig auch Schutz vor der Inquisition und den auch in der Lagunenstadt immer wieder vorkommenden Repressalien. Übergriffe von Christen gegen Juden wurden bestraft. Ebenso wurden die verantwortlichen Beamten in den Städten der Terra ferma, wie man die Staatsgebiete Venedigs auf dem sich anschließenden italienischen Festland nannte, bestraft, die Übergriffe gegen jüdische Einwohner duldeten und nicht von sich aus sanktionierten. Venedigs Juden genossen vom 16. Jahrhundert bis Anfang des 19. Jahrhunderts damit eine in Europa einzigartige Rechtssicherheit. An Pogromen gegen ihre jüdische Bevölkerung haben sich die Serenissima und ihre Bevölkerung nicht beteiligt.

Die Insel Gheto (Gheto Novo) ist 105 Meter lang und 93 Meter breit. Die Flächenausdehnung beträgt knapp einen Hektar. Sie ist von wesentlich größeren Inseln des Sestiere Cannaregio umgeben und von diesen durch unterschiedlich breite Kanäle getrennt, über die drei Brücken führen. Im Norden führt eine der Brücken über den 18 Meter breiten Rio San Girolamo-Ormesini auf die Insel Ormesini. Im Osten und im Südwesten führen zwei weitere Brücken über den nur sechs Meter breiten Rio Gheto zur Insel San Leonardo, auf der unmittelbar südwestlich des Gheto Nuovos das Gheto Vecchio liegt. Im Westen trennt der dort 14 bis 20 Meter breite Rio del battello – Cà Moro das Ghetto von der Insel Chiovere. Im Zentrum der Insel liegt der offene Platz Campo de Ghetto Novo. Die Herkunft des Namens ist nicht vollständig geklärt. Wahrscheinlich ist er von dem italienischen Ausdruck geto für Gießerei abgeleitet, der sich im Laufe der Zeit zu gheto oder ghetto lautlich verhärtet hat. Bereits im 5. und 6. Jahrhundert gab es Juden in Venedig, die von der Stadt jedoch in der Regel nur als Händler, aber nicht als Einwohner geduldet wurden. Jüdische Händler deutscher Herkunft mussten wie die übrigen Kaufleute aus dem Heiligen Römischen Reich im Fondaco dei Tedeschi wohnen, italienische Juden wohnten auf dem Festland. Zu einem ersten größeren Zustrom von Juden auf venezianisches Territorium kam es im Zuge der Pest von 1348/49, da man in Mitteleuropa den Juden die Schuld an der Seuche zuschob und sie blutig verfolgte. 1396 erhielten sie auf dem Lido, unweit von San Nicolò, ihren ersten eigenen Friedhof.

Campo de Gheto Novo © Didier Descouens/cc-by-sa-4.0 Campo de Gheto Novo © Deror avi/cc-by-sa-3.0 Campo de Gheto Novo © Marc Ryckaert/cc-by-sa-4.0 Campo de Gheto Novo © Marc Ryckaert/cc-by-sa-4.0 Info Point of the Jewish Community of Venice © Jveniceorg/cc-by-sa-3.0 Main square of the Venetian Ghetto © Didier Descouens/cc-by-sa-4.0
<
>
Info Point of the Jewish Community of Venice © Jveniceorg/cc-by-sa-3.0
Während des 16. Jahrhunderts wurden im Ghetto für die so genannten Nationen Synagogen, genannt Scole wie im Deutschen die “Schul”, gebaut. Diese Synagogen fallen im Stadtbild kaum auf, da sie wegen des Verbots, Synagogen auf venezianischen Grundstücken zu bauen, entweder in der äußeren Gestalt von Wohnhäusern oder auf deren Dächern errichtet wurden. Als erste Scola im Geto novo entstand die Scola Grande Tedesca 1528/29. Dank ihrer fünf Rundbogenfenster ist sie auch äußerlich zu erkennen. Die Scola Canton von 1531 war eine Synagoge für die Aschkenasen, ihre Bima stammt aus dem 17. Jahrhundert. Von 1571 ist die Scola Italiana, die mit einer kleinen Kuppel bekrönt ist. Im Gheto vecchio befinden sich die Scola Levantina, deren Innenausstattung dem Bildhauer Andrea Brustolon zugeschrieben wird, sowie die Scola Spagnola, die größte der venezianischen Synagogen. Sie stammt aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts und wurde von den Marranen und Juden spanischer und portugiesischer Herkunft besucht. 1635 wurde sie im Stil des Baldassare Longhena vollständig umgebaut. Der Innenraum mit seiner Ausstattung aus vielfarbigem Marmor, vergoldeten Stuckaturen und Holzvertäfelungen und der ovalen Frauenempore mit der hölzernen Balustrade zeigt sich als eine großartige barocke Rauminszenierung.

286, die meisten der während des Faschismus noch im Ghetto lebenden Juden, wurden ab 1943 von den deutschen Besatzern Italiens deportiert und größtenteils ermordet. An die Opfer erinnern die am Campo de Gheto Novo angebrachten Reliefs des litauischen Bildhauers Arbit Blatas. Nach der fast völligen Vernichtung der jüdischen Bevölkerung kehrten Überlebende der Konzentrationslager und andere, denen die Flucht geglückt war, in das Ghetto zurück. Heute gibt es wieder eine kleine jüdische Gemeinde in ganz Venedig von rund 500 Menschen, von denen nur ein kleiner Teil (etwa 30 Menschen) im Ghetto wohnt. Für die Bewohner gibt es Läden, eine koschere Fleischerei, eine Spezialbäckerei für die Herstellung von Matzen, ein Altersheim und neben den als Museum oder anderen profanen Zwecken dienenden Scole gibt es auch zwei aktive, die Schola Levantina und die Schola Ponentina (Spagnola), welche saisonweise abwechselnd genutzt werden. Daneben existieren drei historische Synagogen (Scola Grande Tedesca, Scola Canton und die Scola Italiana). Das Ghetto steht unter intensivem Polizeischutz. Die Beamten haben eine eigene Wache vor Ort.

Lesen Sie mehr auf Jewish Community of Venice, GAM GAM Kosher Restaurant und Wikipedia Ghetto in Venedig (Sicher Reisen - Die Reiseapp des Auswärtigen Amtes). Fotos von Wikimedia Commons. Wenn Sie eine Anregung, Kritik oder einen Hinweis zu dem Beitrag haben, freuen wir uns auf Ihre E-Mail an kommentar@wingsch.net. Nennen Sie dazu im Betreff bitte die Überschrift des Blogbeitrags, auf den sich Ihre E-Mail bezieht.





Das könnte Sie auch interessieren:

Diesen Beitrag teilen:

Die Costa Smeralda an der nordöstlichen Küste Sardiniens

Die Costa Smeralda an der nordöstlichen Küste Sardiniens

[caption id="attachment_161096" align="aligncenter" width="590"] Costa Smeralda - Palau Panorama © Sardinianguy88[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Die Costa Smeralda ist ein Teil der nordöstlichen Küste Sardiniens. Im Norden wird sie von Palau, im Süden von Olbia begrenzt. Der Name stammt von der smaragdähnlichen Farbe des Wassers. Die Küste ist stark zerklüftet und hat neben vielen schroffen Felsen auch einige feine Sandstrände. Jährlich im September findet hier die Segelregatta Rolex Swan Cup statt, die vom Yacht Club Costa...

Themenwoche Montenegro - Podgorica

Themenwoche Montenegro - Podgorica

[caption id="attachment_150261" align="aligncenter" width="590"] City Hall © Mazbln/cc-by-sa-3.0[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Podgorica ist die Hauptstadt Montenegros. Mit Ausnahme des Staatspräsidenten, der in Cetinje residiert, haben hier alle wichtigen Institutionen der Republik ihren Sitz. Podgorica hat 186.000 Einwohner. Von 1946 bis 1992 hieß die Stadt Titograd (Josip Broz Tito). Der Name Podgorica bedeutet auf Deutsch ungefähr "unterhalb des Hügels". Die montenegrinische Hauptstadt liegt in einer weiten Ebene an der M...

Die Universitätsstadt Norwich

Die Universitätsstadt Norwich

[caption id="attachment_160750" align="aligncenter" width="590"] Norwich Market © Saxsux[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Norwich ist eine mittelgroße Universitätsstadt im Osten Englands und Hauptstadt des County Norfolk. Das Stadtbild zeichnet sich insbesondere durch einen gut erhaltenen mittelalterlichen Stadtkern aus. Trotz der etwa 170.000 Einwohner hat sich Norwich durch die eher abgeschiedene Lage einen gewissen Kleinstadtcharakter bewahrt. Norwich liegt an dem kleinen Fluss Wensum in der Nähe der Norfolk Broads. Im Jahr 196...

Ankara - Döner, guter Wein und Angora

Ankara - Döner, guter Wein und Angora

[caption id="attachment_152779" align="aligncenter" width="590"] Turkish Parliament © T.C. Büyük Millet Meclisi[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Ankara (früher Angora, Namensgeberin für die gleichnamige Wolle) ist seit 1923 die Hauptstadt der Türkei und der gleichnamigen Provinz Ankara. Die Stadt hat 4.431.719 Einwohner (2010) und ist damit nach Istanbul die zweitgrößte Stadt des Landes. Am 23. April 1920, also zu Beginn des türkischen Befreiungskampfes gegen die Besatzungstruppen der Briten, Griechen, Franzosen, Italiener un...

Großburgwedel in Niedersachsen

Großburgwedel in Niedersachsen

[caption id="attachment_161178" align="aligncenter" width="590"] Half-timbered house from 1570 © Losch[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Großburgwedel (niederdeutsch Groten Boorwee) ist ein Ort 20 km nordöstlich von Hannover. Großburgwedel ist Verwaltungssitz der Stadt Burgwedel und ein Mittelzentrum. Im Mittelalter bildete Großburgwedel zusammen mit Kleinburgwedel, Oldhorst, Neuwarmbüchen und Fuhrberg das Kirchspiel Burgwedel. Die Kirchenbücher sind ab 1661 erhalten. Der Ort wurde im Zuge der Gebietsreform 1974 Ortsteil...

Das Hotel Negresco in Nizza

Das Hotel Negresco in Nizza

[caption id="attachment_161223" align="aligncenter" width="590"] © Jolly Janner[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Das Hotel Negresco ist ein 1912 eröffnetes Luxushotel im Stil der Belle Époque direkt an der Uferpromenade Promenade des Anglais in Nizza. Der Name stammt von dem Erbauer Henri Negresco. Édouard Niemans war der Architekt. Die auffällige, pinkfarbene Kuppel des Gebäudes wurde von Gustave Eiffel konstruiert, wobei die Legende besagt, dass der Busen einer Geliebten als Modell diente. Das Hotel Negresco ist eines der Grü...

Return to Top ▲Return to Top ▲
© Daniel Schwen/cc-by-sa-4.0
Brighton Beach in New York City

Brighton Beach ist eine Gemeinde auf Coney Island im südlichen Teil des Borough von Brooklyn, New York City. Sie hat...

© Oncenawhile
Nahost- und Israelisch-Palästinensischer Konflikt

Als Nahostkonflikt bezeichnet man den Konflikt um die Region Palästina, der dort zu Beginn des 20. Jahrhunderts zwischen Juden und...

Museum International d'Horlogerie © Schwizgebel/cc-by-sa-3.0
La Chaux-de-Fonds in der Schweiz

La Chaux-de-Fonds frankoprovenzalisch und umgangssprachlich gehört neben Biel/Bienne und Le Locle zu den bekanntesten Uhrenstädten der Schweiz. Es ist die...

Schließen