Como in der Lombardei

26. Oktober 2011 | Destination: | Rubric: Allgemein |

Como Panorama © Nicolago

Como Panorama © Nicolago

Como ist eine italienische Stadt mit 85.263 Einwohnern in der Lombardei und Hauptort der Provinz Como. Die Stadt liegt 45 Kilometer nördlich von Mailand, am gleichnamigen See und an der Grenze zur Schweiz. Die Grenze befindet sich im unmittelbar benachbarten schweizerischen Chiasso. Como ist die größte Stadt der schweizerisch-italienischen Metropolregion Tessin, die insgesamt mehr als 500.000 Einwohner hat. Comos Wirtschaftsleben basiert hauptsächlich auf Tourismus und Industrie. Die Stadt besitzt unter anderem weltbekannte Seiden-Manufakturen. Die Geografie Comos wird dominiert von den Alpen und dem Comer See. Como hat selbst im Hochsommer meist ein angenehmes Wetter, weil starke Fallwinde ähnlich dem Bora den Ort kühlen.

Die Kathedrale wurde erst 1396 begonnen, die Fassade stammt aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Das ist die Zeit, als eigentlich schon die Renaissance begonnen hatte. Aber diese Fassade hat deutlich noch gotische Züge. Das liegt unter anderem daran, dass Norditalien in viel höherem Maße unter dem deutschen Einfluss des nördlichen Reiches stand, und das gilt besonders für Como. Como hatte in seiner Architektur nicht nur Beziehungen zu Deutschland allgemein, sondern genauer zum Rheinland (S. Fedele). Die Lombardei ist nach dem germanischen Stamm der Langobarden benannt. Und die germanischen Stämme spielen in der Geschichte Norditaliens eine entscheidende Rolle. Die Langobarden hatten wie alle germanischen Völker einen besonderen Sinn für abstrahierende Ornamentik: für die so genannten Flechtbänder und für überreiche und unruhige Dekoration. Und das sieht man auch der lombardischen Architektur an. Daneben spielt in der Lombardei noch das byzantinische, aus der Spätantike stammende Erbe eine Rolle. An der Domfassade sieht man diese alte Tradition an den vier senkrechten Bändern, die die Fassade in drei Felder unterteilen.

San Fedele liegt nicht weit weg vom Dom an derselben Straße. Erbaut wurde diese Kirche im ausgehenden 12. Jahrhundert. Diese Kirche ist schwer als solche zu erkennen. Sie wird zu beiden Seiten von Wohnhäusern begleitet, die direkt an die Kirche angrenzen. Man kann sie also nicht umgehen, sondern muss, um die Fassade zu sehen, auf die Parallelstraße kommen. Diese Fassade ist erst 1914 rekonstruiert worden. Es geht bei der Bedeutung von San Fedele für die Architekturgeschichte um ihren ungewöhnlichen Grundriss, bei dem man in der Forschung zum Teil annimmt, er habe sein Vorbild bei der bedeutenden Kirche St. Maria im Kapitol von Köln aus dem 11. Jahrhundert. Und damit, mit diesem Abhängigkeitsverhältnis Köln-Como, hätte man einen Nachweis für die ungewöhnliche mittelalterliche Beziehung dieser norditalienischen Stadt zum Rheinland. Es geht um die Grundrissform des Chores, einen so genannten Drei-Konchen-Chor, der zu Beginn des 11. Jahrhunderts in Köln entwickelt wurde und den San Fedele aufzugreifen scheint.

Sant’Abbondio ist älter als der Dom. Ihr Langhaus wurde von 1022 bis 1095 errichtet, also zur Zeit der Ottonen, als wieder Recht und Ordnung in Oberitalien eingezogen waren. Die Ähnlichkeit mit deutschen romanischen Gebäuden ist dementsprechend offensichtlich. Die Ornamentik erinnert sehr an die des Domes zu Speyer, der gleichzeitig gebaut wurde, so dass man hier von der gleichen Bauschule sprechen kann. Die beiden Türme weisen ebenfalls auf nordeuropäische Vorbilder hin, denn italienische Kirchen hatten zu dieser Zeit längst Campanile, also getrennte Glockentürme neben der Kirche. Auch der Innenraum mit seinen auffallenden Rundstützen wirkt sehr un-italienisch. Seine Vorbilder stammen aus Tournus in Frankreich. Typisch für Italien sind lediglich der offene Dachstuhl und der Verzicht auf Querhäuser. Der Grund für diese auffallende Übernahme von Vorbildern aus dem europäischen Norden liegt darin, dass Italien nach der frühchristlichen Zeit zunächst immer bedeutungsloser in der Architektur wurde, weil es zu sehr an seiner alten Tradition fest hing. Erst in der Begegnung mit dem Norden begann Oberitalien, sich schöpferisch hervorzuheben.

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