Das Atlantropa-Projekt

Februar 20th, 2013 | Allgemein | No Comments »

Atlantropa Projekt © Devilm25/cc-by-3.0

Atlantropa Projekt © Devilm25/cc-by-3.0

Atlantropa ist die Bezeichnung eines monumentalen Staudamm-Projektes in der Straße von Gibraltar und bei den Dardanellen, das der deutsche Architekt und Geopolitiker Herman Sörgel ab 1928 bis zu seinem Unfalltod im Jahre 1952 geplant und bekannt gemacht hat.

Das Konzept basierte auf der Beobachtung, dass ständig Wasser aus dem Atlantik und dem Schwarzen Meer in das Mittelmeer strömt, da dort mehr Wasser verdunstet als seine Zuflüsse ausgleichen. Durch einen Staudammbau sollte dieser Zufluss einerseits verringert werden, um zur Neulandgewinnung den Meeresspiegel abzusenken, andererseits sollte der Restzufluss zur Stromerzeugung mittels Wasserkraft genutzt werden.

Anfang der 1920er Jahre begann Herman Sörgel zusammen mit dem Schweizer Ingenieur Bruno Siegwart die Planung des Staudamms Atlantropa an der Meerenge von Gibraltar. Sie entschieden sich bei den Planungen nicht für die schmalste Stelle, sondern für eine circa 20 Kilometer westlich davon gelegene. Nach Sörgels Aufzeichnungen sollte allein das Fundament 2,5 Kilometer breit und bis zu 300 Meter hoch sein. Die Bauzeit wurde mit zehn Jahren veranschlagt. In vier Schichten sollten je 200.000 Arbeiter eingesetzt werden. Ungeklärt blieben die logistischen Probleme bei der Baumaterialbeschaffung und dem Arbeitertransport. Vermutlich hätte auch der Zementbedarf den Weltmarkt vor kaum lösbare Aufgaben gestellt

Der Name des Projektes steht gleichzeitig auch für das visionäre Ziel des Projektes, einen durchgängigen Kontinent aus dem heutigen Europa und Afrika, verbunden über ein weitgehend trockengelegtes Mittelmeer, zu bilden. Sörgel plante zwei Absenkungsgebiete ein. So sollte eine Landbrücke Sizilien, das heutige Italien und Nordafrika, genauer Tunesien miteinander verbinden. Damit sollte eine durchgehende Eisenbahnverbindung zwischen Berlin, Rom und Kapstadt ermöglicht werden.

Im dergestalt zweigeteilten Mittelmeer hätte in der Endausbaustufe der Wasserstand im westlichen Teil um bis zu 100 Meter abgesenkt werden sollen, im östlichen Teil um 200 Meter. Die Wasserfläche des Mittelmeeres wäre um 20 Prozent geschrumpft und 500.000 km² Neuland wären gewonnen worden; eine Fläche etwa in der Größe Spaniens.

Für Venedig plante Sörgel in seinem Projekt einen Staudamm und einen künstlichen See, der die venezianische Lagune vor dem Austrocknen bewahren sollte.

Das Projekt sollte mehrere Probleme gleichzeitig lösen. Es sollte wertvolles Neuland gewinnen, Lebensraum und Arbeitsplätze schaffen und elektrische Energie für ganz Europa liefern. Nicht zuletzt sollte durch dieses kolonisatorische, über mehrere Generationen laufende Großprojekt die Schaffenskräfte der europäischen Völker positiv gebündelt und dadurch neuerliche kriegerische Auseinandersetzungen in Europa vermieden werden. 1940 wurde nach langer Planung der Verein “Atlantropa-Institut” gegründet, der auch nach dem Tod von Sörgel noch bis 1960 betrieben wurde und versuchte, Geld für die Realisierung des Projektes aufzutreiben.


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Berlin, Berlin, wir kaufen in Berlin!

August 24th, 2012 | Allgemein | No Comments »

Schnäppchenparadies: Auch die Hinterhöfe des einstigen Problembezirks Neukölln sind neuerdings beliebt. Ins Stadtzentrum ist es nicht weit © Gyarmaty, Jens

Schnäppchenparadies: Auch die Hinterhöfe des einstigen Problembezirks Neukölln sind neuerdings beliebt. Ins Stadtzentrum ist es nicht weit © Gyarmaty, Jens

Lange war die Hauptstadt berühmt für niedrige Mieten. Jetzt wird’s richtig teuer. Die Krise treibt die Preise, die Zweitwohnung in Berlin wird zum Statussymbol.

Rund dreißig Menschen haben sich an diesem Mittwochmorgen auf den harten Holzbänken des Amtsgerichts in der Neuköllner Karl-Marx-Straße eingefunden. Nicht auf ein mildes Urteil hoffen die Anwesenden, sondern auf einen günstigen Zuschlag. Punkt zehn Uhr eröffnet Rechtspflegerin Elke Wendhausen im holzvertäfelten Saal die Zwangsversteigerung. Das Objekt, auf das es die Anwesenden abgesehen haben, trägt das Geschäftszeichen 70 K 160/11. Dahinter verbirgt sich eine Eigentumswohnung in der Braunschweiger Straße 27, viertes Obergeschoss links. Knapp 40 Quadratmeter ist sie groß, der ermittelte Verkehrswert beträgt 25.000 Euro.

Jahrzehntelang waren Wohnungen in Neukölln unverkäuflich. Die Gegend galt als dreckig, gefährlich und sozial schwach. Bei Zwangsversteigerungen saß Wendhausen meist vor leeren Sitzreihen. „Früher sind wir die Objekte überhaupt nicht oder weit unter Verkehrswert losgeworden“, sagt sie. Jetzt hat sie ein buntgemischtes Publikum vor sich: Mittfünfziger im Anzug, Geschäftsfrauen mit großer Sonnenbrille, Studenten im Hipster-Look und junge Mütter in Jeans.

Der alte Westen kommt wieder in Mode
In ganz Berlin sind Eigentumswohnungen gefragt wie nie, und auch die Mieten ziehen kräftig an. Lange galt die Stadt als Paradies für Wohnungssuchende – zumindest, solange sie es nicht auf den damaligen Trendbezirk Prenzlauer Berg abgesehen hatten. Dessen Reize sind mittlerweile verblasst, inzwischen kommt der alte Westen wieder sehr in Mode. Die höchsten Preissprünge verzeichnen Charlottenburg und Wilmersdorf mit ihren großbürgerlichen Altbauwohnungen, aber auch Schöneberg und das szenige Kreuzberg (siehe Karte). Weil das Angebot dort langsam knapp wird, weichen Investoren auf benachbarte Stadtviertel aus – wie eben auf Neukölln.

© F.A.Z.

© F.A.Z.

Dort erhält nach einer heißen Bieterschlacht Armin Heindl den Zuschlag, ein 41-jähriger Berliner. 37 700 Euro zahlt er für die Wohnung, knapp 1000 Euro pro Quadratmeter. Dafür bekäme er in seinem heimatlichen Kreuzberg nicht einmal ein Tiefparterre. „Ich habe nach einer Möglichkeit gesucht, mein Geld sicher loszuwerden“, sagt er. „Hohe Renditevorstellungen habe ich nicht.“ Den bisherigen Boom in anderen Teilen der Stadt habe er schon verschlafen. „In Neukölln wollte ich nicht schon wieder zu spät dran sein.“

Vor allem Privatanleger investieren
Großinvestoren sind es meist nicht, die auf dem Berliner Wohnungsmarkt die Preise hochtreiben. Eher Privatanleger, die ihr Geld vor der Euro-Krise in Sicherheit bringen oder es nicht für Niedrigzinsen der Bank überlassen wollen, die eine Unterkunft für den studierenden Nachwuchs suchen oder einen Zweitwohnsitz für sich selbst im hippen Berlin. Früher musste Rechtspflegerin Wendhausen die Wohnungsübergabe oft hinausschieben, bis der Meistbietende einen Kredit aufgetrieben hatte. „Heute wird in der Regel sofort überwiesen. Das Geld liegt auf der Bank.“

Weniger erfreulich ist der Trend für Neuberliner, die kurzfristig auf eine Bleibe in der Hauptstadt angewiesen sind. Eigentlich hat Christian Demand schon seit acht Monaten einen Job in Berlin. Der 52-Jährige ist der neue Herausgeber des kleinen, aber feinen Intellektuellenblattes „Merkur“. In seinem Leben hat er schon ziemlich viel erlebt. Er war Journalist, Musiker, Professor an einer Kunsthochschule. Aber die Wohnungssuche hat noch das Zeug dazu, ihn zu schockieren. „Inzwischen betrachte ich das als ethnologische Feldforschung“, sagt er.

Die Berliner Notare haben gut zu tun
Demand sucht, wo neuerdings alle hinwollen: in der westlichen Innenstadt. Oft war es schon schwer genug, überhaupt einen Besichtigungstermin für eine Mietwohnung zu bekommen. Zu sehen bekam er meist nur, was vom großen Kaufrausch übrig blieb – Wohnungen im dunklen Erdgeschoss, mit schlechtem Grundriss oder an extrem lauten Straßen. Ein Makler, erfuhr er, hilft auch nicht weiter. Längst reihen sich die professionellen Vermittler in die Schlange derjenigen ein, die händeringend nach Objekten suchen. Ein Bekannter Demands, der voriges Jahr eine Wohnung kaufte, hatte den Makler neulich wieder am Telefon: ob er seine Bleibe nicht wieder abgeben wolle, mit einem Preisaufschlag von 20 Prozent.

So haben die Berliner Notare gegenwärtig gut zu tun. Um mehr als 10.000 ist die Zahl der Beurkundungen im vergangenen Jahr gestiegen. Jan Kallies, Notar am neuerdings wieder so angesagten Kurfürstendamm, stellt eine verstärkte Nachfrage von ausländischen Interessenten fest. „Derzeit kaufen sehr viele Italiener, aber auch Franzosen und Briten“, sagt er. „Es werden viele Einzelwohnungen erworben, auch im unsanierten Zustand, zur Eigennutzung oder auch Vermietung.“ Dabei habe er den Eindruck, dass vor allem Italiener ihr Geld sicher anlegen wollten. „Sie suchen vielfach eine solide deutsche Anlage mit guter Perspektive für die Zukunft.“

Townhouses sind jetzt in Mode: Neubauten auf dem ehemaligen Grenzstreifen an der Bernauer Straße © Pein, Andreas

Townhouses sind jetzt in Mode: Neubauten auf dem ehemaligen Grenzstreifen an der Bernauer Straße © Pein, Andreas

Vorreiter waren Investoren aus Skandinavien
Begonnen hatte der Berliner Boom vor ein paar Jahren mit Investoren aus Skandinavien, die in Berlin gleich ganze Mietshäuser aus der Gründerzeit aufkauften. In unsaniertem Zustand war ein Gebäude mit zwanzig Wohnungen schon für eine Million Euro zu haben, selbst in ordentlicher Lage. Das war im Vergleich zu anderen Städten sensationell günstig und versprach selbst bei Mieten auf niedrigem Berliner Niveau satte Renditen.

Angesichts des jüngsten Preisanstiegs ist das nicht mehr ganz so sicher. Auch die Berliner geben mittlerweile rund ein Viertel ihres Einkommens fürs Wohnen aus, rechnet Reiner Wild vor, der Geschäftsführer des örtlichen Mietervereins – genauso viel wie im sehr viel teureren, aber eben auch reicheren Hamburg. „Wenn sich die wirtschaftliche Lage Berlins nicht deutlich verbessert, wird die Nachfrage nach höherpreisigem Wohnraum in ein paar Jahren wieder zurückgehen.“

„Obwohl Berlin keine Industriestadt ist, zieht es stetig neue Menschen an“
Mit einem Ende des Booms rechnet Giovanna Stefanel nicht. Die Italienerin entstammt der gleichnamigen Mode-Familie, sie ist mit dem bayerischen Immobilien-Unternehmer Ludwig Stoffel verheiratet. Mit ihrer gemeinsamen Stofanel Investment AG bauen sie gerade hundert neue Wohneinheiten im Westberliner Villenvorort Dahlem, der schon zu Kaisers Zeiten eine noble Gegend war. „Fünf Morgen Dahlem Urban Village“ nennen sie ihr Projekt. Auf einer Grundstücksfläche von 50.000 Quadratmetern wollen sie Wohnen, Einzelhandel und eine Kindertagesstätte um einen künstlichen See herum verbinden.

Die Hälfte der Wohnungen des ersten Bauabschnitts ist schon verkauft, obwohl von den Villen noch gar nichts zu sehen ist. Die Quadratmeterpreise bewegen sich zwischen 4300 und 6300 Euro, in den besseren Vierteln Berlins ist das inzwischen nicht mehr ungewöhnlich. Sieben von zehn Käufern kommen aus der Stadt selbst. Das Projekt ist nur eines von mehreren, die das italienisch-bayerische Paar in der deutschen Hauptstadt verwirklicht. „Obwohl Berlin keine Industriestadt ist, zieht es stetig neue Menschen und Bewohner an“, sagt Stoffel. „Im Bereich Mode, Design und Kreativität ist Berlin die Stadt in Deutschland.“

Protest am Kottbusser Tor: Die Türken sorgen sich um ihren Kiez © DPA

Protest am Kottbusser Tor: Die Türken sorgen sich um ihren Kiez © DPA

Proteste gegen Gentrifizierung
Etwas bodenständiger geht es an der Rummelsburger Bucht zu, einem Nebenarm der Spree südöstlich der Innenstadt. Auf alten Industrieflächen entstanden hier Townhouses direkt am Wasser – zwar durch Eisenbahntrassen von den benachbarten Stadtvierteln abgeschirmt, aber nur zehn Fahrradminuten vom Stadtzentrum entfernt. Vor sechs Jahren ist Iris Mayer mit Mann und Kindern hierher gezogen. Damals war es noch leer, es gab gerade eine einzige Straße und die ersten Backstein-Reihenhäuser mit eigenem Garten. Würde die Familie ihr Haus heute verkaufen, käme wahrscheinlich mehr als das Doppelte dabei herum. „Das ist ein beruhigendes Gefühl“, sagt Mayer.

Mehr aber auch nicht. Denn ans Wegziehen denkt sie nicht, längst hat sich die Gegend belebt. Wie Mayer und ihr Mann, der als Biometriker bei der Bayer-Tochtergesellschaft Schering arbeitet, sind viele junge Familien hierhergezogen – meist aus den Nachbarbezirken Prenzlauer Berg und Friedrichshain, auf der Suche nach einem grünen Umfeld für die Kinder. Die Belebung strahlt mittlerweile in die umliegenden Kieze aus. Das einst heruntergekommene Gründerzeitviertel rund um die Lichtenberger Pfarrstraße ist schick saniert und wird neuerdings vornehm als „Victoriastadt“ vermarktet. Wochenmärkte sind entstanden, neue Restaurants eröffnen.


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Gefunden auf faz.net.

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