Botanischer Garten und Botanisches Museum in Berlin

Mittwoch, 17. Januar 2018 - 11:00 (CET/MEZ) Berlin | Author/Destination:
Category/Kategorie: Berlin, Allgemein, Museen, Ausstellungen, Nachhaltigkeit, Paläste, Schlösser, Villen, Parks

Italian Gardens and Tropical House © Axel Mauruszat

Italian Gardens and Tropical House © Axel Mauruszat

Der Botanische Garten Berlin in Berlin ist mit einer Fläche von über 43 Hektar und etwa 22.000 verschiedenen Pflanzenarten der größte Botanische Garten Deutschlands. Er gehört zur Freien Universität Berlin und hat den Status einer fakultätsunabhängigen Zentraleinrichtung. Der Garten und das angeschlossene Botanische Museum Berlin-Dahlem haben jährlich eine halbe Million Besucher. Allgemein wird er, auch in der eigenen Terminologie, als Botanischer Garten Dahlem bezeichnet, der Name leitet sich von der Königlichen Domäne Dahlem ab, auf deren Gelände er 1899 angelegt wurde. Tatsächlich gehört das Areal heute vollständig zum Ortsteil Lichterfelde.

Das Freigelände des Botanischen Gartens wurde von Adolf Engler als Landschaftsgarten gestaltet. Die größten Bereiche nehmen die 12,9 Hektar großen geografischen Anlagen und das 13,9 Hektar umfassende Arboretum ein. Die geografischen Anlagen befinden sich direkt westlich des Hauptweges und umschließen den Italienischen Garten, der sich gegenüber den Schaugewächshäusern befindet. Ziel war es die Pflanzen der verschiedenen Erdteile und Habitate möglichst in ihrer natürlichen Umgebung zu zeigen. Hierzu wurden Struktur und Art des Untergrundes angepasst und 136.000 m³ Erde bewegt. Auch der bereits vor dem Ausbau zum Botanischen Garten auf dem Gelände vorhandene Karpfenpfuhl, ein Moränen­tümpel, wurde um ein zweites Becken ergänzt zum Eichenteich erweitert, um auch Uferpflanzen zeigen zu können. Ein kurzer Graben, von einer Steinbrücke überspannt, verbindet beide Teile des Eichenteichs. Den südlichen und westlichen Teil des Gartens nimmt das Arboretum, eine reichhaltige und systematische Sammlung einheimischer Pflanzen, ein. Das Arboretum grenzt ebenfalls an beiden Teile des Eichenteichs, sodass sich auch einheimische Uferpflanzen in der Sammlung befinden. In der nordwestlichen Ecke des Gartens wurde eine „Systematische Abteilung“ angelegt, in der die Pflanzen nach ihren Verwandtschaftsverhältnissen geordnet waren. Dieser Teil des Gartens wurde im April und Mai 1945 durch Luftangriffe, Artilleriebeschuss und Bodenkämpfe zerstört und in abgeänderter Form wieder aufgebaut. Er beherbergt nun eine Anlage für das System der Krautigen Pflanzen und die Anlage für Heilpflanzen. Diese Anlage ist in Form eines menschlichen Körpers angelegt worden, wobei die Pflanzen an der Stelle ihres Wirkungsbereichs angepflanzt wurden, sie ist die Nachfolgerin des Apothekergartens. Dieser befand sich etwas weiter östlich, zusammen mit der “Ökonomische Abteilung”, in der Nutzpflanzen gezeigt wurden. Der Apothekergarten war besonders bedeutsam, da er alle Medizinalpflanzen, die im Freien gedeihen, zeigte. Zwei “Morphologische Abteilungen” lagen östlich des Hauptweges in den wenigen freien Bereichen zwischen den Gebäuden. Besonders erwähnenswert ist hierbei die Wasser- und Sumpfbeetanlage in der Abteilung II. 262 Becken mit Wasserberieselung und Ableitung des überlaufenden Wassers wurden hierfür aus Zementbeton hergestellt. Für die Sumpfflora der Tropen wurde ein großes Wasserbecken beheizt. Die gesamte Anlage ist noch vorhanden, wurde jedoch nach der Eröffnung des direkt angrenzenden neuen Sumpf- und Wasserpflanzengartens aufgelassen. In der alten Anlage entwickelt sich nun zum Schutz heimischer Wildpflanzen und -tiere ein Biotop. An Stelle der “Morphologischen Abteilung I” befindet sich seit 1984 der “Duft- und Tastgarten”, in dem alle Pflanzenschilder auch in Brailleschrift ausgeführt sind. Reliefpläne an den Zugängen zu diesem Bereich erleichtern Blinden die Orientierung. Zudem können an den Kassen Hefte in Brailleschrift ausgeliehen werden. Ebenfalls östlich des Hauptweges befand sich der Kolonialgarten, der für das Studium der in den deutschen Kolonien zu kultivierenden Nutzpflanzen angelegt worden war. In einer weiteren Abteilung östlich des Hauptweges, nahe dem südlichen Eingang, werden seit Eröffnung des Gartens einjährige Staudengewächse und Gartenblumen gezeigt. Relativ neu und doch bezugnehmend auf die ältesten Wurzeln des Botanischen Gartens ist der “Kurfürstengarten” im nördlichen Innenhof des Gewächshauskomplexes. Hier ist ein Hof- und Küchengarten entstanden, wie er im 17. Jahrhundert auch am Berliner Stadtschloss zu finden war. In dem 1663 von Johann Sigismund Elsholtz veröffentlichen Buch “Flora Marchica” ist die Bepflanzung der damaligen Anlagen überliefert.

Subtropical House © Axel Mauruszat Italian Gardens and Tropical House © Axel Mauruszat Greenhouses © WikiPlant - Florian Siebeck/cc-by-sa-2.5 Cactus House © Flo/cc-by-sa-2.5 Victoria House © flo/cc-by-sa-2.5
<
>
Greenhouses © WikiPlant - Florian Siebeck/cc-by-sa-2.5
Gewächshäuser
Die 16 Schaugewächshäuser, von denen heute noch 15 vorhanden sind, wurden am Südwesthang des Fichtenberges angelegt. Die Struktur des Geländes ermöglichte eine optimale Anordnung. 14 Gewächshäuser bilden einen rechteckigen Komplex, der vom Großen Tropenhaus dominiert wird. Dieses und weitere große Gewächshäuser liegen „in der zweiten Reihe“, die flacheren Gewächshäuser durch die Hanglage drei Meter tiefer, direkt am Hauptweg. Dies hat zur Folge, dass der Sonneneinfall optimal ausgenutzt wird und eine gegenseitige Verschattung ausgeschlossen ist. Allen Gewächshäusern gemeinsam ist die damals neuartige Bauweise, bei der das stählerne Traggerüst komplett innerhalb (Beispiel: Subtropenhaus) oder komplett außerhalb (Beispiel Großes Tropenhaus) des jeweiligen Gewächshauses liegt. Hierdurch konnte ein Wärmeverlust über die Tragwerke und die ungünstige Bildung von Tropfwasser an den Stahlträgern vermieden werden. Die Grundfläche aller ursprünglich angelegten beheizten Schaugewächshäuser betrug 8.192 m². Hierzu kamen nichtgeheizte Erdhäuser für Frühbeete mit einer Fläche von etwa 1.500 m². Das Große Tropenhaus ist mit seiner Länge von 60,04 Meter, Breite von 29,34 Meter und Höhe von etwa 25 Meter trotz seines einhundertjährigen Bestehens noch heute eine der größten Stahl-Glas-Konstruktionen der Welt und das bedeutendste Werk seines Architekten Alfred Koerner. Konstrukteur und Statiker für dieses Gebäude war Heinrich Müller-Breslau. Die Konstruktion besteht aus stählernen Dreigelenkbögen, die außen angeordnet sind, während die gläserne Fassade innen eingehängt ist. Die Bauarbeiten dauerten von 1905 bis 1907. Die Grundfläche beträgt 1.728 m² und der Raum umfasst 36.200 m³. Allein das Pflanzbeet in der Mitte des Hauses besaß eine Fläche von 1.000 m² und eine Erdtiefe von 3,50 Meter. Unter dem Mittelbeet wurde der Kellerraum mit den Heizkörpern angeordnet. Zusätzlich befanden sich in drei Ringen Heizrohre im Glasdach, die wegen des geringen Durchmessers jedoch nicht auffielen. Für Wartungsarbeiten ist das Große Tropenhaus mit drei ringsum laufenden Galerien versehen worden, die vom Glasturm auf der Rückseite des Gebäudes erreichbar sind. Die Stahlkonstruktionen der Gewächshäuser wurden im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört. Allerdings überstanden im Herbst 1943 die meisten Scheiben die Druckwellen von in der Nähe explodierenden Sprengbomben nicht. Dadurch erfroren die meisten tropischen Pflanzen, einige wenige sollen in Küchen und Wohnzimmern von engagierten Mitarbeitern überlebt haben. Der Wiederaufbau nach dem Krieg begann 1949 und im folgenden Jahr wurde die Wiedereröffnung des Victoria-Hauses gefeiert. 1958 standen dem Publikumsverkehr wieder neun Gewächshäuser offen, aber erst am 22. Mai 1968 konnte als letztes Schaugewächshaus das mit 3,45 Millionen Mark (inflationsbereinigt in heutiger Währung: rund 8 Millionen Euro) wiederhergestellte Große Tropenhaus nach fünfjähriger Bauzeit eröffnet werden. Mit dem Wiederaufbau erfolgte eine Modernisierung der technischen Anlagen des Gebäudes. Statt Silikatglas wurde Acrylglas zur Eindeckung genutzt, da es günstigere Eigenschaften aufweist; es absorbiert weniger UV-Licht, die Wärmeleitfähigkeit ist geringer, das Material ist leichter und es kann besser verformt verarbeitet werden, wodurch größere Scheiben (1 m × 2 m) eingesetzt werden konnten. Ein Nachteil des Materials zeigte sich jedoch am 31. Juli 1969: es ist nicht feuerfest. Ein aus ungeklärter Ursache im oberen Kuppelbereich ausgebrochener Brand richtete an der Kunststoffverglasung erheblichen Sachschaden an. Vor dem Kälteeinbruch konnten die Schadstelle geschlossen werden, die Wiedereröffnung des beschädigten Gebäudes konnte aber erst am 12. Juni 1970 stattfinden. Weiterhin wurde bei der Sanierung in den 1960er Jahren die Heiztechnik überarbeitet. Im Kellergewölbe wurde eine Luftumwälzanlage mit 16 Ventilatoren installiert. Die warme Luft wurde über Schächte in drei verschiedenen Höhen in das Haus eingeblasen und sechs- bis achtmal pro Stunde umgewälzt. Zur Erhöhung der Luftfeuchtigkeit wurde im Firstgewölbe eine Beregnungsanlage mit 66 Düsen installiert, mit der pro Minute 130 Liter Wasser versprüht werden konnten. Außerdem wurden 96 Leuchten mit Hochdruckquecksilberdampf-Lampen von je 400 Watt montiert.

Knapp 40 Jahre nach der Wiedereröffnung war eine Grundsanierung des Großen Tropenhauses erneut dringend erforderlich. Im März 2004 musste das Haus bereits für kurze Zeit geschlossen werden, da die Aufhängungen von Deckenleuchten durchgerostet waren und diese herabzustürzen drohten. Im Januar 2006 konnten nach einem Heizungsschaden im benachbarten Victoria-Haus die Pflanzen nur mit Mühe vor dem Erfrieren gerettet werden. Ein ähnlicher Schaden im Großen Tropenhaus wäre verheerend gewesen. Zahlreiche gesprungene Scheiben waren nur notdürftig geklebt. Am 16. Februar 2006 beschloss das Berliner Abgeordnetenhaus die 16 Millionen Euro teure Sanierung. Finanziert wird die Sanierung außer von der Freien Universität und der Stiftung Deutsche Klassenlotterie mit Fördermitteln aus dem Umweltentlastungsprogramm der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, aus dem Hochschulbauprogramm des BMBF und dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung der Europäischen Union. Nach dem Umsetzen der Pflanzen in andere Gewächshäuser und in ein eigens errichtetes provisorisches Gewächshaus begann im August 2006 die Sanierung des Bauwerks. Am 16. September 2009 wurde es feierlich wiedereröffnet, am folgenden Tag für den Publikumsverkehr freigegeben. Das Victoriahaus blieb jedoch geschlossen, seine Sanierung wurde erst 2013 begonnen. Die Wiedereröffnung war für den September 2015 geplant, musste jedoch aufgrund von technischen Problemen verschoben werden.

In der Mittelachse erstreckte sich vor dem Großen Tropenhaus das Haus O für tropische Wasserpflanzen mit einer Länge von zehn und einer Breite von acht Metern. Bereits im alten Garten waren die Riesenseerosen ein Besuchermagnet mit einem Schauhaus an exponierter Stelle und so erhielten sie auch im neuen Botanischen Garten im Zentrum des Gewächshauskomplexes ihre neue Heimat. Die heute bestehende Verbindung zum Großen Tropenhaus wurde jedoch erst 1966 bis 1969 hergestellt. Das Victoria-Haus wurde von 214 m² auf 254 m² Grundfläche erweitert und das Sumpfpflanzenhaus mit 170 m² Grundfläche angebaut. Auch das Wasserbecken im Victoria-Haus wurde von 70,3 m² auf 113 m² vergrößert. Gleichzeitig mit der Vergrößerung des Victoria-Hauses wurde die gesamte Eingangssituation in den Gewächshauskomplex neu gestaltet. Das Victoria-Haus bekam ein öffentlich zugängliches Untergeschoss mit zwei Sumpfpflanzenbecken und zwölf Aquarien für die verschiedenen Wasserpflanzen aller Erdteile. Von diesem Untergeschoss, in dem sich neben Diensträumen heutzutage auch ein Laden (für den Zeitraum der Gewächshaussanierung umgezogen in das Museum) und ein Café befinden, bestehen direkte Zugangsmöglichkeiten zum Großen Tropenhaus und zu den beiderseits liegenden Gewächshäusern G und H, den Startpunkten der Rundgänge. Die Eröffnung dieser baulichen Neugestaltung erfolgte am 19. Juni 1969. Die Eckpunkte in der hinteren Reihe der Gewächshäuser bilden die Gewächshäuser C und M. Sie weisen eine quadratische Grundfläche von 393 m² und eine Firsthöhe von 11,50 Meter auf. Mit dem Großen Tropenhaus waren sie durch die flacheren Gewächshäuser B und N verbunden. Diese besaßen nur eine Höhe von 4,50 Meter und eine Grundfläche von 288 m². Die Verbindung von der hinteren Gewächshausreihe zur vorderen wird durch die mit 3,30 Meter Höhe noch flacheren Gewächshäuser D und L hergestellt. Sie besitzen eine Grundfläche von jeweils 231 m². In vorderer Front wurden vier gleich große Gewächshäuser (E, G, H und K) mit 9,30 Meter Firsthöhe und 154 m² Grundfläche angelegt. Zwischen jeweils zwei dieser Gewächshäuser befanden sich die mit 4,50 Meter Höhe flachen Häuser F und I mit jeweils einer Grundfläche von 191 m². Zwischen 1979 und 1987 wurden alle Gewächshäuser der vorderen Reihe (E bis K) abgerissen und durch Neubauten nach Entwürfen des Architekten und Künstlers Engelbert Kremser ersetzt. Baulicher Verfall und wachsender Raumbedarf werden als Gründe für die Baumaßnahme genannt. Kremser nutzte die Möglichkeiten der modernen Gestaltung und arbeitete mit vielen Rundungen im Anklang an organische Formen. Diese Rundungen setzte er sowohl im Verlauf der Fronten als auch in den Übergängen zu den Dächern ein. Etwas abseits des Hauptkomplexes befindet sich der zweite architektonische Höhepunkt der Gewächshausgestaltung, das Kalthaus für subtropische Gewächse, auch Mittelmeerhaus genannt. Mit seiner dreischiffigen Anlage und den zwei Portaltürmen weist es einen fast kathedralen Charakter auf. Die Grundfläche des Hauses beträgt 878 m² bei einer Firsthöhe von 15,8 Meter. Die Position dieses Gewächshauses ergab sich “technisch” aus der Entfernung, die notwendig war, um auch bei flachem Sonneneinfall im Winter eine Verschattung der anderen Gewächshäuser zu vermeiden. Das Haus wurde zwischen 1989 und 1992 grundlegend renoviert. Das kleine Gewächshaus für koloniale Nutzpflanzen lag abseits des Gewächshauskomplexes im Kolonialgarten in der Nähe des Kesselhauses. Es war einfacher Gestalt, besaß eine Höhe von 3,70 Meter, eine Grundfläche von 134 m² und ist heute nicht mehr vorhanden.

Pavillons
In den Freianlagen bieten zahlreiche Pavillons die Möglichkeit sich auszuruhen, Literatur zu studieren oder Schutz vor Regen zu suchen. Koerner zeigte hier seine umfangreichen architektonischen Fähigkeiten, indem er die Bauten in unterschiedlichsten Stilen, angepasst an das botanische Umfeld, entwarf. Teilweise sind diese Pavillons mit kleinen Schmuckanlagen verbunden. Im Bereich der geografischen Anlagen, die die Flora Ostasiens zeigen, befindet sich im Mittelpunkt eines japanischen Ziergartens die “Japanische Laube”. An zentraler Stelle im Arboretum befindet sich die “Rosenlaube”. Aus Basaltlava errichtete Koerner hier ein halbrundes massives Bauwerk in romanischen Formen. Es ist umgeben von wilden Rosen, die es überwuchern und vor dem dunklen Gebäude besonders eindrucksvoll ihre Blütenpracht zeigen können. In der systematischen Abteilung, heute inmitten ausgedehnter Wiesen, befindet sich eine offene Vortragshalle. Engler suchte diese mit seinen Studenten gerne auf, um hier Vorlesungen abzuhalten. Sie trägt heute deswegen auch den Namen “Engler-Pavillon”. In der ehemaligen “Morphologischen Abteilung I”, dem heutigen “Duft- und Tastgarten”, befindet sich ein pilzförmiger bedeckter Sitzplatz. Dieser etwas klobig erscheinende Pavillon verbirgt unter sich einen 180 m³ fassenden Sammelbrunnen, in dem das Regenwasser aller Glasdächer, in Summe immerhin etwa 8000 m², gesammelt wird. Dieses Wasser wird zur Versorgung entsprechend empfindlicher Pflanzen genutzt. Eine Kombination aus Pavillon und Wirtschaftsgebäude stellt das “Alpenhäuschen” dar. Am Rande des Alpengartens wurde es in den Formen des schweizerischen Holzbaus errichtet. Neben seinem Bestimmungszweck als Gärtnerarbeitshaus bietet es auch eine Sitz- und Schutzhalle für Besucher. Weitere Schutzhallen wurden in Zusammenhang mit den Pförtnerlogen an beiden Eingängen errichtet. 1997 hinzugekommen ist der “Dorotheen-Pavillon” am Ufer des nordwestlichen oberen Sees des Eichenteichs.

Heizkraftwerk
Besondere Anforderungen wurde an die Heizanlage gestellt, da nur durch zusätzliche Beheizung in den Gewächshäusern die für die verschiedenen Pflanzen benötigten Temperaturen erreicht werden. Dabei ist ein durchgehender Betrieb notwendig, da auch nachts und auch im Sommer geheizt werden muss. Angesichts der hohen Anforderungen und des hohen Energiebedarfs wurde im Botanischen Garten ein eigenes Heizkraftwerk mit drei Warmwasserkesseln und einem Dampfkessel errichtet. Folgende Leistungen hatte das Kraftwerk zu erbringen:

  • Versorgung der Heizungssysteme mit Dampfwarmwasser und Niederdruckdampf,
  • Versorgung der Gewächshäuser mit Wasserdampf für die Luftbefeuchtung und die Tropennebel,
  • Versorgung der Gärtnereien mit Warmwasser,
  • Energieversorgung des Wasserhebewerks, der Regenwasserdruckleitung, der elektrischen Beleuchtung und der elektrischen Arbeitsmaschinen.

Bis zu seiner Außerbetriebnahme wurde das Kraftwerk mit Steinkohle betrieben und benötigte rund 1500 Tonnen pro Jahr. Am 13. September 1967 wurde der Botanische Garten an das Fernwärmenetz des Fernheizwerkes Steglitz angeschlossen und bezieht seither von dort die benötigte Wärme. Der jährliche Energieverbrauch beträgt ca. 36.000 GJ (= 8.580 Gcal), wovon allein ungefähr ein Drittel für das Große Tropenhaus benötigt wird. Durch die Sanierung des Großen Tropenhauses wird dessen Energiebedarf deutlich gesenkt werden, sodass er nach Abschluss der Arbeiten nur noch bei etwa einem Fünftel des verringerten Gesamtenergiebedarfs liegen wird.

Wasserwerk
Ähnlich wichtig wie die Versorgung mit Wärme ist die ausreichende Versorgung mit Frischwasser. Für den Massenbedarf des Gartens wurden zwei 50 Meter tiefe Brunnen angelegt. Das dort vorgefundene Tiefenwasser war für die Freilandpflanzungen ohne weitere Behandlung geeignet. Zur Förderung des Wassers wurde ein Wasserwerk mit Dampfpumpen, die vom oben erwähnten Heizwerk mit Dampf versorgt wurden, angelegt. Das Wasser wurde direkt in das Leitungsnetz des Gartens sowie in den 550 m³ fassenden Wasserturm hinter den Schauhäusern gepumpt. Die Pumpanlage war für eine Tagesleistung von 1000 m³ Wasser ausgelegt. Das Wasser für die Versorgung der Gebäude wurde von Beginn an vom öffentlichen Netz bezogen. In Notfall hätte auch das öffentliche Netz als Ersatz für das Wasserwerk eingesetzt werden können. Die Technik wurde modernisiert und die Pumpen sind heute elektrisch betrieben, die Tiefbrunnen stellen jedoch auch heute noch die Wasserversorgung des Botanischen Gartens sicher.

Wohnhäuser
Für Engler und Urban, Direktor und Unterdirektor, wurden in enger räumlicher Nähe zwei Wohnhäuser inmitten eines Schmuckgartens errichtet. Sie lagen westlich des Eingangs am Königin-Luise-Platz. Das Wohnhaus für den Unterdirektor wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört, das Direktorenwohnhaus ist bis in die Gegenwart erhalten geblieben. Ebenfalls erhalten ist das ehemalige Wohnhaus für den Oberinspektor des Gartens. Es befindet sich in der Nähe des südlichen Eingangs an der Straße Unter den Eichen und wird heute als Pädagogisches Zentrum (Pädagogische Beratungsstelle im Botanischen Garten /Botanikschule) genutzt. Entsprechend der Stellung der Personen differierte auch die ausgebaute Wohnfläche; für den Direktor 245 m², für den Unterdirektor 193 m² und für den Oberinspektor 150,5 m². Zwei mehrgeschossige Gebäude mit Wohnungen für Angestellte des Gartens wurden ebenfalls innerhalb des Gartens errichtet, die sogenannten Gärtnerwohngebäude I und II. In diesen befanden sich neben den Wohnbereichen auch Gemeinschaftsräume wie Speiseräume, Lesezimmer und Schreibstube sowie Diensträume wie Samenstube, Vorratsräume oder Räume für die Gartenverwaltung. Beide Gebäude befinden sich im südlichen Gartenbereich zwischen dem öffentlichen Garten und dem Wirtschaftshof. Alle fünf Wohngebäude wurden im Ziegelbau im Bereich der Vollgeschosse und im Holzfachwerkbau im Bereich der ausgebauten Dachgeschosse ausgeführt.

Botanisches Museum und Herbarium
Museum, Herbarium und Bibliothek sind in einem gemeinsamen Gebäude an der Königin-Luise-Straße untergebracht, das zwischen 1903 und 1906 errichtet wurde. Der von Koerner entworfene viergeschossige Bau mit ausgebautem Dachgeschoss besteht aus einem Hauptbau an der Straße und zwei Gartenflügeln. Der westliche 48,68 Meter lange Gartenflügel beherbergte das Museum und die Botanische Zentralstelle für die deutschen Kolonien, der östliche Gartenflügel (28,17 Meter lang) war für Herbarium und Bücherei errichtet worden. Der Flügel war so gestaltet, dass später bei Bedarf eine Verlängerung hätte erfolgen können. Im 78,9 Meter langen Hauptbau befanden sich Verwaltungsräume, Arbeitszimmer, Unterrichtsräume und an der Nordwestecke ein großer Hörsaal. Die Eingangshalle des Gebäudes erstreckt sich über zwei Stockwerke und vermittelt die Zugänge zu den verschiedenen Bereichen des Gebäudes. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude sehr stark beschädigt. Am 1. März 1943 durchschlug eine Sprengbombe das Dach des Herbar- und Bibliothekflügels und setzte diesen in Brand. Auch Phosphorbomben trafen das Gebäude. Der Herbar- und Bibliotheksflügel und Teile des Hauptbaues brannten bis zum nächsten Tag nieder. Der Museumsflügel stand zwar noch, hatte jedoch erhebliche Schäden durch die Druckwellen der Sprengbomben hinnehmen müssen. Bei einem Luftangriff am 29. Januar 1944 wurde dann auch der Museumsflügel getroffen und brannte weitgehend aus. Zwischen 1953 und 1959 wurden der Westflügel und der Hauptbau wieder aufgebaut. Herbarium, Bibliothek und Museum mussten sich nun den Westflügel vorerst teilen, sodass allen deutlich weniger Fläche zur Verfügung stand. Von 1983 bis 1987 wurde ein neuer Ostflügel, größer als der ursprüngliche, nach Entwürfen von Rainer G. Rümmler errichtet. Im Jahr 1879 erhielt das Herbarium im alten Botanischen Garten ein eigenes Gebäude und somit erstmals die Möglichkeit, Sammlungsstücke der Öffentlichkeit zu präsentieren. Bereits ein Jahr später wurde eine Ausstellung zur “Belehrung nicht fachlich ausgebildeter Besucher” eröffnet. Dies war der erste Vorläufer des Botanischen Museums. Mit dem Umzug nach Dahlem erhielt das Museum 1907 auf drei Etagen eine deutlich vergrößerte Ausstellungsfläche. Dies wurde zur Erweiterung der pflanzengeografischen und paläobotanischen Ausstellung um Abteilungen zu Fortpflanzungsverhältnisse im Pflanzenreich und zu Grundtypen der Pflanzengestalten genutzt. Nach der Zerstörung von Gebäude und zahlreichen Exponaten wurde 1957 mit dem Wiederaufbau eines Museums auf deutlich reduzierter Fläche in einer Etage begonnen. Nach dem Umzug von Herbarium und Bibliothek in den neu aufgebauten Ostflügel konnte das Museum erweitert werden. Am 11. März 1991 wurde die zweite Etage eröffnet. 2004/05 erfolgte eine Überarbeitung und Umgestaltung der ersten Etage. Das Museum versteht sich heute als Ergänzung zum Garten und will die Themen der Botanik präsentieren, die im Garten nicht ohne Weiteres beobachtet werden können. Hierzu gehören geschichtliche Entwicklung, Entwicklung über das Jahr, innere Pflanzenaufbauten, vergrößerte Mikrostrukturen, Artenverbreitung sowie Pflanzenprodukte und -nutzung.

Lesen Sie mehr auf Botanischer Garten und Botanisches Museum Berlin, VisitBerlin.de – Botanischer Garten und Botanisches Museum Berlin und Wikipedia Botanischer Garten und Botanisches Museum Berlin-Dahlem (Sicher Reisen - Die Reiseapp des Auswärtigen Amtes). Fotos von Wikimedia Commons. Wenn Sie eine Anregung, Kritik oder einen Hinweis zu dem Beitrag haben, freuen wir uns auf Ihre E-Mail an kommentar@wingsch.net. Nennen Sie dazu im Betreff bitte die Überschrift des Blogbeitrags, auf den sich Ihre E-Mail bezieht.



Das könnte Sie auch interessieren:

InterContinental Carlton Cannes

InterContinental Carlton Cannes

[caption id="attachment_163635" align="aligncenter" width="590"] © Banja Mulder/cc-by-3.0[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen lassen"]Das InterContinental Carlton Cannes ist ein 1911 erbautes Luxushotel mit 343 Zimmern, welches sich am Boulevard de la Croisette 58 in Cannes an der Côte d'Azur befindet und in die Liste der monument historique aufgenommen worden ist. Während der Internationalen Filmfestspiele von Cannes ist es der prestigeträchtigste Platz um zu Verweilen und das unangefochtene Hauptquartier der Filmindustrie um dort Ve...

Themenwoche Algarve - Faro

Themenwoche Algarve - Faro

[caption id="attachment_152697" align="aligncenter" width="525"] City Hall © Osvaldo Gago - fotografar.net - cc-by-sa-2.0[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Faro die Hauptstadt der Region Algarve mit etwa 44.000 Einwohnern (64.000 Einwohnern im Kreis), einem internationalen Flughafen (überwiegend Charterflüge) und zwei Universitäten (Universität der Algarve). Die Stadt bildet sich aus den beiden Freguesias (Gemeinden) São Pedro und Sé. Faro ist das administrative Zentrum der Algarve und ein wichtiger Hafen, der von einer Lagune g...

Lincoln, die Hauptstadt der Grafschaft Lincolnshire

Lincoln, die Hauptstadt der Grafschaft Lincolnshire

[caption id="attachment_153744" align="aligncenter" width="590"] Jew's House © Jungpionier[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Lincoln ist eine Stadt in England und ist die Hauptstadt der Grafschaft Lincolnshire. Die Stadt wird vom Fluss Witham durchflossen. Die Stadt Lincoln blickt auf eine über 2000-jährige Geschichte zurück. Schon lange ehe die Römer nach Lincoln kamen, war das Gelände der heutigen Stadt bereits besiedelt. Die Römer errichteten im Jahr 48 ihren ersten Militärstützpunkt für die Legio VIIII Hispana (9....

Themenwoche Queensland - Das Great Barrier Reef

Themenwoche Queensland - Das Great Barrier Reef

[caption id="attachment_24332" align="aligncenter" width="590"] Coral Outcrop © Toby Hudson/cc-by-sa-3.0[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Das Great Barrier Reef (deutsch: Großes Barriereriff) vor der Nordostküste Australiens im Korallenmeer ist das größte Korallenriff der Erde. Im Jahr 1981 wurde es von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt und wird auch als eines der sieben Weltwunder der Natur bezeichnet. Am 11. Juni 1770 entdeckte der britische Seefahrer James Cook das Große Barriereriff, als er während seiner ersten Südsee...

Porträt: Henry John Heinz

Porträt: Henry John Heinz

[caption id="attachment_163112" align="aligncenter" width="590"] Hard Rock Cafe Paris © flickr.com - Flavio Ensiki/cc-by-2.0[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Henry John Heinz war ein deutsch-amerikanischer Geschäftsmann aus Pittsburgh und Hersteller des Heinz-Ketchup. Das Heinz Field der Pittsburgh Steelers ist nach der H. J. Heinz Company benannt, welche die Namensrechte 2001 erwarb. Heinz wurde als eines von acht Kindern deutscher Einwanderer geboren, sein Vater Johann Heinrich Heinz stammte aus Kallstadt in der Pfalz (offenbar ei...

Die Nationale Hochschule für Verwaltung in Straßburg

Die Nationale Hochschule für Verwaltung in Straßburg

[caption id="attachment_25428" align="aligncenter" width="590"] ENA Strasbourg © Rémi LEBLOND/cc-by-sa-3.0[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Die École Nationale d’Administration (ENA) ist eine in Straßburg ansässige Grande école, die traditionell die Elite der französischen Verwaltungsbeamten ausbildet. Sie wurde am 9. Oktober 1945 von Charles de Gaulle ins Leben gerufen, um den Aufbau einer von der Vichy-Vergangenheit unbelasteten Verwaltung zu ermöglichen. Aufgabe der ENA ist es, den zukünftigen höheren Verwaltungsbeamten...

Return to Top ▲Return to Top ▲
View over Montecito © Grandhiking/cc-by-sa-3.0
Montecito in Kalifornien

Montecito ist eine Stadt im Santa Barbara County in Kalifornien. Die Stadt hat 10.000 Einwohner auf einer Fläche von 24,2...

© Javicoves/cc-by-sa-3.0
Alcázar von Segovia in Kastilien-León

Der Alcázar von Segovia ist eine Burg in der spanischen Stadt Segovia in der autonomen Gemeinschaft Kastilien-León. Segovia zählt zusammen...

Campo de Gheto Novo © Didier Descouens/cc-by-sa-4.0
Das Gheto di Venezia in Venedig

Das Ghetto in Venedig ist eine Insel im Sestiere Cannaregio. Sie war seit dem 16. Jahrhundert bis zu seiner Aufhebung...

Schließen