Château Margaux und Château Lascombes in Margaux-Cantenac

Montag, 29. April 2019 - 11:00 (CET/MEZ) Berlin | Author/Destination:
Category/Kategorie: Allgemein, Paläste, Schlösser, Villen, Parks

Château Margaux © Benjamin Zingg/cc-by-sa-2.5

Château Margaux © Benjamin Zingg/cc-by-sa-2.5

Das Château Margaux ist ein Weingut im Gebiet Médoc bei Bordeaux. Es erzeugt einen der berühmtesten Weine der Welt. Seit 1855 trägt Château Margaux den Titel Premier Grand Cru, eines “Ersten Großen Gewächses”, den es sich im Médoc heute mit nur drei weiteren Châteaux teilt; allerdings gibt es ein weiteres in der Region Graves: Lafite, Latour, Mouton und Haut-Brion in der Region Graves. Nach dem Wein vom Schloss Margaux, oder nach dem benachbarten gleichnamigen Ort Margaux soll die Enkelin Margaux des amerikanischen Autors Ernest Hemingway benannt worden sein.

Das Château Margaux verfügt über eines der besten Terroirs des Médoc. Die Parzellen, auf denen der Château Margaux erzeugt wird, sind im Wesentlichen dieselben wie schon 1855. Sie befinden sich ausschließlich in der Gemeinde Margaux und sind teilweise leicht zur Gironde geneigt. Der Boden besteht aus einer vier bis elf Meter tiefen, homogenen Schicht mittlerer bis feiner Kiesel, die in der Günz-Kaltzeit von der Garonne abgelagert wurden. Er ist verhältnismäßig kalkhaltig und besitzt einen hervorragenden Wasserabzug. Die Weinreben werden dadurch zu einer besonders tiefen Wurzelbildung gezwungen. Château Margaux verfügt über 265 ha Grundbesitz; die Anbaufläche für Wein beträgt insgesamt 99 ha. Davon sind 87 ha für den Rotwein reserviert. Der Anteil des Cabernet Sauvignon liegt bei 75%, 20% entfallen auf Merlot, den Rest teilen sich Cabernet Franc und Petit Verdot. 12 ha sind mit Sauvignon Blanc bestockt, hieraus wird der Weißwein Pavillon Blanc gekeltert. Die Rotweinbereitung folgt der Tradition des Bordeaux: Drei Wochen auf der Maische in großen Holzbottichen, anschließend 18 bis 24 Monate Ausbau in neuen Eichenfässern. Der Château Margaux wird ungefiltert abgefüllt. In den Grand Vin kommen dabei lediglich zwischen 40 und 60% des Rotweines. Der Rest, vor allem der Ertrag junger Rebanlagen, wird unter dem Zweitetikett Pavillon Rouge verkauft. Château Margaux wird vom Önologen Jacques Boissenot sowie dessen Sohn Eric begleitet und beraten.

Das Château Margaux erzeugt einen der teuersten Rotweine der Welt. Wie allgemein bei den Weinen von Margaux, deren unbestrittene Spitze er darstellt, stehen Bukett und Finesse im Vordergrund. Seiner Langlebigkeit tut dies aber keinen Abbruch; zur vollen Entfaltung benötigt er auch in kleineren Jahrgängen meist über zehn Jahre. Er legt dabei sogar an Körper zu. Das Lagerpotenzial reicht aber noch weit darüber hinaus, wie der bekannte Weinautor Michael Broadbent bezeugt: Er gab einem 1987 verkosteten 1787er(!) Château Margaux seine Höchstbewertung von fünf Sternen.

Lesen Sie mehr auf Château Margaux und Wikipedia Château Margaux.






Château Lascombes © PA/cc-by-sa-4.0

Château Lascombes © PA/cc-by-sa-4.0

Château Lascombes ist ein als Deuxième Cru Classé klassifiziertes Weingut. Das Gut hat eine Größe von 100 Hektar, von denen 84 Hektar mit Wein bestockt sind. Das Durchschnittsalter der Reben liegt bei 35 Jahren. Die Bestockung ist recht klassisch mit den Rebsorten Merlot (50%), Cabernet Sauvignon (45%) und Petit Verdot (5%). Die Weine reifen ca. 20 Monate in Barriques, die jährlich zu 80 Prozent erneuert werden. Die Weine haben seit der Übernahme durch Colony Capital im Jahr 2001 einen beachtlichen Qualitätssprung gemacht. Der 2002er Jahrgang erhielt 93 Punkte vom Weinkritiker Robert Parker, der 2003er 92 Punkte, der 2005er sogar 95 Punkte. Michel Rolland ist önologischer Berater. Jährlich werden ca. 250.000 Flaschen des Erstweins und 70.000 des Zweitweins Chevalier de Lascombes abgefüllt.

Erste Besitzer waren Mitglieder der Familie Durfort de Duras, die ab dem 12. Jahrhundert in Margaux wohnten. Die Familie führte das Weingut jahrhundertelang, nachdem die ersten Weinflächen im 15. Jahrhundert angelegt wurden, und führte es an die Spitze der Weingüter von Bordeaux. Der Familie gehörte zu jener Zeit auch Château Durfort-Vivens; die Flächen von Lascombes gehörten ursprünglich zu Durfort-Vivens. Es ist nicht überliefert, auf welchem Weg der 1625 geborene Antoine de Lascombes in den Besitz der Rebflächen kam. Das Weingut ging später an Jean-François de Lascombes, Berater des Parlement de Bordeaux und Mitglied der Académie de Bordeaux über, und kurz darauf an dessen Schwester Anne. Insbesondere Jean-François führte es an die Spitze der Weingüter von Bordeaux. So kann man in der Ausgabe vom 4. April 1838 des Magazins Le Producteur nachlesen, dass die Weine denen des Château Margaux ebenbürtig sind. Da Anne kinderlos starb, verlor die Familie den Einfluss über das Gut, und in der Folge der Französischen Revolution ging das Gut in Staatsbesitz über. Zuerst übernahm der Weinhändler Nathaniel Johnston das Gut, überließ es jedoch kurz später Fabre. Fabre verkaufte es an die Familie Loraique, die das Gut im Jahr 1844 für 90.000 Francs an Mademoiselle Hué veräußerten. Nach etlichen Jahrzehnten konnte die Familie Hué dem Gut durch kleinere Investitionen neue Impulse verleihen. Bei der Bewertung der Weingüter von Bordeaux anlässlich der Weltausstellung in Paris 1855 wurde die herausragende Stellung von Lascombes mit dem Rang eines Deuxième Cru Classé gekrönt. Frau Hués Schwiegersohn verkaufte das Gut an den bekannten Pariser Juristen Gustave Chaix-d’Est-Ange. Er war zeitweise Vorsitzender der Pariser Rechtsanwaltskammer und konnte sich nicht direkt um die Geschicke des Guts kümmern. Dies kam seinen Kindern Jean-François Théophile und Jeanne-Marie zu, die vom Kellermeister Valbord Hugen unterstützt wurden. 1867 wurde das heute bekannte Gutsgebäude gebaut. Jean-François übernahm auch das benachbarte Weingut Château Marquis d’Alesme-Becker. Nach seinem Tod im Jahr 1923 verkaufte sein Adoptivsohn Alesme-Becker an die englischen Familie W. H. Chaplin und gründete 1926 eine Gesellschaft zur Verwaltung des Gutes Lascombes. Mehrheitseigentümer der Gesellschaft war die Weinhändler-Familie Ginestet aus Bordeaux. Durch die Kriegswirren verkam das Gut. 1952 übernahm Alexis Lichine das Weingut nur ein Jahr nach dem Erwerb von Château Prieuré-Lichine. Finanziert wurden seine Aktivitäten durch ein Konsortium amerikanischer Eigentümer. Die finanziellen Mittel ermöglichten erhebliche Investitionen in Weinberg und Weinkeller. Sehr zu seinem Unmut verkaufte das Konsortium im Jahr 1971 das Gut an die englische Brauereigruppe Bass Charrington. Aus jener Zeit stammt die große Bekanntheit des Gutes im englischsprachigen Raum. Im April 2001 übernahm die amerikanische Gesellschaft Colony Capital (Groupe Lucien Barrière) das Gut und führte ein umfangreiches Investitionsprogramm durch. Im Jahr 2011 wurde das Gut für ca. €200m von MACSF übernommen, einer Versicherung für das Gesundheitswesen.

Lesen Sie mehr auf Château Lascombes und Wikipedia Château Lascombes (Sicher Reisen - Die Reiseapp des Auswärtigen Amtes). Fotos von Wikimedia Commons. Wenn Sie eine Anregung, Kritik oder einen Hinweis zu dem Beitrag haben, freuen wir uns auf Ihre E-Mail an kommentar@wingsch.net. Nennen Sie dazu im Betreff bitte die Überschrift des Blogbeitrags, auf den sich Ihre E-Mail bezieht.




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