Bilbao, Zentrum für Kultur und Politik im Baskenland

05. August 2011 | Destination: | Rubric: Architektur, Allgemein |

Guggenheim Museum Bilbao © Ardfern

Guggenheim Museum Bilbao © Ardfern

Bilbao ist die Hauptstadt der Provinz Bizkaia (spanisch: Vizcaya) und größte Stadt der Autonomen Gemeinschaft Baskenland in Spanien. Weiter ist sie die wichtigste Industrie- und Hafenstadt des Baskenlands und hat zuzüglich des Umlands fast 900.000 Einwohner. Mit 353.168 Einwohnern im Stadtgebiet ist Bilbao die zehntgrößte Stadt Spaniens. Die Stadt liegt an der Ría de Bilbao, die bei Portugalete in den Golf von Biscaya (Kantabrisches Meer) mündet. In Basauri vereinigen sich die Flüsse Nervión und Ibaizabal (baskisch für Breiter Fluss) und fließen von dort gemeinsam in die Ría. Die Gezeitengrenze liegt in der Altstadt etwa an der San-Antón-Brücke.

Auch wenn schon Mitte des 19. Jahrhunderts mit dem Bau der ersten Hochöfen begonnen wurde, sollte die Entwicklung Bilbaos erst nach der letzten Belagerung im Karlistenkrieg in 1874 richtig anlaufen. Damals vereinigten sich die Gemeindebezirke von Abando und Begoña, es erfolgte die sich Barcelona zum Vorbild nehmende planmäßige Erweiterung (Ensanche) des Stadtkerns und so bedeutende Gebäude wie das Theater Arriaga, die Börse oder die Alhóndiga (ehem. Wein- und Spirituosenlager) wurden erstellt. Die industrielle Entwicklung an der Ria, die Gründung von Eisenhütten und Schiffsbauunternehmen, trieben das Bankwesen und den Handel vorwärts und machte Bilbao zur Hauptstadt der baskischen Wirtschaft. Der industrielle Niedergang ab den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts hat sich in der Region bemerkbar gemacht. Allerdings auch mit positiven Folgen, da Bilbao seine Aktivitäten zu diversifizieren gewusst hat und seit Anfang der 1990er Jahre von seinem Image einer hässlichen, grauen, schmutzigen Stadt abgekommen ist, das es jahrzehntelang geboten hatte.

Der inzwischen Guggenheim-Effekt genannte Boom versetzte die arbeits- und hoffnungslos rostende Industriedeponie Bilbao in prosperierenden Taumel, riss das ganze Land mit, reißt Riesenlöcher in die Erde. Voraussetzung war die Integration der sich über fünfzehn Kilometer entlang der Trichtermündung des Nervión hinziehenden heterogenen Stadtteile, die zusammenhanglos wie im Wuppertal vor der Schwebebahn, kaum urbane Identität stifteten. Sir Norman Foster hatte mit seiner verbindenden Metrostrecke den Boden dafür bereitet. Das puristische Design erhielt eine Liebeserklärung, die Bilbaínos tauften die Abgänge Fosteritos.

Plaza Eliptica Gobierno Civil - Javier Mediavilla Ezquibela Euskal Museo © Zarateman El Arenal © Zarateman BBVA, ex Banco de Comercio © Zarateman Bilbao Collage © Fernando Pascullo Bilbao Cathedral © Noebse Bilbao Arena © Xabi1980 Ayuntamiento de Bilbao © AsturiasVerde Casco Viejo de Bilbao © Fernando Pascullo Calle Tendería - Casco Viejo © Olivier2000 Universidad de Deusto © Fernando Pascullo Teatro Arriaga © Zarateman Ribera Market © Martin253 Plaza Moyúa © Andreas Praefcke Plaza de Unamuno © Bpierreb La Ribera © Martin253 Jeff Koon's 'Puppy' in front of the Guggenheim Museum © Noebse Guggenheim Museum Bilbao © Ardfern
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Jeff Koon's 'Puppy' in front of the Guggenheim Museum © Noebse
In den 1990er Jahren hat Bilbao, das zuvor abseits der touristischen Routen lag, eine weitreichende Neukonzeption seiner Innenstadt unternommen. So entstand bis 1995 eine 28 km lange Metrolinie, deren Bahnhöfe fast alle von Sir Norman Foster entworfen wurden. Einen weiteren Neubau stellt die Brücke “Zubizuri” des Architekten Santiago Calatrava dar, die einem aufgeblähten Segel nachempfunden ist. Zentrum des touristischen Interesses ist neben der ältesten Schwebefähre der Welt, der Puente de Vizcaya über den Fluss Nervión (auch Puente Colgante, “Hängende Brücke” genannt), das bis 1997 nach Plänen des US-amerikanischen Architekten Frank O. Gehry errichtete Museo Guggenheim Bilbao. Der spektakuläre Museumsbau aus Titan, Glas und Kalkstein ist eines der wichtigsten Beispiele avantgardistischer Architektur des 20. Jahrhunderts weltweit. Dabei korrespondiert das Museum mit der sonst oft gesichtslos-industriellen Gestalt Bilbaos, indem es etwa die benachbarte Brücke La Salve mit seinen Wänden “umschließt”. Schwerpunkt der Sammlung ist moderne, sowie zeitgenössische Kunst, die in wechselnden Ausstellungen gezeigt wird. Vor dem Museum ist ein Kunstwerk von Jeff Koons ausgestellt, der Puppy, der mit Blumen bepflanzt wird und eigentlich nur im Eröffnungsjahr dort stehen sollte. Nach Protesten der Bevölkerung durfte der Puppy aber vor dem Guggenheim-Museum stehen bleiben und wird jedes Frühjahr neu mit Blumen bepflanzt, die fortlaufend ausgetauscht werden, wenn sie abgeblüht sind.

Touristisch im Schatten dieser Neubauten befindet sich die belebte, von engen Straßen geprägte Altstadt Bilbaos (das Casco Viejo mit den Siete Calles, den sieben Straßen) und der mittelalterlichen gotischen Catedral de Santiago aus dem 14. Jahrhundert. Die Innenstadt weist eine architektonisch interessante Mischung von Alt- und Neubauten verschiedenster Stilrichtungen auf. Weitere Museen sind das Museum der schönen Künste (El Museo de Bellas Artes), eines der wichtigsten öffentlichen Kunstmuseen Spaniens, das erst kürzlich renoviert worden ist, und das in der Altstadt (Casco Viejo) gelegene Baskische Museum (El Museo Etnográfico Vasco), das Seefahrtsmuseum (El Museo Marítimo Ría de Bilbao) sowie das noch junge Industriemuseum in Portugalete (Museo de la Industria). Eine weitere wichtige Sehenswürdigkeit ist die Basilika Begoña (La Basílica de Ntra. Sra. de Begoña).

Das bunt gemischte Stadtbild kann sowohl als innovativ als auch als unreglementiert bezeichnet werden, in allen Fällen ist das Resultat eine sehenswerte und lebhafte Stadt. Dazu tragen vor allem die vielen Parks und Grünflächen auf den an das Stadtzentrum angrenzenden Hängen bei, die schnell zu Fuß vom Zentrum erreicht sind und einen einmaligen Ausblick auf die Stadt erlauben.

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