Bundeskanzleramt in Berlin

Montag, 28. Januar 2019 - 11:00 (CET/MEZ) Berlin | Author/Destination:
Category/Kategorie: Architektur, Berlin, Allgemein

Main entrance © Tischbeinahe/cc-by-3.0

Main entrance © Tischbeinahe/cc-by-3.0

Das Bundeskanzleramt ist ein Gebäude in Berlin und Sitz der gleichnamigen deutschen Bundesbehörde. Im Rahmen des Umzugs der deutschen Bundesregierung von Bonn nach Berlin zog das Amt in den von den Architekten Axel Schultes und Charlotte Frank geplanten Neubau. Das Gebäude ist Teil der “Band des Bundes” genannten Baugruppe im Spreebogen, Willy-Brandt-Straße 1, 10557 Berlin.

Das gleichermaßen spektakuläre wie umstrittene monumentale Bauensemble des neuen Bundeskanzleramtes wurde in der Amtszeit von Kanzler Helmut Kohl entworfen. Nach dem ersten Spatenstich am 4. Februar 1997 und knapp vierjähriger Bauzeit konnte das Gebäude am 2. Mai 2001 vom damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder bezogen werden, wodurch der Regierungsumzug nach Berlin abgeschlossen wurde. Das bebaute Grundstück ist mit Hubschrauberlandeplatz und Kanzlerpark rund 73.000 m² groß. Mit einer Höhe von 36 Metern übertrifft das Gebäude die Berliner Traufhöhe von 22 Metern und ist das größte Regierungshauptquartier der Welt. Es ist rund achtmal so groß wie das Weiße Haus in Washington, zu dem allerdings noch weitere Gebäude gehören.

Das Gebäude hat eine moderne, weitgehend verglaste Außenfläche und zahlreiche Stilelemente der Postmoderne. Großflächig benutzte Farben haben eigene, genau festgelegte Symbolwirkungen. Auf dem Ehrenhof, der vom Leitungsbau und den zwei Bürotrakten gebildet wird, befinden sich die Skulptur Berlin des baskischen Künstlers Eduardo Chillida sowie vier Säulen jeweils mit Baumbepflanzung, Fahnenmasten und vor dem Haupteingang ein überspannendes Zeltdach. In den Seitenflügeln befinden sich 300 Büros von je 20 m² und 13 Wintergärten. Im südlichen Bürotrakt gibt es eine Kantine. Im nördlichen Bürotrakt findet sich der Presse- und Personaleingang neben der separaten Hauptwache. Jenseits der Spree im westlich gelegenen Kanzleramtspark befindet sich ein Hubschrauberlandeplatz. Der Park ist über den Kanzleramtssteg, eine doppelgeschossige Brücke, für Fußgänger und Fahrzeuge erreichbar. Kritisiert werden im neuen Bundeskanzleramt die zum Teil langen Wege. Es gibt neben der Möglichkeit der elektronischen Kommunikation auch ein Rohrpostsystem für den Aktenversand. Es werden Besuchergruppen zugelassen, wenngleich unter äußerst hohen Sicherheitsstandards (Eingangskontrolle wie am Flughafen, Ausweiskontrolle, zuvor angefertigte Namenslisten, Begleitung jeder Besuchergruppe durch BKA-Beamte).

seen from nearby Reichtstag building © Holger Weinandt/cc-by-sa-3.0-de Staircase © Gryffindor Main entrance © Tischbeinahe/cc-by-3.0 International Conference Room © Gryffindor seen from nearby Reichtstag building © A. Köppl, Gleiritsch/cc-by-sa-4.0 © Martin Falbisoner/cc-by-sa-4.0
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seen from nearby Reichtstag building © A. Köppl, Gleiritsch/cc-by-sa-4.0
Das Kanzleramt beherbergt nicht nur bedeutende Kunstwerke der Klassischen Moderne, sondern auch Werke zeitgenössischer deutscher und internationaler Künstler. Das Hauptwerk im Kanzleramt bildet die monumentale Eisenskulptur Berlin des baskischen Bildhauers Eduardo Chillida. Die 5,5 Meter hohe und 87,5 Tonnen schwere Skulptur weckt mit ihren zwei sich beinahe berührenden Armen Assoziationen wie Annäherung, Teilung und Vereinigung, was als beabsichtigte politische Symbolik verstanden werden kann. Die Skulptur nimmt eine ähnliche Stellung wie Henry Moores Large Two Forms des Bonner Kanzleramtes ein und ist von ähnlicher Symbolik. Der innere Eingangsbereich wurde künstlerisch durch den Maler Markus Lüpertz mitgestaltet, der das zentrale Treppenhaus in sechs verschiedene “Farbräume” verwandelte, deren Farben bestimmte klassische Tugenden symbolisieren sollen: Blau (Weisheit), Umbra (als Löwenfarbe für Kraft und Stärke), Rot (Tapferkeit), Ocker-Gold (Gerechtigkeit) und Grün/Weiß (Klugheit). Außerdem schuf Lüpertz die ebenfalls im Eingangsbereich stehende Skulptur Die Philosophin als Inbegriff des nachdenklichen Menschen. Als weitere große Skulptur im Innenbereich kann das Große weiße Kopfzeichen des Künstlers Rainer Kriester genannt werden. Im Kanzleramt befinden sich darüber hinaus zahlreiche bedeutende Gemälde, zum Teil als Ankäufe oder Leihgaben. Aus dem Bonner Kanzleramt stammen das Orientalische Märchen von August Macke und der für den Kabinettssaal ausgewählte Sonntag der Bergbauern von Ernst Ludwig Kirchner. Im Pressesaal befindet sich die dreiteilige Arbeit Augenbilder von Ernst Wilhelm Nay, die auf der Kasseler Documenta III im Jahr 1964 für Aufsehen sorgte. In der ersten Etage befindet sich die Galerie der bisherigen Bundeskanzler. Die Idee einer Porträtreihe hatte Helmut Schmidt im Jahr 1976. Daraufhin wählten die ehemaligen Bundeskanzler ein Porträt, das dann vom Kanzleramt angekauft wurde:

Im Keller des Bundeskanzleramtes ist ein Blockheizkraftwerk installiert, das mit Biodiesel betrieben wird. Zudem verfügt das Blockheizkraftwerk über eine Kraft-Wärme-Kälte-Kopplung, sodass damit im Sommer auch das Kanzleramt klimatisiert werden kann. Überschüssige Wärme des Blockheizkraftwerks wird in einer natürlichen, Salzwasser führenden Erdschicht in 300 Metern Tiefe unterhalb des Reichstags zwischengespeichert. Auf dem Dach des Kanzleramtes ist eine Photovoltaikanlage mit rund 1300 m² Fläche installiert. Die Solarmodule haben eine elektrische Nennleistung von etwa 150 kWp. Die gewonnene elektrische Energie wird von insgesamt 90 Wechselrichtern in Wechselspannung umgewandelt und dezentral in das Hausnetz eingespeist. Zusätzlicher Bedarf an elektrischer Energie wird ausschließlich aus Ökostrom gedeckt. Grundsätzliches Ziel der Wärmerückgewinnung ist die Minimierung des Primärenergieverbrauchs. Dabei stehen neben den energiewirtschaftlichen Bedürfnissen auch ökologische Forderungen im Vordergrund. Besonders im Hinblick auf das Kyoto-Protokoll werden zum Schutz des Klimas durch das Bundeskanzleramt im Rahmen dieser Maßnahmen jährlich 1400 Tonnen CO2-Emissionen vermieden.

Lesen Sie mehr auf bundesregierung.de – Bundeskanzleramt, Berlin.de – Bundeskanzleramt, VisitBerlin.de – Bundeskanzleramt und Wikipedia Bundeskanzleramt (Sicher Reisen - Die Reiseapp des Auswärtigen Amtes). Fotos von Wikimedia Commons. Wenn Sie eine Anregung, Kritik oder einen Hinweis zu dem Beitrag haben, freuen wir uns auf Ihre E-Mail an kommentar@wingsch.net. Nennen Sie dazu im Betreff bitte die Überschrift des Blogbeitrags, auf den sich Ihre E-Mail bezieht.



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