Porträt: Douglas Tompkins

November 28th, 2010 | Editorial | 27 Comments »

DouglasTompkins © LatinTrade.com

DouglasTompkins © LatinTrade.com

Gelegentlich stellen wir Personen vor, die außergewöhnliche Lebensläufe haben und mit viel Engagement versuchen die Welt besser zu machen:

Douglas (Doug) Tompkins ist ein US-amerikanischer Umweltaktivist und Öko-Unternehmer. Der Gründer und Manager von The North Face und Esprit ist zum größten Privatgrundbesitzer in Chile aufgestiegen. 1990 verkaufte er seine Anteile der beiden Unternehmen für 250 Millionen Dollar und erwirbt seither in Patagonien (südliches Argentinien und Chile) riesige Gebiete, um Nationalparks zu schaffen. 1991 kaufte Douglas Tompkins die Reñihué-Ranch in der Absicht, das mit Regenwald bewachsene Gelände zu schützen. In den Folgejahren erwarb er mit der US-amerikanischen Umweltstiftung The Conservation Land Trust weitere zusammenhängende Flächen.

In Chile hat Tompkins rund 3.000 km² Land auf einem Gebiet, das sich vom Stillen Ozean bis zu den Höhenzügen der Anden an der Grenze zu Argentinien hinzieht, erworben. Sein Ziel ist die Schaffung eines zusammenhängenden Schutzgebiets mit dem offiziellen Status eines Reservats. Mit seiner chilenischen Stiftung EDUCEC (Education, Ciencia y Ecologia) hat er große Flächen für den Parque Pumalin erworben. Der Park liegt in der Región de los Lagos bei Chaitén. Insgesamt hat Tompkins über 10.000 km² Land in Chile und Argentinien gekauft.

Konservative Kräfte in Chile und die Lobby der Unternehmer wehrten sich lange Jahre gegen seine Projekte. Sie sahen in Tompkins eine Gefahr für die nationalen chilenischen Interessen, vor allem für die Entwicklung des Landes und wirtschaftliche Ausbeutung der Regenwaldgebiete. Aber nicht nur unter Unternehmern und Konservativen gibt es Gegner seiner Projekte.

Die chilenischen Umweltschutzgesetze unterstützen diese Art von Privatinitiative, obwohl die Stiftung keinerlei finanzielle Hilfe durch den chilenischen Staat erhält. Da dies in Chile eine neue Art von Umweltengagement ist, sah sich das Projekt mit einem gewissen politischen Widerstand konfrontiert, besonders von denjenigen, die nicht verstehen, wie eine Privatinitiative für den Umweltschutz funktionieren soll. Nichtsdestotrotz hat sich langsam aber sicher Vertrauen entwickelt, sowohl auf lokaler wie auch auf nationaler Ebene, und das Projekt schreitet weiter voran, für die Öffentlichkeit zugänglich, wie es ursprünglich auch gedacht war. So wird die touristische Infrastruktur unter Einhaltung strenger Regeln zum Erhalt der Natur weiter entwickelt, ähnlich den Angeboten, die es auch in anderen Nationalparks weltweit gibt. Es wurden Wanderwege, Zeltplätze, Informationszentren, Cafés, Restaurants und Blockhütten eingerichtet sowie Ausflugsziele zu Land und zu See erschlossen. Tausende Besucher haben diese Angebote schon in Anspruch genommen.

Hier finden Sie viele weitere Informationen: Parque Pumalin und Environmental Leader of the Year: Douglas Tompkins – Preserver of the Land (Englisch).

Kolosseum und Trajansmärkte und -forum – Was können wir von ihnen lernen?

November 27th, 2010 | Editorial, Intelligente Gebäude | 44 Comments »

Rome Marts © seier+seier+seier

Rome Marts © seier+seier+seier

Jeder kennt sie, selbst wenn die persönliche berufliche oder private Orientierung gar nichts mit der Bauwirtschaft zu tun hat. Betrachtet man diesen Teil der Geschichte öffentlicher und gewerblicher Architektur und die sich daraus ergebende wirtschaftliche Nutzung, dann sind diese beiden Gebäudekomplexe gewissermaßen “Die Erfindung des Rads”. Seither versuchen Planer und Architekten dieses Rad immer wieder neu zu erfinden – mit übersichtlichem Erfolg. Natürlich gab und gibt es in Folge von Fortschritt und Weiterentwicklung von Baumaterialen immer wieder neue Meilensteine, aber wirkliche Neuentwicklungen gab es seither nicht mehr. Dies liegt natürlich zum einen in der Natur der Sachen, denn eine Gebäudehülle bleibt eine Gebäudehülle und diese folgt statischen Erfordernissen, die sich wiederum aus den Gesetzen der Schwerkraft ergeben. Auf der anderen Seite gelingt das viel beschworene “Think outside the box” oft nur halbherzig.

Colosseum © Diliff

Colosseum © Diliff

Nachhaltigkeit
Das Kolosseum wurde 500 Jahre lang betrieben. Eine Nutzungsdauer, die bei heutigen Planern und Investoren blanken Neid aufkommen lässt, insbesondere auch wegen der Flexibilität bei der Nutzung.

Die Trajansmärkte wurden “nur” 200 Jahre als Mischnutzung betrieben, erfüllten aber auch damals bereits alle Anforderungen an flexible Raumaufteilungen zu überschaubaren Kosten in einer erstklassigen Lauflage und teilweise 5-geschossiger Bauweise. Fairerweise muss darauf hingewiesen werden, dass Nachhaltigkeit seinerzeit Pflicht war, denn anders war das tägliche Leben gar nicht zu organisieren. Insofern hatten Planer und Architekten einige natürliche Vorteile, die heute erst wieder erlernt werden müssen.

Wirtschaftlichkeit
Die Trajansmärkte und das Forum trafen den Zeitgeist, so wie es heute nur wenige Mischnutzungsformen auch gelingt, indem eine Mischung aus Freizeitnutzungen, Einzelhandel und Büroflächen in einem Gebäudekomplex auf verschiedenen Ebenen versammelt wurden und das in absoluter TOP-Innenstadtlage. Durch die Lage und die damit verbundene hervorragende Erreichbarkeit, sowie die vorbildliche innere Erschließung des Gebäudekomplexes, war die Wirtschaftlichkeit über 2 Jahrhunderte sichergestellt. Heute gibt es weltweit eine Handvoll Objekte mit vergleichbarer Größe und Nutzungsdauer.

Plan Forum Trajan © Pascal Radigue

Plan Forum Trajan © Pascal Radigue

Das Kolosseum mit hoch-flexiblem Spezialnutzungskonzept, ausgeklügelter Besucherführung und einem auch für heutige Verhältnisse vorbildlichem Sicherheitskonzept in allen relevanten Bereichen, verfügte über herausragende Bühnentechniken, u.a. konnte die Arena komplett geflutet werden, um Wasserspektakel zu veranstalten. Das Kolosseum übertraf bei weitem alle (volks-)wirtschaftlichen und politischen Erwartungen und das in mehrfacher Hinsicht. Es gibt in der heutigen Zeit so gut wie keine Gebäude, die auch nur annähernd an die nationale und internationale Bedeutung und Strahlkraft des Kolosseum heran reichen. Kaum ein anderer Gebäudekomplex in der Geschichte stand so sehr für Fortschritt, Internationalisierung, Einheit, Gleichheit und Offenheit, gleichzeitig aber auch für Macht und Expansionsdrang. Bereits vor 2000 Jahren wurde so Licht und Schatten, Erfolg und Herausforderung eine Formen- und Ideologiesprache gegeben, die weder an Aktualität noch an Bedeutung verloren hat. Es dauerte 1800 Jahre bis es dem französischen Künstler Frédéric-Auguste Bartholdi gelang, ein Werk mit ähnlicher Strahlkraft zu schaffen. Heute steht es auf Liberty Island im Hafen von New York und war ein Geburtstagsgeschenk zur 100-Jahrfeier der Vereinigten Staaten von Amerika. Natürlich ist die Freiheitsstatue gemeint.

Was können Planer und Investoren daraus lernen?
Das Kolosseum war ein öffentliches Gebäude. Insbesondere Bürgermeister und Landräte können daraus lernen, dass Gebäude, die für die öffentliche Nutzung vorgesehen sind auch so geplant werden müssen. Nicht alles was dem Stadtkämmerer gefällt funktioniert nachhaltig und nicht alles was nachhaltig funktioniert wird dem Stadtkämmerer gefallen. Das spielt aber gerade bei Gebäuden mit langen Nutzungsdauern eher eine untergeordnete Rolle, zumal sie öffentliche Interessen erfüllen und keinen politischen Intervallen folgen sollen. Nur dann gelingen sogenannte “Große Würfe”.

Die Trajansmärkte, wenn auch öffentlich finanziert, waren privat genutzt und auch deshalb überdurchschnittlich erfolgreich, weil sie den Zeitgeist nicht nur aufnahmen und umsetzten, sondern auch mit der nötigen Flexibilität versahen, um sie jederzeit an neue Anforderungen anpassen zu können ohne das ein Abbruch des Komplexes nötig gewesen wäre, woraus sich die wirtschaftliche Nachhaltigkeit ergab. Erst langsam und unter dem Druck von Kapitalgebern lernen Investoren und Planer, dass Nachhaltigkeit und die sogenannte Drittverwertbarkeit nicht Kür sondern Pflicht bei der Planung sind.

Weitere Informationen mit zahlreichen weiterführenden Links finden Sie hier Kolosseum und Trajansforum.



BWTC © Dr. Emmett Brown

BWTC © Dr. Emmett Brown

Was bleibt?
Das Bahrain World Trade Center ist ein schönes Beispiel, um zu beschreiben, wie die verbliebenen Herausforderungen angenommen werden können. Es handelt sich um den ersten Wolkenkratzer-Komplex der Welt, der sich autark mit Windenergie versorgt. Das Nachfolgeprojekt, der Burj al-Taqa, wird sogar vollständig Energieautark betrieben werden, also der erste Null-Energie-Wolkenkratzer der Welt sein. Versuchen sie einmal dieses oder ein vergleichbares Konzept ihrem Stadtkämmerer zu verkaufen und sie wissen was hier gemeint ist. Inzwischen würde er sich darauf einlassen, weil er sehen kann das es funktioniert, aber was ist mit den Folgekonzepten? Sie werden wieder an der Mutlosigkeit von Entscheidern scheitern. Das ist einer von vielen Gründen, warum das Kolosseum und die Trajansmärkte so lange als Benchmark überdauern konnten, statt zum Beispiel schon längst von autarken, schwimmenden Städten oder vertikalen, autarken Gebäudekomplexen an Land abgelöst zu werden. Die technischen Möglichkeiten dazu stehen schließlich schon länger zur Verfügung.

Architektonisch bleiben nicht mehr viele Herausforderungen zu meistern. Es gibt kaum noch Nutzungsarten oder -formen, die nicht zumindest schon einmal geprüft oder ausprobiert worden sind. Ingenieure stehen da deutlich größeren Herausforderungen gegenüber, um insbesondere die bauenergetische Nachhaltigkeit zu verbessern, aber natürlich auch was die Weiterentwicklung von Baustoffen insgesamt angeht, um zum Beispiel größere Festigkeiten, Haltbarkeiten und Tragfähigkeiten bei gleichzeitiger Reduzierung von Ressourcen zu erreichen. Die Felder “Entwicklung im Bestand” und “Nachhaltigkeit” sind zweifelsfrei die Spielwiesen der Gegenwart. Demographischer Wandel und sich daraus ergebender, reduzierter Flächenbedarf sind weitere.

Wie bewerten Sie die aktuellen und künftigen Herausforderungen und wie sollten sie angenommen werden?


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