Agatha Christies “Die Mausefalle” im St. Martin’s Theatre

Freitag, 14. Oktober 2016 - 11:00 (CET/MEZ) Berlin | Author/Destination:
Category/Kategorie: Allgemein, London, Opernhäuser, Theater, Bibliotheken

St Martin's Theatre © flickr.com - Lisa/cc-by-sa-2.0

St Martin’s Theatre © flickr.com – Lisa/cc-by-sa-2.0

Die Mausefalle (englisch The Mousetrap) ist ein Theaterstück von Agatha Christie. Es wird seit 1952 täglich im Londoner West End aufgeführt und ist damit das am längsten ununterbrochen aufgeführte Theaterstück der Welt. Die Mausefalle öffnete am 25. November 1952 im New Ambassadors Theatre, wo sie 21 Jahre lang lief, bis sie am 25. März 1974 nahtlos ins benachbarte St. Martin’s Theatre umzog, ohne auch nur eine Aufführung auszulassen. Das St. Martin’s Theatre wurde vom selben Architekten im selben Stil gebaut wie das Ambassadors und verfügt über eine etwas größere Kapazität. Das komplette Bühnenbild und die Requisiten wurden übernommen und erst im Juni 1999 zum ersten Mal ausgetauscht, wobei der ursprüngliche Stil beibehalten wurde. Das einzige Requisit, das von der Original-Kulisse des Jahres 1952 in das neue Bühnenbild übernommen wurde, ist die Uhr auf dem Kaminsims. Auch der Austausch des Bühnenbilds fand statt, ohne eine einzige Aufführung auszulassen.

Die Mausefalle wurde ursprünglich nicht als Theaterstück, sondern als Radiohörspiel konzipiert. Die damalige Königinmutter Mary, bekannt als Queen Mary, wurde 1947 in einem Interview gefragt, was sie sich zum Geburtstag wünschen würde, wenn sie frei wählen dürfte. Sie antwortete darauf: “A play of Agatha Christie” (“Ein Stück von Agatha Christie”). Agatha Christie verfasste daraufhin das Hörspiel Three Blind Mice (deutsch Drei blinde Mäuse) zu ihren Ehren. Das zwanzigminütige Hörspiel wurde am 26. Mai 1947, dem 80. Geburtstag von Queen Mary, von der BBC gesendet. Der Titel bezieht sich auf einen bekannten englischen Kinderreim, der im Stück vom Mörder gesungen wird. Agatha Christie arbeitete das Hörspiel später zunächst in einen Kurzkrimi und dann in ein Bühnenstück mit zwei Akten um. Nach Abschluss der Arbeit stellte sie fest, dass es ein Theaterstück mit dem Titel Three blind mice bereits gab. Der neue Name The Mousetrap ist eine Anleihe an Shakespeare und stammt aus dem dritten Akt von Hamlet, in dem eine Theatergruppe ein “Stück im Stück” vorführt. Hamlet antwortet auf die Frage von Claudius, welches Stück gespielt werde, “The mouse-trap”. Tatsächlich heißt das Stück The Murder of Gonzago; Hamlet spielt mit seinen Worten auf die Falle an, die er Claudius stellt, indem er ihn durch die Vorstellung mit seinen Taten konfrontiert. Die Idee, dieses Zitat als Titel zu verwenden, kam Christies Schwiegersohn Anthony Hicks, dem zweiten Ehemann ihrer Tochter Rosalind.

St Martin's Theatre © flickr.com - Lisa/cc-by-sa-2.0 Blue plaque on the front wall of St Martin's Theatre © flickr.com - Lisa/cc-by-sa-2.0 Agatha Christie memorial in central London © Ethan Doyle White/cc-by-sa-4.0
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Blue plaque on the front wall of St Martin's Theatre © flickr.com - Lisa/cc-by-sa-2.0
Die Handlung folgt dem Muster eines klassischen Whodunit. Mollie Ralston hat das alte Haus Monkswell Manor geerbt und eröffnet gemeinsam mit ihrem Ehemann Giles eine Pension. Bei den Vorbereitungen hören sie im Radio vom Mord an Maureen Lyon, der in London geschehen ist, und die Beschreibung des Täters, der am Tatort gesehen wurde. Zur Eröffnung haben sich vier Gäste angesagt, der junge, etwas sonderbare Architekturstudent Christopher Wren, die gestrenge altjüngferliche Mrs. Boyle, die distanzierte Miss Casewell und der pensionierte Offizier Major Metcalf. Mr. Paravicini überschlägt sich in der Nacht mit seinem Auto in einer Schneewehe und findet ebenfalls in der Pension Unterschlupf. Das Wetter verschlechtert sich weiter, bald sind die Straßen nicht mehr befahrbar und das Haus ist völlig von der Außenwelt abgeschnitten. Mollie Ralston erhält einen Anruf von Superintendent Hogben, der ankündigt, dass bald einer seiner Polizisten in der Pension ankommen wird, ohne zu erklären, warum. Tatsächlich schlägt sich Sergeant Trotter mit Skiern zu den Eingeschlossenen durch. Kurz nach seiner Ankunft ist auch die Telefonleitung tot. Trotter informiert die Eingeschlossenen, dass die Adresse der Pension im Notizbuch des flüchtigen Mörders von Maureen Lyon gefunden worden ist. Im Notizbuch hat man außerdem den Hinweis “Drei blinde Mäuse” entdeckt und an die Leiche geheftet einen Zettel mit der Aufschrift „Das war die erste“. Er vermutet, dass der Mörder sich bereits im Haus aufhält. Außerdem deckt er die wahre Identität von Maureen Lyon auf: Sie hieß tatsächlich Maureen Stanning, und war erst kürzlich aus der Haft entlassen worden, weil sie während des Krieges auf der nahen Longridge Farm drei ihr anvertraute Kinder, die Geschwister Corrigan, misshandelt und ein Kind sogar fahrlässig hatte sterben lassen. Bald stellt sich heraus, dass Mrs. Boyle als Mitarbeiterin des Kriegsdienstes damals die drei Kinder der Familie Stanning zuwies. Kurz darauf wird sie erwürgt in der Bibliothek gefunden. Die Suche nach dem Täter gestaltet sich schwierig. Die beiden überlebenden Corrigan-Kinder, ein Junge und ein Mädchen, sind mittlerweile erwachsen und niemand weiß, wie sie heute heißen und aussehen, auch ihr Vater ist ein möglicher Täter. Damit geraten alle Gäste gleichermaßen unter Verdacht, und auch die Ralstons, die beide unabhängig voneinander am Tag des ersten Mordes heimlich nach London fuhren. Trotter beschließt, das Verhalten aller Zeugen zum Zeitpunkt des Mordes mit vertauschten Rollen nachspielen zu lassen, um einer falschen Aussage auf die Spur zu kommen. Als sich alle auf ihre Ausgangspositionen begeben haben, findet sich plötzlich einer von ihnen allein mit dem Mörder in einem Raum wieder.

Nach jeder Aufführung wird das Publikum aufgefordert, die Lösung nicht zu verraten. Auch die Presse hält sich an dieses Abkommen. Von Winston Churchill ist bekannt, dass er den Täter bereits in der Pause erriet.

Lesen Sie mehr auf The Mousetrap, Mousetrap On Tour und Wikipedia Die Mausefalle (Sicher Reisen - Die Reiseapp des Auswärtigen Amtes). Fotos von Wikimedia Commons. Wenn Sie eine Anregung, Kritik oder einen Hinweis zu dem Beitrag haben, freuen wir uns auf Ihre E-Mail an kommentar@wingsch.net. Nennen Sie dazu im Betreff bitte die Überschrift des Blogbeitrags, auf den sich Ihre E-Mail bezieht.



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