Haus Doorn in Utrechtse Heuvelrug

April 13th, 2013 | Allgemein | No Comments »

The bust of Wilhelm II, sculpted by Max Bezner © Hanseichbaum

The bust of Wilhelm II, sculpted by Max Bezner © Hanseichbaum

Haus Doorn, niederländisch Huis Doorn ist ein kleines Schloss in Doorn, einem Ortsteil der Gemeinde Utrechtse Heuvelrug, Provinz Utrecht, in den Niederlanden. Es war seit 1920 der Wohnsitz des exilierten deutschen Kaisers Wilhelm II.. Wilhelm starb am 4. Juni 1941 in Doorn und wurde in einem Mausoleum im Park beigesetzt. Heute ist Haus Doorn ein Museum.

Haus Doorn wurde als Herrensitz im Jahre 838 zum ersten Mal erwähnt. Im 13. Jahrhundert entstand eine kleine Wasserburg, die im 15. und 16. Jahrhundert aus- und umgebaut wurde. Im 18. Jahrhundert erhielt das Schloss seine heutige Form. Das dreiflüglige Haus zählt fünf auf sechs Fensterachsen und hat einen kleinen Ehrenhof. Die Gartenseite ziert ein kleiner Rundturm. Das gesamte, von einem rechteckigen Graben umflossene Gebäude ist aus Backstein errichtet. So zeigt sich auch die Hofseite, während die Gartenfassade weiß geschlämmt ist. Die Grundausstattung der Inneneinrichtung stammt aus dem 19. Jahrhundert.

Wilhelm II. erwarb das Schloss 1919 von Baronesse Heemstra de Beaufort, der Tante von Audrey Hepburn, und ließ es bis 1920 für sich und seine Familie herrichten. In der Zeit zwischen der Flucht aus Spa nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg und dem Umzug wohnte die Kaiserfamilie im benachbarten Schloss Amerongen.
 

Im Rahmen der Fürstenabfindung verlor die Familie Hohenzollern zwar fast alle ihrer 70 Schlösser in Deutschland, aber Wilhelm konnte den wichtigsten persönlichen Familienbesitz nach Doorn kommen lassen; insgesamt 59 Güterwaggons mit Möbeln, Kunstwerken und Erinnerungen sollen es gewesen sein. In nur einem guten Dutzend Räume finden sich bis heute diverse Schätze aus allen Epochen der europäischen Kunstgeschichte.

Am Haus Doorn ließ Wilhelm ein neo-mittelalterliches Torgebäude hinzufügen und einen Rosengarten anlegen. Das Haus ist umgeben vom 35 Hektar großen Schlosspark, welcher in den benachbarten Forst übergeht. Die umfangreichen Gartenanlagen waren für das Kaiserpaaresder der ausschlaggebende Grund für den Kauf von Doorn. Da das Holzsägen und -hacken Wilhelms liebster sportlicher Zeitvertreib gewesen sein soll, verschwanden unter dem letzten Bewohner einige tausend Bäume aus dem das Haus umgebenden Park.

Im Exil in Doorn verbrachte der abgedankte Kaiser die restlichen 21 Jahre seines Lebens. Da Wilhelm weder in ausländischer Erde begraben, noch jemals in ein republikanisches Deutschland zurückkehren wollte, wurde ein Mausoleum für ihn im Park errichtet.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges enteignete der niederländische Staat den Besitz zu seinen Gunsten.


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Der Jakobsweg

August 22nd, 2012 | Allgemein | No Comments »

Ways of St.. James in Western Europe © Manfred Zentgraf/CC-BY-SA

Ways of St.. James in Western Europe © Manfred Zentgraf/CC-BY-SA

Als Jakobsweg (span. Camino de Santiago) wird der Pilgerweg zum angeblichen Grab des Apostels Jakobus in der Kathedrale von Santiago de Compostela in Galicien (Spanien) bezeichnet. Darunter wird in erster Linie der Camino Francés verstanden, jene hochmittelalterliche Hauptverkehrsachse Nordspaniens, die von den Pyrenäen zum Jakobsgrab reicht und dabei die Königsstädte Jaca, Pamplona, Estella, Burgos und León miteinander verbindet. Die Entstehung dieser Route fällt in ihrem auch heute begangenen Verlauf in die erste Hälfte des 11. Jahrhunderts.

Ein Pilgerführer des 12. Jahrhunderts, der im Jakobsbuch (lat. Liber Sancti Jacobi), der Hauptquelle zur Jakobusverehrung im Hochmittelalter, enthalten ist, nennt für den französischen Raum vier weitere Wege, die sich im Umfeld der Pyrenäen zu einem Strang vereinigen. Nach der Wiederbelebung der Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela in den 1970er und 1980er Jahren wurde der spanische Hauptweg 1993 in das UNESCO-Welterbe aufgenommen. 1998 erhielten auch die vier im Liber Sancti Jacobi beschriebenen französischen Wege diesen Titel. Zuvor schon hatte der Europarat im Jahre 1987 die Wege der Jakobspilger in ganz Europa zur europäischen Kulturroute erhoben und ihre Identifizierung empfohlen.
 

Nach einem Niedergang der Pilgerfahrt in der frühen Neuzeit, verursacht durch einen Verfall der Pilgeridee, die Reformation und nationale Kriege zwischen Frankreich und Spanien, ist seit der Mitte des 17. Jahrhunderts ein erneuter Aufschwung erkennbar. Deutlich sichtbar ist dies an einem umfassenden Bauprogramm für die Kathedrale, welches 1657 durch den Domherrn José de Vega y Verdugo initiiert wurde und 1769 mit der Vollendung einer neuen Nordfassade seinen Abschluss fand. Nach den napoleonischen Kriegen löste eine durchgreifende Säkularisierungswelle die karitative Infrastruktur des nordspanischen Jakobsweges beinahe vollständig auf. Ein deutlicher Rückgang der Pilgerzahlen war die Folge, wenngleich der Pilgerverkehr auf dem Jakobsweg nie ganz zum Erliegen kam. Die Wiederentdeckung der 1589 in Furcht vor einem englischen Seeangriff verborgenen Gebeine im Jahre 1879 brachte die Wende, vor allem, nachdem Papst Leo XIII. 1884 die Echtheit der wieder aufgefundenen Reliquien anerkannt hatte.

Seit den 1970er Jahren hat die Pilgerschaft auf dem Jakobsweg einen großen Aufschwung erlebt. 1982 besuchte Papst Johannes Paul II. Santiago de Compostela und rief im Rahmen einer großen „Europa-Feier“ den alten Kontinent auf, seine Wurzeln wieder zu beleben. Der Europarat erklärte 1987 den Weg zum ersten europäischen Kulturweg. Wurden damals gut 3.000 Pilger pro Jahr registriert, waren es im Jahr 2003 über 74.000 aus allen Ländern der Erde. 2004, im Heiligen Compostelanischen Jahr, kamen 179.932. Sie haben entweder den ganzen Weg oder den Weg durch Spanien, mindestens aber die letzten 100 Kilometer der Strecke zu Fuß oder die letzten 200 Kilometer zu Pferd oder per Fahrrad zurückgelegt. Dies wird mit Stempeln von einzelnen Stationen in einem Pilgerausweis verzeichnet und berechtigt zur Nutzung der preisgünstigen Pilgerherbergen und zum Tragen der entsprechenden Abzeichen. In Santiago erhalten die Pilger eine Urkunde, die La Compostela.



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