Bibliothek Sainte-Geneviève in Paris

Samstag, 27. Dezember 2014 - 13:00 (CET/MEZ) Berlin | Author/Destination:
Category/Kategorie: Allgemein, Museen, Ausstellungen, Opernhäuser, Theater, Bibliotheken, Paris

Sainte-Geneviève Library © Priscille Leroy/cc-by-sa-3.0-fr

Sainte-Geneviève Library © Priscille Leroy/cc-by-sa-3.0-fr

Die Bibliothek Sainte-Geneviève liegt am Place du Panthéon im 5. Arrondissement von Paris und ist als frühes Beispiel des Gusseisenbaus ein bedeutendes Werk von Henri Labrouste, der die Bibliothek von 1843 bis 1851 nach seinen Plänen erbauen ließ. Zum ersten Male wurde in Frankreich eine Bibliothek nicht als Anbau eines Klosters oder eines Schlosses konzipiert, sondern als eine Präsenzbibliothek, die der Öffentlichkeit zugänglich sein sollte. Le Corbusier bezeichnete das Bauwerk als den ersten Schritt auf dem Weg zur “modernen Architektur”. Die Bibliothek umfasst heute ungefähr zwei Millionen Dokumente aus allen Wissensgebieten. Sie ist aus dem Bücherfundus des gleichnamigen Klosters hervorgegangen, dessen Anfänge in das 6. Jahrhundert zurückreichen und das eines der bedeutendsten und größten Klöster in Paris war.

Die beim Bau von Bibliotheken immer zu beachtende Feuergefahr legte im 19. Jahrhundert die Verwendung des neuen Baustoffes Eisen nahe. Die meisten Bibliotheksbauten aus dieser Zeit enthalten Eisenkonstruktionen, die aber nicht sichtbar sind oder sich in untergeordneten Räumen wie Büchermagazinen befinden. Bei Labrouste ist das Eisen dagegen sichtbar, geradezu inszeniert, die Konstruktion und Funktion des Gebäudes werden dadurch sichtbar. In den ersten Reaktionen brachte ihm das u. a. die Kritik Gottfried Sempers ein, der ihm vorwarf, in seiner Bibliothek Sainte-Geneviève einen “unglücklichen sichtbaren [eisernen] Dachstuhl angebracht” zu haben.

Reading room of the Bibliothèque Sainte-Geneviève © Marie-Lan Nguyen/cc-by-2.0-fr Abbaye Sainte-Geneviève de Paris © Simdaperce Entry Hall © Marie-Lan Nguyen/cc-by-2.5 Sainte-Geneviève Library elevation © Handbuch der Architektur, 1893 Reading Room © Marie-Lan Nguyen/cc-by-2.0 Reading Room © Marie-Lan Nguyen/cc-by-2.0-fr Sainte-Geneviève Library © Priscille Leroy/cc-by-sa-3.0-fr Henri Labrouste bust © Jospe/cc-by-sa-3.0
<
>
Reading room of the Bibliothèque Sainte-Geneviève © Marie-Lan Nguyen/cc-by-2.0-fr
Die Fassade in Formen der italienischen Renaissance trägt in den Brüstungsfeldern der Fenster des Lesesaales die Namen von 810 berühmten Dichtern, Denkern und Forschern. Hinter den Namenstafeln befinden sich die Bücherregale. Links und rechts des Vestibüls lagern lichtgeschützt im Erdgeschoss die Büchermagazine, eine Sammlung seltener Bücher, Drucke, Manuskripte und die Verwaltungsräume. Das separate Treppenhaus befindet sich am Ende des Vestibüls an der Rückseite des Gebäudes. Während es im Vestibül noch relativ dunkel ist, erhellt sich das Treppenhaus mit jedem Schritt mehr.

Der darüberliegende 1780 m² große rechteckige Lesesaal umfasst das gesamte Obergeschoss und wird längs der Mitte durch achtzehn eiserne Säulen geteilt. Der hohe, lichtdurchflutete Lesesaal misst 80 m in der Länge, 17 m in der Breite und 15 m in der Höhe. Auf den achtzehn steinernen Sockeln ruhen gusseiserne, kannelierte Eisen-Stützen, die sich zu Bögen formen und die Saaldecke tragen, zwei parallele Tonnengewölbe. Die Gewölbe werden außen von einem eisernen Satteldach überdacht. Die Schubkräfte der beiden Tonnengewölbe fangen steinerne Wandpfeiler im Inneren des Gebäudes auf. Die Wände sind bis auf die Höhe von 5 m mit Büchern bestellt. In der Höhe von 2,5 m umläuft eine Galerie den Saal, die von vier Eck-Treppen zu erreichen ist. Ebenerdige Bücherborde unterhalb der Galerie schaffen kleine Räume zwischen der Außenmauer und dem Lesesaal, hinter denen sich weitere schmale Treppen befinden. Der Büchertransport vom Magazin in den Lesesaal erfolgt über zwei enge Wendeltreppen an den beiden Gebäude-Ecken. Der Lesesaal wird mit dem Tageslicht von hohen Seitenfenstern erhellt, ursprünglich war im Lesesaal auch eine Gasbeleuchtung installiert. Seit einer Umstellung der Tische im Jahre 1930 verfügt der Lesesaal über 700 Arbeitsplätze. Alle Ornamente wie auch die gedrechselten Stühle mit niedriger Rücklehne sind von Labrouste entworfen.

Lesen Sie mehr auf Wikipedia Bibliothek Sainte-Geneviève (Sicher Reisen - Die Reiseapp des Auswärtigen Amtes). Fotos von Wikimedia Commons. Wenn Sie eine Anregung, Kritik oder einen Hinweis zu dem Beitrag haben, freuen wir uns auf Ihre E-Mail an kommentar@wingsch.net. Nennen Sie dazu im Betreff bitte die Überschrift des Blogbeitrags, auf den sich Ihre E-Mail bezieht.



)

Das könnte Sie auch interessieren:

Diesen Beitrag teilen:

Das argentinische Segelschulschiff A.R.A. Libertad

Das argentinische Segelschulschiff A.R.A. Libertad

[caption id="attachment_153004" align="aligncenter" width="590"] ARA Libertad at Tybee Island, USA © U.S. Army Corps of Engineers - Jonas N. Jordan[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Die Libertad ist ein Dreimaster, der als Vollschiff getakelt ist. Sie ist ein Segelschulschiff der argentinischen Kriegsmarine. Die Kiellegung der Libertad fand am 11. Dezember 1953, knapp drei Jahre später am 30. Mai 1956 war der Stapellauf. Gebaut wurde die Libertad von der argentinischen Staatswerft A.F.N.E. Astilleros Navales in Rio Santiago. Die Indi...

Die Tate Gallery

Die Tate Gallery

[responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Tate Gallery ist ein Netzwerk von vier Galerien im Vereinigten Königreich: Tate Britain (eröffnet 1897), Tate Liverpool (1988), Tate St Ives (1993) und Tate Modern (2000) und einer zugehörigen Website: Tate Online (1998). Das Museum verleiht alljährlich den Turner-Preis an einen Künstler unter 50 Jahren. [caption id="attachment_24908" align="aligncenter" width="590"] Tate Britain © Adrian Pingstone[/caption]TATE BRITAINDie Tate Britain ist ein Museum in London, in dem die weltweit größte Sammlung ...

Themenwoche Kastilien-La Mancha - Talavera de la Reina

Themenwoche Kastilien-La Mancha - Talavera de la Reina

[caption id="attachment_153330" align="aligncenter" width="590"] Crest of Talavera de la Reina in typical tiles pottery © Javiergil73/cc-by-sa-3.0[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Talavera de la Reina ist eine spanische Stadt in der Provinz Toledo im Westen von Kastilien-La Mancha. Die am nördlichen Ufer des Tajo gelegene Stadt hat 89.000 Einwohner. 181 v. Chr. wurde der Ort, in dem sich viele Reste vorrömischer Besiedlung finden, von Quintus Fulvius Flaccus für das Römische Reich erobert und gehörte unter dem Namen Caes...

Die Highland Games

Die Highland Games

[caption id="attachment_5837" align="aligncenter" width="590" caption="Braemar - General Games Day © TheCreator"][/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Die Highland Games sind traditionelle Veranstaltungen mit sportlichen Wettkämpfen. Diese waren ursprünglich Bestandteil der Treffen (Gatherings) schottischer Clans in den schottischen Highlands. Dort sind sie auch heute noch zu Hause, finden sich aber auch weltweit überall, wo sich Schotten angesiedelt haben. In Schottland gibt es jährlich bis zu 100 Highland Games, die durch d...

Das Wolkenkratzer-Museum in Battery Park City

Das Wolkenkratzer-Museum in Battery Park City

[caption id="attachment_26703" align="aligncenter" width="460"] © skyscraper.org[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Das Hochhausmuseum ist eine Architektur-Museum in Battery Park City in New York City und wurde 1996 gegründet. Wie der Name schon vermuten lässt, konzentriert sich das Museum auf Hochhäuser als "Produkte der Technologie, Designobjekte, Bautätigkeit, Investitionen in Immobilien und Orte der Arbeit und des Wohnens." Vor seinem Wechsel zu dem aktuellen und dauerhaften Standort in Battery Park City im Jahr 2004, war das M...

Der Heilige See in Potsdam

Der Heilige See in Potsdam

[caption id="attachment_150703" align="aligncenter" width="590"] Heiliger See, with Marble Palace © Matthias v.d. Elbe/cc-by-sa-3.0[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Der Heilige See liegt im Stadtgebiet von Potsdam nordöstlich des Stadtzentrums zwischen der Berliner Vorstadt und dem Neuen Garten. Zusammen mit dem wesentlich tieferen, 1,6 Kilometer nördlicher liegenden Sacrower See und dem Groß Glienicker See bildet er eine Seenkette. Der Heilige See besitzt über den Hasengraben im Norden eine Verbindung zum Jungfernsee und somit z...

Return to Top ▲Return to Top ▲
Red Deer Innkeepers Lodge © geograph.org.uk - Johnny Durnan/cc-by-sa-2.0
Themenwoche Schottland – Cumbernauld

Cumbernauld ist eine Planstadt in North Lanarkshire, gegründet 1956, als Glasgow an Übervölkerung litt. Die Einwohnerzahl liegt bei 50.000. Damit...

Market Square © Binter
Themenwoche Kärnten – Sankt Veit an der Glan

Sankt Veit an der Glan ist eine Stadtgemeinde mit 12.500 Einwohnern und die Hauptstadt des gleichnamigen Bezirks. Die Stadt liegt...

View across the Drava river towards the cross church in Perau © Hrald/cc-by-sa-3.0
Themenwoche Kärnten – Villach

Villach ist die zweitgrößte Stadt Kärntens, siebtgrößte von ganz Österreich und ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt in Österreich sowie im Alpen-Adria-Raum. Villach,...

Schließen