Be’er Scheva, Hauptstadt der Wüste Negev

27. Juli 2016 | Destination: | Rubric: Allgemein, Union für das Mittelmeer |

© Moshe David/cc-by-2.5

© Moshe David/cc-by-2.5

Be’er Scheva (übersetzt “Brunnen der Sieben” oder “Brunnen des Schwurs”) ist eine Großstadt im Süden Israels; sie ist eine der größten Städte des Landes. Be’er Scheva gilt als Hauptstadt der Wüste Negev, an deren Rand sie liegt. Lange Zeit war die Stadt die viertgrößte Stadt Israels nach Jerusalem, Tel Aviv und Haifa; inzwischen ist sie jedoch mit 200.000 Einwohnern hinter Rischon LeZion und Aschdod zurückgefallen, gilt aber noch immer als eine der Metropolen des Landes. Die relative Abgeschiedenheit der Stadt vom Landeszentrum macht sie zu einem wichtigen regionalen Anziehungspunkt.

Die heutige Stadt ist überwiegend erst wenige Jahrzehnte alt. Anders als viele andere israelische Entwicklungsstädte gelang es Be’er Scheva, sich zu einem Zentralort der Region zu entwickeln. Das Zentrum der Stadt liegt bis heute im Bereich der Altstadt, obwohl in den zurückliegenden Jahrzehnten vorübergehend versucht wurde, andere Zentren zu schaffen. Nördlich der Altstadt wurden große Wohngebiete errichtet, während vor allem im Osten und Süden größere Industriegebiete (mit Betrieben der Bereiche Keramik, Baumaterial und Chemie) geschaffen wurden. Die chemische Schwerindustrie wurde ab den Siebzigerjahren ins südliche Industriegebiet Ramat Chovav umgesiedelt. Die meisten Stadtviertel Be’er Schevas, vor allem die älteren, sind nummeriert nach den Buchstaben des hebräischen Alphabets.

 

Wichtigste touristische Attraktion ist ein wöchentlich stattfindender Beduinenmarkt. In der Altstadt befinden sich das Negev Museum, im Haus des osmanischen Gouverneurs, und der berühmte Abrahamsbrunnen. Die Altstadt wurde jahrzehntelang vernachlässigt und wird erst in den letzten Jahren restauriert. Sie stellt ein einzigartiges Beispiel einer geplanten osmanischen Stadt dar. Die Stadtbehörde versucht mit verschiedenen Initiativen den Ort wieder zu beleben. Verschiedene osmanische Denkmäler sind bis heute erhalten geblieben, darunter das Wohnhaus des Gouverneurs (Negev Museum), die Moschee, der alte Bahnhof, die Schule der Beduinen-Scheich-Kinder, die Bahnbrücke über den Nahal Be’er Scheva, der Sarayi-Regierungspalast (“Serail”; heute Polizeiposten) sowie mehrere Villen im ottomanischen Stil der Jahrhundertwende. Außerhalb der Stadt, jedoch auf Stadtgebiet, liegt die archäologische Ausgrabung von Tell Be’er Scheva. Auf Stadtgebiet gibt es eine Vielzahl weiterer archäologischer Fundstädten, die jedoch nur teilweise zugänglich sind. Be’er Scheva wird im Süden vom Nahal Be’er Scheva durchquert, einem großen in der Trockenzeit ausgetrockneten Flussbett. Bei starken Regengüssen bieten die Fluten des Wasserlaufes ein beeindruckendes Naturspektakel. Der Nahal Be’er Scheva wird von einer historischen osmanischen Bahnbrücke überbrückt. Im Nordwesten der Stadt existiert ein kleiner städtischer Zoo.

Be’er Scheva, sowie die gesamte Südregion Israels, ist seit der modernen Besiedelung ein Versuchsfeld der modernen Architektur und Planung. Das Ergebnis ist teils sehr erfolgreich, teils sehr ernüchternd. Nach der planerisch in dieser Region einmaligen Altstadt wurde versucht, das Modell der Gartenstadt in den neuen Quartieren umzusetzen. Die Quartiere waren voneinander getrennt und sollten autonom funktionieren. Aufgrund der wüstenhaften Bedingungen entwickelten sich keine Gärten, sodass später beschlossen wurde, die Lücken in der Stadt aufzufüllen und die Quartiere zu verdichten. Die sehr breiten Straßen spiegeln das zukünftige Wachstumspotenzial wider, und deren Kapazität ist teilweise heute noch viel zu groß. Weiter wurde der Versuch unternommen, die Architektur der Neubauten den Wüstenbedingungen anzupassen. So entstanden kilometerlange überdachte Fußgängersteige und Quartiere mit Patiohäusern und engen Gassen, die Schatten garantieren und bei den häufigen Staubstürmen den Staub fernhalten sollten. Be’er Scheva beherbergt auch sehr viele Beispiele des Modernismus der Prägung Le Corbusiers. Überhaupt ist die Stadt ein Paradebeispiel des umstrittenen Sichtbetons. Ferner ist die Region um Be’er Scheva hierarchisch geplant, nach den verschiedenen Prinzipien der positivistischen Wirtschaftsgeographie, die den Raum gemäß den Zentralorten aufteilt (gemäß den Theorien des deutschen Geographen Walter Christaller). Schließlich sind die beduinischen Satellitenstädte ein einmaliges Beispiel der Transformation von Nomaden und Halbnomaden zu Sesshaften, bei dem verschiedene neue Siedlungsformen mehr oder weniger erfolgreich geschaffen wurden.

Lesen Sie mehr auf Be’er Scheva, Ben-Gurion-Universität des Negev, Wikivoyage Be’er Scheva und Wikipedia Be’er Scheva. Fotos von Wikimedia Commons.





Leseempfehlungen:

Themenwoche Washington, D.C. - Library of Congress

Themenwoche Washington, D.C. - Library of Congress

[caption id="attachment_24928" align="aligncenter" width="590"] Thomas Jefferson Building © Carol M. Highsmith/cc-by-sa-3.0[/caption]Die Library of Congress (LoC) (Deutsch: Kongressbibliothek) ist die öffentlich zugängliche Forschungsbibliothek de...

[ read more ]

Das Creative Cities Network

Das Creative Cities Network

[caption id="attachment_4429" align="aligncenter" width="590" caption="© UNESCO / Graz"][/caption]Das Creative Cities Network ist ein Projekt der UNESCO. Es hat das Ziel, kulturelle Vielfalt zu feiern und aufrechtzuerhalten. Dazu teilen die Mitglied...

[ read more ]

Hoyerswerda in der Oberlausitz

Hoyerswerda in der Oberlausitz

[caption id="attachment_153371" align="aligncenter" width="590"] Market Square with fountain, town hall and Johanneskirche © Frank Weiner[/caption]Hoyerswerda ist eine Stadt im sächsischen Landkreis Bautzen. Die drittgrößte Stadt der Oberlausitz ...

[ read more ]

Der Nationalpark Canaima

Der Nationalpark Canaima

[caption id="attachment_25694" align="aligncenter" width="590"] Carrao river and tepuys © Berrucomons/cc-by-sa-3.0[/caption]Der Nationalpark Canaima (Parque Nacional Canaima) befindet sich in der Gran Sabana, im Bundesstaat Bolívar im Südosten von...

[ read more ]

Madeira, die portugiesische Insel im Atlantischen Ozean

Madeira, die portugiesische Insel im Atlantischen Ozean

[caption id="attachment_152973" align="aligncenter" width="590"] Market in Funchal © Hannes Grobe[/caption]Madeira (vom portugiesischen Wort madeira ⇒ „Holz“) ist eine portugiesische Insel 951 km südwestlich von Lissabon und 737 km westlich d...

[ read more ]

Kunst, Kultur, Sankt Petersburg

Kunst, Kultur, Sankt Petersburg

[caption id="attachment_148925" align="aligncenter" width="590"] Eremitage at night © Robert Breuer[/caption]Sankt Petersburg ist wohl die ungewöhnlichste, "unrussischste" Stadt des Landes. Dies liegt an der Entstehungsgeschichte und historischen s...

[ read more ]

Sölden in Tirol

Sölden in Tirol

[caption id="attachment_160583" align="aligncenter" width="590"] © Ötztal Tourismus - Ernst Lorenzi[/caption]Sölden ist die flächengrößte Gemeinde Österreichs, mit 4100 Einwohnern im südlichen Teil des Ötztals im Bezirk Imst, Tirol, Österre...

[ read more ]

Themenwoche Ulster - Letterkenny

Themenwoche Ulster - Letterkenny

[caption id="attachment_153138" align="aligncenter" width="590"] Oatfield Sweet Factory © geograph.org.uk - louise price/cc-by-sa-2.0[/caption]Letterkenny (irisch: Leitir Ceanainn) ist mit 20.000 Einwohnern die größte Stadt im irischen County Done...

[ read more ]

Themenwoche Chile - Valparaíso

Themenwoche Chile - Valparaíso

[caption id="attachment_164065" align="aligncenter" width="590"] Plaza Echaurren © Hemorag/cc-by-sa-3.0[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen lassen"]Valparaíso (deutsch Paradiestal) ist eine Ha...

[ read more ]

Paphos, Kulturhauptstadt Europas 2017

Paphos, Kulturhauptstadt Europas 2017

[caption id="attachment_168902" align="aligncenter" width="590"] Sheriffing Paphos © panoramio.com - An. Antoniou/cc-by-sa-3.0[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Paphos ist eine Hafenstadt mi...

[ read more ]

Return to Top ▲Return to Top ▲
Panorama of Tabriz © Hoseinb007
Themenwoche Iran – Täbris

Täbris ist die Hauptstadt von Ost-Aserbaidschan im Iran. Mit knapp 2.188.000 Einwohnern ist Täbris eines der größten kulturellen Zentren von...

Tehran skyline © Amir1140/cc-by-sa-3.0
Themenwoche Iran

Iran früher und historisierend als Persien bezeichnet, ist ein Staat in Vorderasien. Mit gut 79 Millionen Einwohnern und einer Fläche...

Bağcılar © Reality/cc-by-sa-4.0
Çankaya in Ankara

Çankaya ist ein Landkreis der türkischen Provinz Ankara und gleichzeitig ein Stadtteil der Büyükşehir Belediyesi (Großstadtkommune) Ankara. Der Bezirk ist...

Schließen