Auf dem Canal du Midi von Toulouse ans Mittelmeer

Donnerstag, 14. Mai 2015 - 13:00 (CET/MEZ) Berlin | Author/Destination:
Category/Kategorie: Allgemein, UNESCO-Welterbe

Carcasonne © Pinpin

Carcasonne © Pinpin

Der 240 km lange Canal du Midi (ursprüngliche Bezeichnung: Canal royal en Languedoc) verbindet in Südfrankreich die Stadt Toulouse mit dem Mittelmeer. Seine Fortsetzung in Richtung Atlantik / Bordeaux war ursprünglich der Fluss Garonne, später wurde der Canal latéral à la Garonne (deutsch: Garonne-Seitenkanal) erbaut. Der Canal du Midi führt in der Senke zwischen den Pyrenäen und dem französischen Zentralmassiv von Toulouse über Carcassonne, Béziers nach Agde und mündet schließlich in den Étang de Thau. Nach Überquerung dieser Lagune erreichen die Schiffe die Stadt Sète, am Mittelmeer. Die Hauptbauphase lag zwischen 1667 und 1681. Im Jahr 1996 wurde der Canal du Midi zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt.

Der 1609 in Béziers geborene Salzsteuereinnehmer Pierre-Paul Riquet interessierte sich seit seiner Jugend für den Bau eines Kanals durch das Languedoc. Die für ein derartiges Vorhaben notwendigen technischen und wissenschaftlichen Kenntnisse eignete er sich im Selbststudium an. In langjähriger Arbeit konstruierte er den Kanal sowie alle notwendigen technischen Bauwerke. Im Jahr 1662 präsentierte er seine Pläne dem französischen Finanzminister Jean-Baptiste Colbert. Dieser berief eine Expertenkommission ein, die im Jahr 1665 den Kanalbau befürwortete. Entsprechend dieser Empfehlung genehmigte König Ludwig XIV. am 7. Oktober 1666 den Baubeginn für den damals Canal Royal genannten Kanal.

Der Canal du Midi gilt als eine der größten Ingenieurleistungen der Zeit, und er war zweifellos die größte Baustelle im Europa des 17. Jahrhunderts. Am Bau waren bis zu 12.000 Arbeiter beteiligt, darunter auch Frauen, um so schnell wie möglich voranzukommen. Pierre-Paul Riquet behandelte die Arbeiter sehr gut, er zahlte überdurchschnittliche Löhne und er bezahlte die Arbeiter auch im Krankheitsfall, oder wenn der Kanalbau wetterbedingt unterbrochen werden musste. Der Aushub für den Kanal betrug insgesamt sieben Millionen Kubikmeter. Obwohl beim Bau kaum mehr technische Hilfsmittel zur Verfügung standen als Schaufeln, Hacken und Ochsenkarren, wurde der 240 km lange Kanal in nur 14 Jahren erbaut, eine Leistung, die selbst im 21. Jahrhundert nur schwer zu unterbieten wäre.

Villeneuve Lock © Emeraude The Grand Bassin at Castelnaudary © Delphine Ménard Canal du Midi © Profburp Pierre-Paul Riquet © www.canalmidi.com Castelnaudary - Grand bassin on Canal du Midi © Profburp Trebes © Kathleen Conklin Seven connected locks at Fonséranes-Béziers © Boerkevitz Port de Carcassonne © Yelles © Peter Gugerell Marseillette Lock © Tom Taylor Lock keeper's house © Ultratomio Hotel barque Anjodi at Le Somail © Nancy Canal du Midi map © Pinpin Canal du Midi joining the Etang de Thau at Les Onglous © Emeraude Canal du Midi crossing the River Orb in Béziers © Fagairolles 34 Canal du Midi at Onglous-Marseillan © Fagairolles 34 Worlds first canal tunnel at Malpas - Tunnel du Malpas © Boerkevitz Carcasonne © Pinpin
<
>
Worlds first canal tunnel at Malpas - Tunnel du Malpas © Boerkevitz
Heute wird der Kanal von jährlich rund 50.000 Urlaubern mit gemieteten Hausbooten befahren. In verschiedenen Häfen entlang des Kanals stehen viele verschiedene Typen von Hausbooten für die Vermietung zur Verfügung. Ein Patent ist nicht erforderlich, eine kurze Einschulung durch den Bootsvermieter gilt als ausreichend. Im Gegensatz dazu müssen Kapitäne, die den Kanal mit einem eigenen Boot befahren, Inhaber eines Binnenschifffahrts-Patents sein.

Die ehemaligen Treidelpfade sind noch auf einer Strecke von 182 Kilometern erhalten. Die ebenen, schattigen und romantischen Wege eignen sich für Fahrradtouren sowie zum (Langstrecken-)Wandern, Joggen und Reiten. Aktuelle Handbücher (auf Französisch, im Buchhandel erhältlich) informieren diejenigen, welche dem Kanal mit dem Fahrrad oder als Wanderer über die ganze Strecke oder auf Teilen davon folgen wollen, detailliert über die Wege sowie über die Infrastruktur (übernachten, Restaurants, Einkaufen, Sehenswürdigkeiten) entlang des Kanals sowie in einem einige Kilometer breiten Streifen links und rechts davon.

Inhaber von Fischereikarten dürfen im Kanal angeln. Wie alle französischen Kanäle sind auch der Canal du Midi und der Canal latéral à la Garonne recht fischreich. Karpfen und Hechte von 1 m Länge sind keine Seltenheit. Besonders eindrucksvoll – auch wenn man sie kaum je sieht – sind die Welse, die in den Kanälen dort vorkommen, wo zwischen zwei Schleusen lange Becken liegen. Sie leben am schlammigen Grund und werden bis zu 2,5 m lang und 100 kg schwer.

Lesen Sie mehr auf Canal du Midi und Wikipedia Canal du Midi. Hier erfahren Sie mehr über Bilder und deren Verwendung. Damit Sie sich auf dem Laufenden halten können, bieten die meisten Stadt- oder Tourismus-Webseiten einen Newsletter-Service an und/oder unterhalten Facebook-Seiten/Twitter-Accounts. Zudem bieten mehr und mehr Orte, Tourismusorganisationen und Kultureinrichtungen zusätzlich Apps für SmartPhones und Tablets an, sodass Sie Ihren mobilen Fremdenführer immer dabei haben können (Sicher Reisen - Die Reiseapp des Auswärtigen Amtes). Wenn Sie eine Anregung, Kritik oder einen Hinweis zu dem Beitrag haben, freuen wir uns auf Ihre E-Mail an kommentar@wingsch.net. Nennen Sie dazu im Betreff bitte die Überschrift des Blogbeitrags, auf den sich Ihre E-Mail bezieht.



Das könnte Sie auch interessieren:

Brighton Beach in New York City

Brighton Beach in New York City

[caption id="attachment_169393" align="aligncenter" width="590"] © Daniel Schwen/cc-by-sa-4.0[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Brighton Beach ist eine Gemeinde auf Coney Island im südlichen Teil des Borough von Brooklyn, New York City. Sie hat gegenwärtig eine geschätzte Bevölkerungszahl von 150.000. Brighton Beach wird eingegrenzt durch die Gemeinde von Coney Island im Westen, Manhattan Beach im Osten und dem atlantischen Ozean im Süden. Brighton Beach wurde 1878 als Strand und Ferienort gegründet und nach dem berühmten engli...

Tours, der Garten Frankreichs

Tours, der Garten Frankreichs

[caption id="attachment_160170" align="aligncenter" width="590"] Town Hall © Anima[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Tours ist die Hauptstadt des französischen Départements Indre-et-Loire in der Region Centre. Tours hat 136.578 Einwohner und liegt an der Loire, zwischen Orléans und der Atlantikküste. Die Universität von Tours heißt Université François-Rabelais. Tours besitzt außerdem eine Oper und ein Symphonieorchester. Das Internationale Congresscentrum Vinci hat Platz für 2.000 Besucher. Des Weiteren gibt es ein M...

Porträt: Die Geschwister Scholl

Porträt: Die Geschwister Scholl

[caption id="attachment_183129" align="aligncenter" width="590"] Ludwig Maximilians University Munich - Lichthof © Cfaerber/cc-by-sa-3.0[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Bei den Geschwistern Scholl handelt es sich nach üblicher Sprechweise um Hans und Sophie Scholl. Beide wurden bekannt als Mitglieder der „Weißen Rose“, einer in ihrem Kern studentischen Münchener Gruppe, die während des Zweiten Weltkriegs im Widerstand gegen den Nationalsozialismus aktiv war, insbesondere bei der Verbreitung von Flugblättern gegen den Krieg ...

Watergate-Gebäudekomplex in Washington

Watergate-Gebäudekomplex in Washington

[caption id="attachment_27029" align="aligncenter" width="590"] Watergate complex © Tim1965[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Der Watergate-Gebäudekomplex (engl. Watergate complex) ist ein Büro-Hotel-Komplex aus dem Jahre 1967 im Nordwesten von Washington, D.C. in den Vereinigten Staaten. Er ist insbesondere als Schauplatz der Watergate-Affäre bekannt, die den Rücktritt des damaligen Präsidenten Richard Nixon zur Folge hatte. Der Watergate-Gebäudekomplex wurde von dem italienischen Unternehmen Società Generale Immobilia...

Edinburgh - Bücher, Bier und Kekse

Edinburgh - Bücher, Bier und Kekse

[caption id="attachment_152534" align="aligncenter" width="590"] Hopetoun House © George Gastin[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Edinburgh ist seit 1437 (Ermordung Jakob I., bis dahin hiess die Stadt Perth) die Hauptstadt Schottlands im Vereinigten Königreich. Seit 1999 ist sie außerdem Sitz des schottischen Parlaments. Edinburgh ist mit 463.510 Einwohnern nach Glasgow die zweitgrößte Stadt Schottlands. Sie liegt an Schottlands Ostküste auf der Südseite des Firth of Forth. Edinburgh gilt als eine der schönsten und touristisch ...

Lüttich, das kulturelle Zentrum der Wallonischen Region

Lüttich, das kulturelle Zentrum der Wallonischen Region

[caption id="attachment_160633" align="aligncenter" width="590"] Royal Opera © Benjamin Frere[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Lüttich, amtlich Liège, ist das kulturelle Zentrum der Wallonischen Region Belgiens, Hauptstadt der gleichnamigen Provinz und des Bistums Lüttich. Als Stadt mit 194.054 Einwohnern (2009) liegt Lüttich am Zusammenfluss von Ourthe und Maas unweit der Städte Maastricht in den Niederlanden und Aachen in Deutschland. Das Lütticher Becken zählt samt Vorstädten ungefähr 600.000 Einwohner. In Lüttic...

Return to Top ▲Return to Top ▲
Welcome to Scotland sign - A1 road © flickr.com - Amanda Slater/cc-by-sa-2.0
Themenwoche Schottland

Schottland besteht aus dem nördlichen Teil (etwa einem Drittel) der größten europäischen Insel Großbritannien sowie mehreren Inselgruppen. Die Hauptstadt von...

Fort McHenry National Monument and Historic Shrine © National Park Service Digital Image Archives
Fort McHenry National Monument and Historic Shrine

Das Fort McHenry ist ein ehemaliges Militärfort und befindet sich im Hafen von Baltimore in Maryland. Das Fort ist unter...

The Maréchal de Lattre de Tassigny Embankment and the Canal of La Peyrade from the Louis Pasteur Embankment © Christian Ferrer/cc-by-sa-3.0
Sète, Klein-Venedig des Languedoc

Sète ist eine Hafenstadt an der Mittelmeerküste Südfrankreichs. Sie ist mit 45.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt im Département Hérault in...

Schließen